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Archive for March, 2010

Egypt: Uncertainty behind the corner

Rumours about President Hosni Mubarak’s demise were exaggerated, but still he has to think about how to transfer power.

Hosni Mubarak poster

Not ready to meet the reaper, yet (via Arndt Hoppe, Flickr, CC)

As Egypts heads into election season, everything seems normal: Though the parliamentary elections only happen in October, authorities have already started to crack down on the “mildly Islamistic” opposition Muslim Brotherhood; they also announced that NGOs will only have restricted access to monitor the voting process; Nobel peaceprize winner Mohamed ElBaradei, who has said he wants to challenge President Hosni Mubarak in 2011 for the oppositional National Front of Change, has already been discredited as being part of a foreign plot against the Egyptian people.

The authoritarian government playing dirty is no news and widely tolerated in the Western world, as Egypt is one of the few moderate forces in the region and even recognizes Israel. But cracks have been starting to show: When Mr. Mubarak had his gallbladder removed a few weeks ago, rumours about his demise made rounds (and the song “Mubarak is dead” found wide appeal over the internet), leading to discussions about the uncertain future of the country. Mr. Mubarak has been recovering, but with his 82 years, he definitely has to find a successor.

This will be difficult: In his nearly 30 years in office, he has made himself irreplaceable, keeping religious fanatics at arm’s distance and the army under control. Before Mr. ElBaradei stepped in, some expected Mr. Mubarak’s son Gamal might already run in 2011 – this seems unlikely now. The younger Mubarak has supporters in the business community, but most people do not expect much from him: Since he came back in 2000 from working abroad as an investment banker, he never lived up to the hopes of him promoting reforms in the country, his role has been held rather low key. Hisham Talaat Moustafa, a succesful businessman and friend of his, was sentenced for murdering a Lebanese model – but an Egyptian revision court overruled the verdict, opening speculations about political influence on the revision court.

Some fear that the army will not be ready to accept the younger Mubarak once his father dies and instead plans to set up a military rule then. This would arguably be worse than the current regime, which violates human rights, but also allows free speech up to a certain degree.  Hosni Mubarak might try to exclude Mr. ElBaradei from the Presidential election to try to push for his son as a candidate once again; he might also call for an earlier election and try to hand over responsibilities to his son step-by-step in the coming years.

Whatever Mr. Mubarak chooses: The decision about who will rule the country will certainly not be made by Egypt’s people.

Leben ohne Lebensplanung

Zur Debatte über temporäre Arbeitsverhältnisse.

Mann und Kind auf dem Weg

Ständig auf dem Weg, doch wohin? (Foto via h.koppdelaney, Flickr, CC)

Nein, die Meldung, dass in Deutschland inzwischen fast jede zweite Neueinstellung befristet erfolgt, ist für Menschen in meinem Alter keine Überraschung: Das Leben in der ständigen Zwischen-Zeit, das Jonglieren mit den Perspektiven ist für uns eher Regel als Ausnahme – und dabei spreche ich nicht nur von Akademikern in problematischen Feldern wie den Geisteswissenschaften, sondern auch von Naturwissenschaftlern, Ingenieuren, BWLern; ich rede zudem nur von denen, die überhaupt befristet angestellt sind, die vielen Freiberufler am Rande des Existenzminimums sind dabei noch gar nicht eingerechnet.

Kann ein Leben ohne Lebensplanung Chancen bieten? Die Antwort ist ein “ja, wenn …“: Ja, wenn wir endlich begreifen, dass befristete Arbeitsplätze eigentlich besser als feste Stellen bezahlt werden müssten, trägt doch der Arbeitnehmer hier die Hauptrisiken bei der Unterschrift des Vertrages. Ja, wenn wir in Deutschland eine Entrepreneurskultur schaffen würden, die nicht die Gefahr birgt, beim Misslingen einer Idee auf Jahre hinaus Privatschulden anzuhäufen. Ja, wenn wir eine Dienstleistungs-, nicht eine Automatisierungskultur werden würden. Ja, wenn wir als Gesellschaft von der Fixierung auf die Arbeit als Erfüllung des Daseins und als Grundstein für soziale Akzeptanz  Abschied nehmen. Ja, wenn die Politik akzeptiert, dass all die “Kriegt-doch-Kinder“-Parolen ihre Wirkung nicht entfalten werden, wenn eine mittelfristiger Lebens- und Einkommensplanung unmöglich ist.

