Jordan Peterson

Jordan Peterson: „One Thing I am Not is Naive“
Freedom & Tyranny with Dr. Jordan Peterson
The Intellectual We Deserve
Why Jung Would Not Approve of Jordan Peterson
On Peterson, Political Correctness, and Postmodernism
A Critique of Jordan Peterson (+ Part II)

Vor einigen Monaten war der kanadische Philosoph Jordan Peterson bei Bill Maher (siehe Video). Der Hype wird vielleicht auch noch im deutschen Mainstream ankommen, wenn ein Verlag sein Selbsthilfebuch „12 Rules“ übersetzen wird (die FAZ hatte ihn im April schon einmal angelobt, quasi).

Nachdem ich mich genauer mit seinen Thesen beschäftigt habe, verfestigt sich langsam der Eindruck, dass diese Form von Netz-Konservatismus außer plakativen Feindbildern (böse Marxisten-Postmodernisten-Studenten!) und einer reaktionäreren Form von Neoliberalismus (Hierarchien sind Naturphänomene! Räume Zimmer und Lebenslauf auf, bevor Du demonstrieren gehst!) nichts zu bieten hat, in Petersons Fall offenbar nicht einmal ein fundiertes Wissen über seine (linken) Feindbilder oder Jungs Archetypen-Verständnis. Was nichts daran ändert, dass gefühlige Gegenwartskritik offenbar funktioniert und Peterson Hallen mit jungen Männern füllt. Dass diese intellektuelle Leere so viel Anziehungskraft hat und sich gerade zum Mainstream-Konservatismus hochstapelt, sollte auch progressiven Zeitgenossen Sorgen machen.

Uploadfilter statt Fair Use

Upload-Filter sind eine Schnapsidee

Dass die EU sich anschickt, weiterhin Politik für Akteure der vordigitalen Vergangenheit zu machen, überrascht nach den vergangenen Jahren nicht. Wenn man mich allerdings vor einem Jahrzehnt gefragt hätte, wäre meine Erwartung gewesen, dass die Digitalisierung in Europa zu größeren Spielräumen im Sinne eines „Fair Use“ führt. Ich nehme an, dass der EuGH Uploadfilter kippen wird, wenn sie denn kommen. Aber der Verlust von „sozialem Stammkapital“, von dem ich im Zusammenhang mit dem Leistungsschutzrecht geschrieben habe, scheint auch den verantwortlichen politischen Entscheidungsträger in Straßburg nicht zu interessieren. Dabei scheinen mir die Digitalistas mehrheitlich durchaus ein Publikum, das die europäische Institutionen schätzt und gerne stärken würde.

Wie Menschen

Learning to talk to each other like human beings

Der Blick in die Diskussionen auf Social Media zum Thema du jour macht mich oft ziemlich hoffnungslos. Rituale von Rechthaberei, rhetorischer Höchstdramatisierung und ritualisiertem Tugend-Signal gegenüber dem eigenen Stamm sind inzwischen selbst bei sonst klugen und differenzierten Menschen der gängige Modus. Selbst in banalen Angelegenheiten wird jede entdeckte Flatulenz als Beweis für die Existenz eines gigantischen Misthaufens herangezogen. Fragen werden fast ausschließlich rhetorisch gestellt. Irgendwie ziemlich unsympathisch, das alles. Und leicht schwachsinnig.

Jaja, es gibt natürlich auch andere Seiten und von Social Media genervt zu sein, ähnelt der Klage über das schlechte Wetter. Und ich stelle auch fest, dass ein Teil der Genervtheit vom Wiedererkennen meines eigenen Klugscheißer-Drangs stammt. Aber irgendwie wird dort ja auch ein Teil unserer Medienrealität hergestellt. Irgendetwas bildet es ab. Bei den oben verlinkten Worten von Adam Kotsko habe ich mich deshalb abgeholt gefühlt:

