Archive for March, 2007
Kurzzeiler: Let it Bleed
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(Foto: flickr)
Wer einmal in den Weiten der virtuellen Welt versumpft ist, beispielsweise in einem MMORPG, hat wohl nur eine absolute Horrorvorstellung: das eben jenes virtuelle Leben endlich sein könnte, wenn nämlich der Laptop ins Meer fällt oder, noch wesentlich schlimmer, der eigene Account gesperrt wird.
In China hat man sich diesen Umstand jetzt zu Nutzen gemacht. Dort hat die Online-Firma Moliyo Usern mit gesperrten Accounts Amnestie angeboten. Die Nutzer erhalten ihre heiß begehrten virtuellen Accounts zurück – aber nur wenn sie dafür reell bluten. Wer eine großzügige Blutspende macht darf also wieder in sein zweites Leben flüchten. Der Fall zeigt: Online-Süchtige sind die wahren Gutmenschen. Zumindest wenn sie danach wieder Avatar sein dürfen.
Kurzzeiler: Murdoch und NBC bringen YouTube-Rivalen an den Start

(Foto: Flickr)
Harte Wochen für YouTube: Nach der Klage von Viacom letztes Wochenende haben sich nun nach diversen US-Medienberichten, (den Scoop hatte die Los Angeles Times) die Konkurrenten News Corp. (Rupert Murdoch) und NBC ein gemeinsames Joint Venture gegründet, um eine Konkurrenzplattform aufzubauen. Näheres wird auf einer Pressekonferenz um 15 Uhr Ostküsten-Zeit verkündet. Interessanterweise wird das neue Projekt nicht nur der Haus- und Hoflieferant für Videos aus Myspace-Seiten (MySpace gehört ebenfalls zu News Corp.), sondern es wird auch die Google-Konkurrenten Yahoo, Microsoft und AOL mit Videomaterial versorgen. Das Projekt könnte bereits im Sommer an den Start gehen. Nachdem die Gewinne bei YouTube anscheinend weiter ausbleiben, dürfte das einst milliardenschwer erstandene Videoportal langsam als “kranker Mann” im Google-Konzern gelten.
PS: Ich darf hiermit freudig verkünden, dass Kopfzeiler das erste ernstzunehmende deutsche Medium ist, das über die Geschichte berichtet. Naja, ernstzunehmend deshalb, weil wer liest schon Finanznachrichten.de? Da Technorati die Seiten nicht in Echtzeit durchscannt, weiß ich nicht, wie es in der Blogosphäre aussieht. Aber wir sind ja eh alles eine Familie
Short Cuts: News Corp. and NBC to present YouTube-rival
As Reuters and some other media report, Rupert Murdoch’s News Corp. and NBC have reached an agreement over an online joint venture to challenge YouTube. There will be a press conference at 3 p.m. (EST) to confirm this. The plattform will probably work similiar to Google, but has some hundred million potential users as it will become the home-video-site for MySpace, which also belongs to Murdoch. Interestingly enough, other Google-rivals like Yahoo, AOL and Microsoft will also be joining the team – apparently, the new project is going to supply them with its material. Media said the two also wanted Viacom to join, but they refused and instead chose to sue Google. The project could launch as early as this summer.
Short Cuts: Putin introduces new surveillance-authority
As German internet magazine Telepolis reports, Russian president Vladimir Putin ordered the creation of a new mega-authority: It will bundle up the surveillance of traditional media (radio, television, newspapers) with control of telecommunication and the internet. As Russian newspaper Kommersant mentions, the new ministry also owns personal data of every Russian citizen. The paper calls the new authority a “Media mega-controller”.
Russian news agency RIA novosti, which is close to the government, reports the new ministry was built to enable Russian people to participate in the Russian heritage as well as to improve the development of the new media. In fact, it could be used to combine personal data with internet surveillance, introducing censorship to internet communication – as Telepolis suggest, this could even concern Russians living in exile.