In einem taz-Artikel wurde zu diesem Thema jüngst richtig bemerkt, dass sich im Konzept des Lebens jenseits der Festanstellung die “digitale Bohème“ und der Neoliberalismus treffen und eine Schnittmenge bilden. Das ist kaum verwunderlich, steht doch bei beiden Denkfiguren der absolute Sieg des Individuums im Zentrum. Beide haben zudem aber gemein, dass ihr Idealbild nicht mit der Realität in Einklang zu bringen ist.

Der auf dem offenen Arbeitsmarkt hin- und her springende Ideal-Arbeitnehmer des Neoliberalismus kann nur dann flexibel sein, wenn genügend Angebot auf dem Arbeitsmarkt herrscht. Dies ist strukturell nicht mehr der Fall, auch nicht in den meisten Akademikerberufen. Der sich selbst verwirklichende Digitalo wiederum muss die Nische finden, in der er sich breit machen kann – doch die Zahl solcher Plätze und das dort zu verdienende Einkommen sind so gering, dass oftmals eher von einer Erben- als einer Berufstätigkeit gesprochen werden kann.

Als Betroffener finde ich das Leben ohne Lebensplanung derzeit nicht besonders angsteinflößend. Ob es uns aber als Gesellschaft zum Guten gereicht, wage ich zu bezweifeln.

Wege aus der Fassungslosigkeit

Deckenfresko Kloster Ettal

Deckenfresko im Kloster Ettal: Im Namen des Herrn? (via Allie_Caulfield, Flickr, CC)

Missbrauch an Kindern in “Modellschulen“, Internaten, Waisenschulen: Die dunkle Seite deutscher Lerneinrichtungen, die in den vergangenen Tagen und Wochen einmal mehr ans Licht gekommen ist, macht fassungslos und traurig. Und weil es in den meisten der aufgedeckten Fälle Vertreter der katholischen Kirche waren, die ihnen anvertraute Kinder wiederholt und grausam zu sexuellen Handlungen gezwungen haben, schäme ich mich derzeit für das “römisch-katholisch“, das in meinem Ausweis auf meiner Lohnsteuerkarte steht.

Nicht nur die Fälle selbst, auch der Umgang der Kirche damit, die Politik des Vertuschens und Einschüchterns, lassen einmal mehr das Bild einer rücksichtslosen Institution aufscheinen, die sich nicht um die Liebesbotschaft des Neuen Testaments und Fürsorgepflicht ihren Mitgliedern gegenüber kümmert, sondern sich nur der Selbsterhaltung  verpflichtet fühlt. Das verlorene Vertrauen wird diese Kirche in Deutschland selbst bei eigentlich wohlgesonnenen Menschen nicht so schnell wiedergewinnen. Sie hat abgewirtschaftet und wird den faden Beigeschmack, den ihre Verpflichtung der Menschen auf moralische Grundsätze inzwischen hat, aufgrund ihrer Hierarchie und Reformunfähigkeit nicht loswerden.

Doch das Problem des sexuellen Vergehens an Kindern ist nicht auf die Kirche beschränkt, es ist eine Frage des Machtmissbrauchs an wehrlosen Schutzbefohlenen, wie er vor allem in Familien, aber auch in Sportvereinen vorkommt.  Was wir brauchen, ist eine ehrliche und hysteriefreie Diskussion – wie eine panische Debatte zu einem Generalverdacht führen kann, zeigt der “Erwachsenen-TÜV“ in Großbritannien: Ein bürokratisches Monstrum, dass das Engagement von Erwachsene für Jugendliche aufgrund idiotischer Hürden sinken lassen wird.

Worüber wir hier in Deutschland reden müssen, sind deshalb in meinen Augen drei wesentliche Punkte:
1.    Wir brauchen eine ehrliche und sachliche Debatte über eine Ausweitung der zivilrechtlichen und strafrechtlichen Verjährung solcher Taten.
2.    Wir müssen über eine öffentliche Datenbank reden, in der Eltern nachsehen können, in welchen Vereinen und Einrichtungen es zu Missbrauch gekommen ist, wie dort damit umgegangen wurde und welche Gegenmaßnahmen getroffen wurden. Dies alles muss unter der Wahrung der Persönlichkeitsrechte stattfinden.
3.    Die schwierigste Aufgabe wird sein, Kindern einen Ausweg aus dem Schweigen zu zeigen. Sie müssen wissen, dass dies ein Unrecht ist, an dem sie keine Schuld tragen, dass sie Rechte haben und ihnen geholfen wird – und sie müssen wissen, an wen sie sich vertrauensvoll wenden können. Das ist theoretisch leicht gesagt, wird aber in der Praxis mehr als den Aufbau neuer Vertrauensinstitutionen bedürfen.

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