Was passiert nach dem Ende von Moore’s Law?

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A stack of chips

Im März wird die nächste International Technology Roadmap for Semiconductors veröffentlicht, es wird ein historischer Moment: die offizielle Verkündung des Endes von Moore’s Law (der Verdoppelung der Transistoren-Zahl auf Mikrochips im zweijährigen Rhythmus).
In Nature ist ein sehr, sehr guter Artikel darüber und über die Perspektiven für die Zeit danach erschienen. Mögliche Folgen (soweit ich sie verstehe als jemand, der nicht in der Halbleiter-Branche arbeitet):

  • Die Konstruktion von 3-D-Architekturen, in denen die Trennung von Speicherchips und Mikroprozessoren aufgehoben wird.
  • Das Ersetzen der Silizium-Basis durch ein neues, weniger Energie benötigendes Super-Material wie Graphem. Bislang allerdings nicht gefunden, sondern mit dem Platzhalter-Namen “Millivolt Switch” benannt (Kontext-pdf)
  • Ein vollständiger Paradigmenwechsel zu Quanten- oder neuromorphischem Chipdesign.
  • Die weitere Spezialisierung des Chipdesigns auf die jeweiligen Einsatzfelder/Geräte/Sensoren (was die Margen der Hersteller senkt, aber u.a. durch Smartphones bereits begonnen hat)
  • Der Punkt, an dem die Stückkosten der nächsten Transistor-Generation wieder steigen und damit über der aktuellen Generation liegen (die Entwicklung lohnt sich dann ökonomisch nicht mehr, schon jetzt sind die Mindestkosten pro Transistor nicht mehr zu senken btw.). Hier wäre die Geschäftsgrundlage der Hersteller mittelfristig bedroht.
  • Als Bonus gibt es in der dazugehörigen HN-Diskussion noch eine Debatte über mögliche Kompensationsstrategien durch Software-Lösungen (bessere Compiler, Parallelisierung von Prozessen).

Bis wir das Ende von Moore’s Law bemerken, werden noch einige Jahre vergehen. Aber es könnte die spannendste und folgenreichste technologische Kursänderung der nächsten Jahrzehnte werden. (gefunden via Charles Arthur)

Lässt sich Twitter reparieren?

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Twitter

Ich sehe unabhängig von den jüngsten Zahlen (mein @SZ-Stück hier) die Twitter-Zukunft nicht ganz so schwarz, wie sie derzeit gemalt wird – unter der Voraussetzung, dass wir nicht in eine globale Wirtschaftskrise steuern. Aber dann würde ich mir über andere Dinge größere Sorgen machen als über verschwindende Werbebudgets für Twitter-Ads. Kurz: Twitter ist reparierbar.

Eigentlich erstaunlich, wie wenig Twitter in den vergangenen Jahren an seinem Produkt gearbeitet hat – und das, obwohl man willentlich das Verhältnis zur Developer-Community ruiniert hat. Ein ehemaliger Mitarbeiter meinte mal zu mir, dass er mehr Teamleiter-Wechsel als Jahre in der Firma hatte. Was einiges erklärt. Ich weiß nicht, ob Jack Dorsey das ändern kann – ich halte von ihm als Produktdenker sehr viel, als CEO und Organisator wird er glaube ich überschätzt. Aber am Ende schreiben Erfolg oder Misserfolg Firmen-Geschichtsbücher. Dann wird sich auch zeigen, ob in den vergangenen Monaten die richtigen Mitarbeiter Twitter verlassen haben.

Ich glaube, dass Brand Advertisingman mag davon halten, was man willim Echtzeit-Kontext ein großer Markt ist. Oder, um diesen sehr lesenswerten Artikel aus der FT zu Brand Advertising zu zitieren: “It injects a brand into the cultural bloodstream and, by doing so, books a spot in the most important media of all: people’s brains.” Natürlich braucht es für ereignisgetriebene Kampagnen Kreativität und es gibt Konkurrenz, aber Facebook wird niemals Echtzeit sein und Snapchat hat ganz eigene Probleme. Und private Umgebungen wie Messenger sind dafür nicht geeignet (creepy).

Hängt also Twitter einfach nur an seinem Sales-Team? Ja und nein – bislang kommt mir das Targeting wenig ausgereift vor, und auch die Distribution hat Schwächen. Die Funktion von Listen als Themen-Digest findet sich im Kernprodukt überhaupt nicht wieder, obwohl das logische Marken-Hotspots sind. Warum bekomme ich keinen Alert “Sehe, was hier passiert?”, wenn ich in einer neuen Stadt bin (mehr Geo-Kontext)? Twitter Moments müsste eigentlich ein Produkt für jene Nutzer werden, die nicht eingeloggt sind oder nicht einmal ein Konto haben. Der Onboarding-Prozess ist eine Katastrophe (das wird immerhin gefixt). Und Periscope verliert gerade den Wettlauf mit Facebook Live, zumindest in den USA.