„Jeden Morgen wenn ich die Nachrichten lese und die leeren Riffs und Witze darüber, wächst in mir die Überzeugung, dass wir alle lernen müssen, miteinander wie menschliche Wesen zu reden. Ich werde nicht behaupten, dass das die revolutionärste Sache ist oder die wichtigste – aber sie ist notwendig, wenn wir unser Schicksal nicht der lautesten und brutalsten Person auf ‚unserer Seite‘ anvertrauen wollen. Vielleicht wird es funktionieren, wahrscheinlich nicht, und wenn es nicht funktioniert, werden wir keine Möglichkeit haben herauszufinden, was falsch gelaufen ist und was wir verändern können.“

Zwei empfehlenswerte Tech-Bücher

An neuen Büchern über die Digitalisierung mangelt es nicht, ich kann jedoch nur wenige empfehlen. Zwei aktuelle Bücher haben mir in den vergangenen Monaten aber großen Lesegewinn beschert. Hier seien sie endlich einmal kurz vorgestellt:

Ellen Ullman: Life in Code

Ellen Ullman begann in den Siebzigern als Programmiererin zu arbeiten und hat darüber später für Wired, Harpers und andere Magazine geschrieben. „Close to the Machine“ (1997) machte sie bekannt und die Metapher spielt auch in „Life in Code“ eine Rolle, das die vergangenen Jahrzehnte in autobiografischen Essays nacherzählt. „Nahe an der Maschine“ waren in den Siebzigern eben jene Programmierer, die noch direkt mit der Nullen-Einsen-Ebene zu tun hatten, weit weg von den immer neuen Abstraktionsebenen der Software. Und irgendwann eben dann eben waren wir alle „close to the machine“, wenn auch auf andere Art. Ullmans aktuelles Buch ist eine persönliche Evolutionsgeschichte von Computer und Internet, die Phänomene wie „Frauen in Männerteams 1970-1999“, frühes Maschinenlernen, Y2K-Bug oder die Dotcom-Blase aus der damaligen Gegenwart beschreibt (Ullman lebt in San Francisco, ohne Teil einer „Szene“ zu sein). Und es ist mein erstes Tech-Buch, in dem ich historische Entwicklungen nicht mit der Perspektive von heute im Hinterkopf, sondern eben aus der Sicht von damals nacherleben kann. Was sich verwirrend atemberaubend anfühlt.

Adam Greenfield: Radical Technologies – The Design of Everyday Life

Adam Greenfield ist Urbanist, Designer und seit langem interessierter Begleiter der Digitalisierung. Auch wenn „Radical Technologies“ ein technologiekritisches Buch geworden ist, merkt man Greenfield an, dass es ihm um eine ehrliche Analyse geht, nicht um die These (was ihn wahrscheinlich auf dem deutschen Buchmarkt unvermittelbar machen würde). „Radical Technologies“ ist für mich die bisher präziseste und zugänglichste Darstellung von Technologien wie Automatisierung, Blockchain oder Machine Learning und den ihnen inhärenten Systemen, die ja wiederum auf unsere bisherigen Alltags- und Gesellschaftssysteme treffen. Ich kann gar nicht genug betonen, wie wohltuend sauber Greenfield arbeitet und was es für einen Unterschied macht, wenn ein Autor Technologien durchdringt und aus diesem Wissen klare Gedanken und Fragen formuliert (auch wenn ich mir mehr Antworten im Sinne von Handlungsoptionen gewünscht hätte). Wenn wir eine humanistische Auseinandersetzung mit der Digitalisierung wagen wollen, die sich nicht in den üblichen Ritualen und banalen Psycholoanalyse-Memes wie „das Silicon Valley hat einen Gott-Komplex“ erschöpft, dann hat Adam Greenfield uns einen vielversprechenden Pfad dorthin eröffnet.