Thanks for the hint goes out to René Denzer.
Kurzzeiler: Putin schafft neue Superbehörde zur Überwachung

(Foto: Flickr)
Wie Telepolis meldet, hat Russlands Vladimir Putin die Gründung einer neuen Superbehördezur Überwachung der Telekommunikation im Land angeordnet. Die neue Behörde soll sämtliche Massenmedien (also Fernsehen, Radio, Zeitungen), das Internet, aber auch die klassische Telekommunikation kontrollieren. Die russische, der Regierung nahestehende Nachrichtenagentur RIA Novoski erklärt, das neue Ministerium solle breiten Bevlökerungsschichten Zugang zum russischen Erbe ermöglichen und die Ausbreitung der Informationstechnologie vorantreiben.
Die Zeitung Kommersant hingegen sieht in dem Ministerium, das ein Zusammenschluss aus zwei kleineren Behörden ist, eine neue “Mega-Kontrollinstanz”. Nach Angaben des Blattes ist die Behörde auch in Besitz von persönlichen Daten aller russischen Bürger. Telepolis vermutet, dass die Zusammenführung von persönlichen Daten und der Internet-Kontrolle zur Zensur von oppositionellen Äußerungen – auch von Exil-Russen – führen wird. Nachdem bereits die meisten klassischen Medien in Regierungshand sind oder den Vorgaben der Regierung folgen, wäre der Eingriff in Kommunikation im Internet ein logischer Schritt.
Danke für den Hinweis an René Denzer.
Assignment Zero geht online
Cross-Promotion, die Zweite: Heute früh ist das erste Projekt von NewassignmentAssignment Zero und beschäftigt sich mit dem Phänomen Crowdsourcing.
In Deutschland gibt es schon einige Blogs, wie Crowdwisdom, dem BlogVisualOrgasm, oder einigen Marketingblogs, die sich mit dem Thema beschäftigen. Doch bei Assignment Zero versuchen Amateure (früher auch Bürgerjournalisten genannt), also alle, die sich beteiligen wollen, zusammen mit professionellen Journalisten so viel wie möglich zum Thema Crowdsourcing herauszufinden – durch Crowsdsourcing selbst. Das Resultat wird dann im Wired-Magazin zu einem Artikel gebündelt. “Ein” Artikel, denn eigentlich kann jeder aus dem gesammelten Material unter der Creative Commons-Lizenz zitieren und seinen eigenen Artikel schustern. gestartet. Es nennt sich der Design-Page
Aber das ist nur ein kleiner Einblick in das Projekt. Auch ich werde am Rande involviert sein, deshalb auch mein Enthusiasmus. Ich denke (und das ist jetzt Meinung), das Projekt ist gut durchdacht und geplant.
Ich weiß nicht, ob in einem Jahr noch jemand davon spricht oder ob “Assignment Zero” in zehn Jahren als das erste Projekt eines neuen, inzwischen allgemein akzeptierten Journalismus gelten wird. Auf jeden Fall ist es aufregend, hier und jetzt als Einer von Vielen dabei zu sein.
NewAssignment starts its first project

NewAssignment has launched its first project, “Assignment Zero”, this morning. It will be the first time that crowdsourcing will be tested for Journalism in a co-work between smart mob-intelligence and professional journalists. I will also be involved, though as a very small sideshow, so you should take this into account judging my enthusiasm.
Joel Achenbach already wrote something about Assignment Zero today on his Washington Post- Achenblog, but there will be more to come as soon as Wired.com will promote it – they will be running one of the final articles.
I think NewAssignment is very different from the citizen journalism-projects we have seen up to now. A few months from now we will be smarter and see whether open source-journalism works, but I have a feeling this project could very well change journalism. I do say this as a journalist myself and as somebody who believes in the possibilties of a new era of communication.
