Entblößte Wahrheiten


Das Leben, ein öffentlichkeitsfixierter Traum (via m_d_portela, Flickr)

Manche Texte sollte man ohne Rahmen lesen, ohne die Hyperlinks, die Hintergründe, die Google-Suche, die Metadiskussionen. In einigen Jahren, wenn uns das ganze Drumherum vielleicht einfach nicht mehr nachklickenswert erscheint, wird dieser Rückblick von Emily Gould (leider inzwischen hinter der NYT-Registrierungs-Mauer) ein Zeitgeist-Dokument im Geschichtskanon der Netizierung der westlichen Gesellschaft sein.
Ich bin mir nicht sicher, ob Frau Gould eine gute Autorin ist; ich bin mir ziemlich sicher, dass ich sie im realen Leben nicht weiter bemerkenswert finden würde und sie in wenigen Jahren vergessen sein wird: Ihr Stück aber erzählt auf so vielen verschiedenen Ebenen, absichtlich und unabsichtlich, von der Geisteswelt und dem verführerischen Öffentlichkeitsfetisch bloggender Twentysomethings, dass ich mich diesem nicht entziehen kann.

Das Erzählte ist nicht wirklich repräsentativ, noch nicht – doch war das Kerouacs “On the Road“ bei seiner Veröffentlichung (nein, das soll kein Vergleich sein)? Hier geht es nicht um das “System Gawker“, das wurde im New York Magazine bereits erfüllend beschrieben. Hier geht es irgendwie um uns, um die Fragen, die wir uns als Early-Adopter stellen, die noch eine Welt ohne Google Search und Soziale Netzwerke kennen. Die nicht wissen, wie weit sie gehen sollten. Und die destillierte Konsequenz, mit der die Geschichte erzählt wird, ist banal, abschreckend und faszinierend; vor allem aber ist sie tausendmal aufregender, ja wahrscheinlich sogar authentischer als der Wortmüll und Informationsbrei, der über Kanäle wie Twitter hin- und her transportiert wird.

Um nicht wieder mit unversöhnlich klingenden Wuchtsätzen zu enden, hier als Bonmot zum Wochenende noch ein Zitat eines Querverweises aus Secondskinfilm, dessen Autor von seiner Jugendbekanntschaft mit der Ex-Gawker-Bloggerin erzählt:

I first heard her name half a lifetime ago. Best buddy Chris had just been brutally dumped by one Emily Gould at a middle school dance. Her words- “There are other fish in the sea, Chris. Bloop bloop.” I paid it little mind, though the line became legendary among my friends.

Fabelhaft.

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