 

 

Der Platz der Religion

Making Room for God

Der Historiker (und ehemalige kanadische Oppositionsführer) Michael Ignatieff wagt sich in obigem Essay daran, den zentralen Konflikt unserer Gegenwart zu ordnen: das Verhältnis zwischen „Liberalismus“ (also der säkularen, demokratischen Ordnung) und Religion. Er leitet drei Punkte ab, die ich für relevant halte:

(1) Wir als liberale Gesellschaft machen immer noch den Fehler, Religion als prägend für das ganze Leben eines Menschen zu sehen – und machen dadurch ihren Schutz zur zentralen Aufgabe der politischen Ordnung. Aber wie wäre es, wenn wir religiöse Bekenntnisse nicht getrennt von säkularen wie Veganismus oder Umweltschutz betrachten würden? Er zitiert den Philosophen Tim Crane: „Näher an der Wahrheit ist, dass alle Menschen, nicht ihre Meinungen, Respekt verdienen.“

(2) Seit der Aufklärung glaubt der Liberalismus, dass er am Ende zwangsläufig über den Glauben siegen wird und ihn in die private Sphäre zurückdrängen kann . Diese Idee der Säkularisierung verliert aber an Glaubwürdigkeit: Während sich einige Religionen (oder vielmehr ihre Interpretation) dem liberalen Verständnis öffnen (und sich das liberale Verständnis auch ständig neu austariert), definieren sich Evangelikale, konservative Katholiken und muslimische Fundamentalisten explizit gegen das, was sie als individualistische und hedonistische Ordnung betrachten. „Liberale Gesellschaften fahren nicht auf eisernen Schienen Richtung Freiheit – sie können das Gleis wechseln.“

(3) Zur Wirklichkeit liberaler Gesellschaften gehört, dass sie enttäuschen müssen. Es gibt keine glühenden Utopien, keine Erlösung, sondern (in den sozialdemokratisch-geprägten Staaten) nur die Verringerung von unverdientem Leid und von Ungerechtigkeit und die Vermehrung von Wohlstand und persönlicher Selbstverwirklichung. Der Sehnsucht vieler Menschen nach kollektiver Zugehörigkeit oder Zugehörigkeit zu Gemeinschaft und Traditionen können sie nicht befriedigen, und diese Lücken werden oft durch nicht-liberale Ideen gefüllt.

Ignatieffs Pointe ist, dass inzwischen auch manch Liberaler in der Religion flüchtet, während er den „immerfort kleiner werdenden Horizont der säkular-demokratische Ordnung“ betrachtet.

Über (1) lässt sich am längsten grübeln. Tatsächlich geben wir gerade in Deutschland der religiösen Prägung einen besonderen Platz, dessen Genese im Nachkriegsdeutschland-Kontext interessant zu verfolgen wäre. Ich persönlich tue mir qua Biografie und Spiritualität noch schwer, Lebensstil und Religion in die gleiche Schublade einzusortieren, weil religiöse Prägung mir „horizontal“ über alle Lebensbereiche zu verlaufen erscheint, Veganismus dagegen „vertikal“, also als „eine Entscheidung über einen bestimmten Teil meines Lebens“ betreffend. Vielleicht ist aber auch „Veganismus“ gar nicht die richtige Kategorie, sondern „Respekt vor dem Leben“ oder ähnliches.

In (3) wiederum hat sich meines Eindrucks nach in Europa auch über das progressive Spektrum hinaus die Erhaltung unserer Spezies durch den Kampf gegen Umwelt- und Klimaschäden als eine Art verbindendes Element durchgesetzt, wenn auch eher theoretisch als in der gelebten Praxis. Was wiederum zum Liberalismus passt: Die Verhinderung der Katastrophe als verbliebene Utopie.

Siehe auch:

 Westen ohne Gott
Identitätsmythen und das Vakuum unseres Fortschrittsbegriffs
John Stuart Mill als Religionsstifter

