in Horizont, Welt

2012/2013

Foto: Joinash, Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Ich bin etwas später dran als in den vergangenen Jahren, deshalb gibt es keine Jahresliste, sondern nur ein paar Gedanken.
Was wird von 2012 bleiben? Was wird 2013 kommen? Nun, um die erste Frage zu beantworten: Zumindest war es nicht so ereignisreich wie 2011, was der Menschheit im Hinblick auf Katastrophen wie Fukushima ja ganz gut tut.

Politisch fand die größte Zäsur in China statt – nicht unbedingt wegen des Machtwechsels, dessen Konsequenzen sich erst in den nächsten Jahren zeigen werden. Vielmehr sind es die Skandale und Aufreger der chinesischen Elite, die mit nie gekannter Wucht die Öffentlichkeit erschütterten. Naked Lunch, quasi. Ansonsten werden sich die Auswirkungen von Obamas Wiederwahl, der aufziehenden Konflikte im Pazifik, den Kriegshandlungen in Mali und der anhaltenden Tragödie im Osten des Kongo erst in den nächsten Monaten und Jahren zeigen. Gleiches gilt für die Entwicklung der „islamisch geprägten Demokratie“ in Ägypten und anderswo. Und die Euro-Krise? Die EZB rettet (vorerst) den Euro rettet die Banken und die Politik kickt die Blechdose die Straße hinunter. Von einer Vision für die künftige EU ist wenig zu sehen, ebenso zaghaft sind die Korrekturen am Finanzsystem, sogar Rückschritte gibt es beim Kampf gegen den Klimawandel, trotz beunruhigender neuer Messergebnissen. Und 2013 dürfte sich in allen drei Bereichen wenig ändern.

Medien im Jahr 2012: a) die Krise kommt nach Deutschland b) Online hat sich als Publikationsplattform der Zukunft etabliert. Dass die Erkenntnis b) sich in den meisten Verlagen hierzulande so spät durchsetzte, wird im historischen Rückblick einmal für großes Stirnrunzeln sorgen. Was 2013 kommt? Mehr Paywall-Versuche und -Diskussionen in der Branche und dabei viel Trial und viel Error. Ich persönlich bin kein Fan von schlichter Content-Monetarisierung durch Verknappung, ich glaube, Medien müssen sich im Dialog neu erfinden und etwas anderes bieten. Das LSR wird wahrscheinlich auch kommen, niemandem, wirklich niemandem etwas bringen und die meisten Menschen da draußen auch nicht interessieren.

Wohin entwickelt sich das Netz? Bei 2012 bleiben natürlich die Anti-Acta-Demonstrationen im Kopf, der Facebook-Börsengang und zahlreiche Geschäftsmodell-Debatten. Auch wenn ich es nicht so pessimistisch wie Ben sehe: Insgesamt war es kein gutes Jahr, zum einen nehmen die staatlichen Begehrlichkeiten weltweit weiter zu, zum anderen entwickeln sich in vielen Feldern (von Social Networks bis zum Verkauf digitaler Inhalte) Monokulturen heraus. Eine kleine Ironie ist, dass damit auch Offline-Monokulturen plötzlich bedroht sind (Media Markt).

Bei Blogs in Deutschland hat sich nicht besonders viel getan, es bleibt ein Nischenmodell, obwohl gerade viele Wirtschafts- und Finanzblogger wieder großartige Arbeit geleistet haben. Eine ziemlich gute Entwicklung nimmt der Postillon, den ich als Verlag sofort kaufen würde, natürlich samt des Autors.

Mit meinen Prognosen lag ich übrigens ganz gut, wobei Obamas Wieder- und Sarkozys Abwahl nicht besonders schwierig zu erraten waren. Röslers Ablösung durch Brüderle kann ja auch noch kommen 😉

Euch allen ein gesundes 2013 (und nächstes Jahr gibts wieder eine Liste, hoffe ich)!

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