Ich weiß nicht, wie viele aktive Nutzer Twitter noch hinzufügen kann (der vermarktbare Anteil der MAU ist ohnehin deutlich geringer als die absolute Zahl). Im Hintergrund schwebt die Debatte über Hate Speech, Spam und verbalen Unflat, die ein größeres Problem sein dürfte, als die Firma derzeit offiziell zugibt. Es ist keine gute Phase für öffentliches Social Media gerade.

Wenn wir davon ausgehen, dass Twitter das Vorhandene bislang noch nicht ausgeschöpft hat, ist mein Ausblick aber positiv – der “Jetzt gerade”-Kontext wird nicht verschwinden. Aus den Zahlen lässt sich allerdings noch kein Trend herauslesen: Der Umsatz steigt, vor allem Video-Umsatz ist mit 50 Prozent kräftig gewachsen. Andererseits schweigt die Firma darüber, wie stark die Zahl der Anzeigen wächst; der Mobile-Anteil am Umsatz ging sogar leicht zurück (macht aber weiter mehr als 85 Prozent aus). Und die erst im Sommer eingeführten App-Install-Ads scheinen nicht funktioniert zu haben.

Was also sind die Perspektiven?Es fehlt noch ein mobiles Format, das nur im Twitter-Kontext funktioniert und weniger Aufwand benötigt (oder verlange ich zu viel?). Eine bessere Monetarisierung vorhandener Nutzer und zumindest eine kleine Wachstums-Geschichte in den kommenden Quartalen würde die Firma aus den gegenwärtigen Übernahme-Gefilden bringen (Sommerspiele dürften ein gutes Jahr dafür sein, wenn es bis dahin nicht zu spät ist). Mittelfristig könnte man mit einer Akquise von Medium und besserer Periscope-Integration die Plattform für alle werden, die sich im Netz artikulieren wollen, ob in Echtzeit oder ausführlicher. Dann ließen sich auch die Drive-by-Nutzer besser vermarkten.

Allerdings gibt es auch ein Szenario, dass ich bei einem weiteren Einbruch kleinerer Tech-Werte für wahrscheinlich halte: Twitter als Teil von Alphabet, genauer gesagt als mobiles Werbe-Standbein von Google.

Notizen zu Schulden, PayPal, vierter industrieller Revolution

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Debt
Mein Blog, mein Notizbuch (genauer: der Versuch, ein paar Gedanken hier unterzubringen):

  • Frage an mich selbst: Eher Mini-Ideen und Gedanken auskoppeln oder zusammenfassen? Pro Zusammenfassung: Muss nicht dauernd posten. Pro auskoppeln: Mehr Zeug, das in solchen untergeht. In der Mitte: Völlig egal, weil die Reichweite dieses Blogs ohnehin bescheiden ist.
  • Interessanter HN-Thread – dass PayPal eine Bürokratie ist, wusste ich, aber das Ausmaß an technischen Schulden klingt so gewaltig, dass es mittelfristig existenzgefährdend sein könnte (btw: technical debt einer der am stärksten unterschätzten Faktoren in der Tech-Berichterstattung, IMO)
  • In diesem Zusammenhang: Schulden als Begriff für „Unerledigtes, das dich verfolgen wird“ – bei Jessica Abel als “Idea debt”.
  • Das Lustige an diesem Stück zu Arbeitsbedingungen und Perspektiven des Journalismus: Ich kenne eine Menge altgedienter Journalisten, die völlig überrascht davon wären.
  • Frederik De Boer: Habe ihn erst vor kurzem entdeckt, aber er ist einer wichtigen Sache auf der Spur – der Politik der Assoziation (a.k.a: das Problem, dass Gruppenidentität sich zur einzigen Form der Politik entwickelt).
  • Nicole Dieker sehr schön über die “vierte industrielle Revolution (und die Gig-Economy)“. “Someday they’ll write books about us. They’ll put soft-focus images of young women on the cover, and girls will sit in classrooms and wish that they could have been part of all of this, the amazing Fourth Industrial Revolution where everything changed so quickly. Until then, get ready to hustle”
  • Zum x-ten Mal diesen Text über das Ende von Apps, wie wir sie kennen gelesen. Gutes Futter, ich mag auch die UX-Details.