The Night Of & Atlanta

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Die Mini-Serie The Night of (HBO) war für mich der TV-Höhepunkt des Sommers, und Atlanta (FX) begleitet mich durch den Herbst. Beide erzählen Geschichten von Minderheiten (Pakistan/Muslim Americans & Black Americans), wobei The Night Of eher in der düsteren Justiz-/Gefängnis-/“Was ist Gerechtigkeit?“-Ecke spielt und Atlanta das afroamerikanische Leben in den Metropolen des Südens als desillusionierte Alltags-Comedy zeichnet. Durch meinen Wohnort sind mir Atlanta und die schwarze Kultur näher, wenn auch eher beobachtend. Beide vereint eine Nah-Perspektive auf Bevölkerungsgruppen, die in TV-Formaten bis Ende der Neunziger vor allem als Sideshows oder stereotypisiert vorkamen (eine Rolle, die derzeit im englischsprachigen TV häufig Hispanics ausfüllen).

Das Wesentliche

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Sunrise

Es gäbe eine Menge zu schreiben, aber auch eine Menge zu tun. Wir müssen das verschieben.

Nur eines: Das Wesentliche.
Daran fehlt es gerade, wo auch immer ich hinblicke. In den politischen Diskussionen, die von Personentheater der USA bis zu Symptomdebatten und -gesetzen in Deutschland reichen. Und das ist noch der harmlose Teil.
Im Journalismus, wo allzu oft Ereignis-Knöpfe ausgedrückt statt Glühbirnen im Hirn elektrisiert werden.
In Tech, wo das Silicon Valley zu einem überteuerten Club selbstverliebter MBAs geworden ist, der sich immer weiter weg von der Reflexion seines Handelns und seiner Ziele driftet.
In der Frage des menschlichen Überlebens und des Klimawandels, die mit homöopathischen Dosen von Veränderung unseres Systems beantwortet wird.
In der Frage nach unserer demokratischen Vorstellungskraft im Zeitalter des Spätkapitalismus.

Aber ich bin trotzdem optimistisch, dass das nicht alles in einer großen Leere endet oder wir nur durch die Katastrophe lernen werden.
Denn der Wunsch nach dem Wesentlichen ist menschlich, und er wird immer größer, je mehr wir die Zeit mit dem ganzen Rest vertun.
Bei mir zumindest.
Und das Wesentliche ist nicht nur privat, es ist auch politisch. Es zu suchen ist schmerzhaft und befreiend zu gleich. Es macht uns vom Objekt zum Subjekt.

Vielleicht stehen wir ja in Wahrheit nicht vor dem Zeitalter des dauernden Hasses, der Konflikte und der Gereiztheit, dem Sieg des Kapitalismus über die Demokratie, dem der Identität und Schubladen über den Verstand. Sondern einfach vor einer Zeit der Veränderung.
Zum Besseren? Das klingt nur naiv, wenn man den Glauben an diese Möglichkeit bereits aufgegeben hat.

Belly of the Beast

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Michael Lefsetz über Hollywood:

Live in the belly of the beast long enough and it seems so important. But when they go back thirty years and lay it all out, you remember the movies but don’t care about them and realize they’ve got no staying power. It’s as if all this work has been done for naught. As guys, and it is mostly guys, beat their chests, take credit and play chess with each other believing they’re Gary Kasparov when the truth is they’re kids playing Chinese checkers.

Tröstend und auch auf die Medienbranche passend. Zur Wiedervorlage in 30 Jahren markiert (10-15 genügen wahrscheinlich auch).