Short Cuts: Hitler’s architect posthumously admits knowledge of Holocaust

Hitler in Vienna – Speer was not there, but do not believe he did not know (Photo: Flickr)
During the Third Reich Albert Speer was Hitler’s first architect – in the seventies Germany adopted him as an example for the German technocrat who, fascinated by Hitler, becomes his accomplice but stays a good man in his heart – and does not know anything about the killing of millions of Jews. Now the German newspaper FAZ reports about new found letter in which Mr Speer admits his knowledge of the Holocaust. In a letter to the widow of a Belgian resistance fighter, Mr Speer wrote in 1971: “There is no doubt. I was there on October 6th 1943, when Himmler announced all Jews would be killed.”
Albert Speer was sentenced to twenty years in prison at the Nuremberg trials. He did not receive capital punishment as he admitted his guilt, but also insisted he did not know anything about the Holocaust, despite being the minister for armament. After his release, he wrote an autobiography in which he repeated his claims – also denying that he was present at Heinrich Himmlers infamous presentation of the “Endlösung” (final solution). He went to become a figure the German post-war establishment viewed with a mixture of disgust and fascination – especially as he was one of the last people who could tell historians private memories of Hitler.
But in 1999, a TV documentary proved for the first time that Mr Speer knew about extermination camps and even exploited the inmates, as he pushed forward the recruitment of more and more slave-labourers from the camps to rise the arms industry’s output.
Kurzzeiler: Speer und Er-findungen
Nach einem Artikel der FAZ sind bislang unbekannte Briefe des NS-RüstungsministersAdalbert Speer aufgetaucht. In diesen gibt er gegenüber der Witwe eines belgischen Widerstandskämpfers zu, von der Endlösung in der Judenfrage gewusst zu haben. „Es besteht kein Zweifel. Ich war zugegen, als Himmler am 6. Oktober 1943 ankündigte, dass alle Juden umgebracht werden würden.“, schreibt Speer in einem Brief von 1971.
Zu diesem Zeitpunkt erzählte seine mit der Unterstützung von Joachim Fest veröffentlichte Autobiographie eine ganz andere Geschichte: Speer sei zum Zeitpunkt der Himmler-Rede nicht mehr im Raum gewesen, habe bis zum Ende des Krieges nichts vom Holocaust gewusst. Speer war in den Nürnberger Prozessen zu zwanzig Jahren Haft verurteilt worden, weil ihm keine Mittäterschaft bei der Massenvernichtung nachgewiesen werden konnte. Diese Lüge erhielt er sein Leben lang aufrecht – und formte damit die Mähr vom redlichen Deutschen, der von der Faszination Hitlers verführt dessen Komplize wird, aber im Herzen doch ein guter Mensch ist und vom Holocaust nichts ahnt. Bereits 1999 hatte eine WDR-Dokumentation nachgewiesen, dass Speer von den Vernichtungslagern Kenntnis hatte – und als Rüstungsminister wahrscheinlich sogar die Rekrutierung immer neuer Zwangsarbeitern aus den Lagern vorantrieb.
Short Cuts: Democrats plan to re-open Presidential archives
The International Herald Tribune is reporting today that Democrats plan a new bill to overturn a current law about the access to presidential archives. The law from 2001 has slowed or even prevented the release of important presidential papers. Until 2001, presidential archives were opened 30 days after a current or former President was notified. The Bush-administration changed the law so a special permit is necessary to release.
Scholars told the IHT that they had serious problems to access archives of former Presidents. For example, the waiting time at the Reagan Presidential Library has increased from 18 months in 2002 to 6 ½ years now. The House Committee on Oversight an Government Reform will discuss the current legislation of the Bush-administration next week.
The legislation was widely seen as an attempt of the Bush administration to get back the power the President lost as an institution after the Watergate affair. The Presidential Record Act from 1978 intended to give the American public ownership to presidential papers. It also helped scholars and authors to write biographies on former administration officials that use quotes not being meant for the public – for example Henry Kissinger referring to the South Vietnamese as “little yellow friends”.
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