Unbewusste, unterbrechende und unsichtbare Medien

 The Future of Television is being able to pick Shows by Length

„Konsumenten sortieren heute (oft unbewusst) jedes Medien-Produkt vom Podcast über Magazingeschichten bis zum Video in drei Kategorien: Bewusst, unterbrechend und unsichtbar. Die Konsequenzen dieser Veränderungen sind bedeutend. (…)
Bewusste Medien sind jene Handvoll Angebote, deren Konsum wir vorher planen, um dann ein besonderes Stück unserer Zeit dafür zu reservieren. Für mich sind das Couch-Shows wie Better Call Saul und sonst fast nichts. Unterbrechende Medien wiederum sind eine viel größere Kategorie: Diese Programmgestaltung füllt die freien Plätze in unserem Leben – 10 Minuten in der Supermarkt-Schlange, fünf Minuten beim Warten nach dem Kindertraining, 35 Minuten im Zug oder Bus. Für mich sind das Artikel, die ich auf Instapaper gespeichert habe, Hörbücher und Smartphone-Shows wie Billions, das mir sehr gefällt, das ich aber noch nie daheim angeschaut habe und selten in längeren Segmenten als 30 Minuten. Unsichtbare Medien ist die größte Kategorie von allen – das Zeug, das wir niemals sehen, von dem wir kaum wissen, dass es überhaupt existiert.“

Hilfreiche Kategorien. Ich hatte mal ein „Uber für @SZ-Inhalte“ gepitcht, das aus der Kombination von „Zeit zur Verfügung“ (wählbar) und Interessensgebieten redaktionelle Artikel und Videos zeigt. Quasi eine Abwandlung von dem, was die App „NPR One“ im Audiobereich schon gut macht. Die Umsetzung ist komplex, inzwischen würde ich diese Funktion auch eher bei einem der diversen Assistenten da draußen verorten (falls es das nicht schon irgendwie gibt). Wobei ich gar nicht weiß, ob das notwendige flächendeckende API-Ökosytem realistisch wäre, das wäre für App-Anbieter ja quasi ein weiteres zwischengeschaltetes Meta-OS.

Beautiful Game

The Last World Cup

„Michel Platini, der damalige Vizechef der Fifa, kam vor der Abstimmung 2010 zu einem Mittagessen im Élysée-Palast mit Präsident Sarkozy und Vertretern der Königsfamilie von Katar zusammen. Sarkozy ließ die Kataris wissen, dass der Preis von Platinis Stimme auch eine Unterstützung für seinen lokalen Verein Paris Saint-Germain beinhalten würde, der damals in finanziellen Schwierigkeiten steckte. Zur gegebenen Zeit kaufen die Kataris den Verein und investierten Hunderte Millionen in ihn (inklusive der 222 Millionen Euro, um Neymar zu kaufen, den teuersten Spieler der Welt). Katar kaufte zudem die Fernsehrechte für die Spiele aus Frankreichs erster Liga für mehr als 360 Millionen Euro1  und Qatar Airways bestellte 50 A320-Flugzeuge, die von Airbus in Toulouse gefertigt werden. Der Wert dieses Deals allein wurde für die französische Wirtschaft mit ungefähr 17 Milliarden Euro beziffert.

(…) Platini hat immer betont, dass er nicht für Katar stimmte, weil Sarkozy es ihm sagte. Allerdings passierte offenbar etwas, das ihn dazu brachte, seine Unterstützung für die USA als WM-Gastgeber 2022 aufzugeben und sich stattdessen für ein Land einzusetzen, das keine Fußball-Infrastruktur, kein nennenswertes internationales Profil in diesem Sport und ein Klima hat, das bei einem Sommerturnier Spiele in Temperaturen von bis zu 50 Grad bedeutete.“

Dass wir trotzdem die Fifa-WM verfolgen, auch die in Russland, entspricht unserem Verhalten in fast allen anderen unbequemen Fragen unserer Zeit: Ein Wissen über die moralische Problematik bei gleichzeitiger Bequemlichkeit und dem Bewusstsein, für diese Bequemlichkeit von niemandem zur Rede gestellt zu werden und so den moralischen Aspekt einfach nur verdrängen zu müssen. Das Collective Action Problem existiert also sogar im Fifaturnier-Konsum, natürlich auch deshalb, weil Fußball nicht nur ein schöner Sport ist, sondern auch das letzte große Lagerfeuer (und sonst läuft eh nix im Sommerfernsehen).

