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Archive for July 10th, 2010

China: Das Ende der Sweatshop-Formel

Chinas steigende Löhne haben nicht nur für westliche Unternehmen, sondern auch für das Klima Folgen.

China, Porträt eines Arbeiters

Er will mehr als bisher (via Saad Akhtar, Flickr, CC)

Ein Vierteljahrhundert war China der Sweatshop der Welt, nun deutet sich langsam eine Veränderung an: Die Foxconn-Krise hat gezeigt, dass eine neue Generation chinesischer Arbeiter  sich langsam Bahn bricht. Sie sind besser ausgebildet, wissen mehr über ihre Rechte und haben höhere Erwartungen an ihr Arbeitsleben*. Von einer Bewegung zu reden, ist zu früh - klar ist jedoch: Für internationale Konzerne neigen sich die Zeiten der niedrigen Produktionslöhne in vielen Regionen des Landes dem Ende entgegen.

China ist theoretisch groß genug, um einen steigenden Lebensstandard zuzulassen: Der Osten könnte so die Binnennachfrage ankurbeln und langsam höherwertige Aufgaben in der Produktionskette übernehmen, während die klassischen Fabrikarbeiten in die ärmeren Regionen abwandern. Damit würde sich das Land nebenbei etwas unabhängiger vom Export machen können.

Allerdings hat der steigende Wohlstand noch eine andere Folge: Die Explosion der Konsumgesellschaft führt auch zu höheren Umweltschäden. Bereits jetzt liegen 16 der 20 verschmutztesten Städte der Welt in China. Die Energiebilanz des Landes dürfte sich nicht verbessern, wenn dort die westliche Wohlstandsgesellschaft kopiert wird und Autos, Klimaanlagen und Elektrogeräte aller Art zum Standard werden.

Der Westen ist hier in einer schwachen moralischen Position, die letztlich auch die Klimaverhandlungen in Kopenhagen zu Scheitern brachte: Wer jahrelang mit der größten Rücksichtslosigkeit den eigenen Komfort vorangetrieben hat, argumentiert Peking, darf aufsteigenden Ländern nun den Wohlstand mit all seinen Folgen nicht verwehren.

Allerdings sind die Umweltprobleme in Teilen des Landes so gravierend, dass die Regierung selbst den Handlungsbedarf erkannt hat – auch hinsichtlich möglicher Exporte ist die Weiterentwicklung von Umwelttechnologien ein zentraler Punkt in der Wirtschaftspolitik.

An ein grünes China, das Umweltschutz ins Zentrum seiner Politik rückt, fehlt mir angesichts der auf klassisches Wirtschaftswachstum (trotz möglicher Immobilenblase) ausgerichteten Politik und einer Einwohnerzahl von 1,3 Miliarden Menschen jedoch derzeit der Glaube. Die Sweatshop-Formel mag nicht mehr gelten –   die Rolle als Fabrik der Welt wird sich China jedoch nicht nehmen lasen wollen.

*steigende Löhne sind übrigens auch volkswirtschaftlich geboten: Der Teil der Arbeitslöhne am Bruttosozialprodukt sank von 1983 bis 2005 von 57 auf 37 Prozent.

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