David Runciman prognostiziert realistischerweise, dass der Videobeweis ein Aufreger wird, nicht die Menschenrechte. Er beendet seinen Artikel mit den Worten:

„Vielleicht wird die Weltmeisterschaft diesen Sommer nicht das letzte Turnier, in dem wir noch den Unterschied zwischen einem internationalen Fußballspiel und einem Videospiel erkennen können. Aber es könnte die letzte WM sein, bei der uns das überhaupt noch interessiert.“

1 Die Zahl im Artikel ist zu hoch, selbst korrigiert.

Vereinigte STAATEN von Amerika

Die Welt blickt in diesen – wie in den meisten – Tagen auf Washington. Natürlich zurecht, einerseits. Andererseits sind die deutschen Interessensorte Washington, New York, LA und San Francisco eben nur ein kleiner Teil dieses Landes. Ich will nicht sagen, dass die anderen Landstriche nun völlig anders sind, aber es gibt eben doch eine Regionalgeschichte, unterschiedliche Mentalitäten, ethnische Zusammensetzungen, Traditionen, Konflikten. Je länger ich hier bin (und je näher die Rückkehr im kommenden Jahr rückt), desto stärker vertiefe ich mich in die Geschichte und Geschichten der Bundesstaaten.

Ich bin dabei immer wieder verblüfft, wie detailliert und anspruchsvoll die Sozialgeschichte der USA bis ins Kleinste dokumentiert ist, und dass sich immer wieder jemand findet, der das aufgreift und weiter forscht oder die Gegenwart aus dieser Perspektive betrachtet. Eine derart zugängliche Regionalgeschichte, kombiniert mit echten Geschichten vor Ort, kenne ich aus Deutschland nicht.

„Kulturgut Buch“

Digitaler Stress frisst Lesezeit
Die Deutschen lesen weniger Bücher, teilweise überhaupt keine mehr. Die Umsätze des Buchhandels sind noch stabil (wer liest, kauft mehr Bücher als früher), aber 25 Prozent aller Leser in Deutschland sind über 70.

Kolja Mensing vom Deutschlandfunk hat vergangene Woche dazu einige kluge Dinge gesagt:

“Ich glaube, wir haben so eine merkwürdige Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Es gibt halt immer noch den Diskurs des guten alten Literaturbetriebs, dessen Wurzeln irgendwo in der deutschen Nachkriegszeit liegen, in dem alle Beteiligten – Lektoren, Buchhändler, Kritiker – sich um ein verhältnismäßig kleines Segment vermeintlich anspruchsvoller Literatur gruppieren und nicht nach links und rechts schauen. Und auf der anderen Seite gibt es eben so ein modernes, urbanes und popkulturell sozialisiertes Milieu, das an ganz anderen Inhalten interessiert ist. (…) Ich glaube, man muss aus dieser ganzen, immer auch leicht dünkelhaften Rhetorik zum Kulturgut Buch erst einmal die Luft rauslassen, anstatt es – wie es der Börsenverein es ja jetzt offenbar vorhat – es zur Waffe im Kulturkampf gegenüber der digitalen Welt hochzurüsten.”

Kurz: Der Buchbranchen-Diskurs begegnet der Veränderung durch einen Konservatismus, der ohnehin nur diejenigen anspricht, die ihm bereits folgen und diese Ansicht teilen. Ähnlich gilt das auch für das deutsche Feuilleton. Ich habe es vor fünf Jahren in einem Beitrag hier verteidigt, was wohl etwas naiv war. Es ist den deutschen Feuilletons unterm Strich nicht gelungen, ein Verhältnis zum Zeitgeist zu entwickeln, sich entlang der oben beschriebenen Popkennerschaft neu zu definieren und daraus eine neue Form zu entwickeln. Dabei existiert gerade in unserer liquiden Kultur das Bedürfnis nach historischem Kontext, Meta-Referenzen und einer klugen Analyse im Blick auf Markt-, Mode- & Machtmechanismen. Nur findet die eben in der Regel in Social Media oder den englischsprachigen Publikationen statt.

(Via Christoph Kappes, Twitter)

Siehe auch:
 „Das unendliche Essay„