Neuer Journalismus. Jetzt.

Elf Selbstverständlichkeiten zur Zukunft einer lädierten Profession.

Schreibmaschinenhund

Zeit, nach vorne zu blicken (via zoomar, Flickr, CC)

Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne über die Zukunft des Journalismus diskutiere – allerdings nicht unbedingt hier in diesem Blog, weil es viel wichtigere Themen auf diesem Erdball gibt und ich den Medien-Meta-Wahn in der deutschsprachigen Blogosphäre lieber den üblichen Verdächtigen überlasse.

Dieses Posting hier ist aber eine Ausnahme, weil ich ein paar Selbstverständlichkeiten aufschreiben möchte. Beziehungsweise einige Dinge, die meiner Meinung nach bald selbstverständlich sein sollten, wenn es um die Zukunft der Profession im digitalen Zeitalter geht. Deshalb folgen hier elf Punkte für einen neuen (Online)-Journalismus (Achtung, hier geht es um den Rahmen, nicht um Themen etc. Auch den Bereich Journalisten als Entrepreneure habe ich ausgespart, weil das Thema einen eigenen Beitrag verdient hätte).

1. Nehmt die Nutzer ernst
Vielleicht die größte Selbstverständlichkeit von allen: Journalismus ist keine Einbahnstraße mehr. Und das ist gut so. Nur einige Stichpunkte: Transparente Fehlerkorrektur, Autorenteilnahme an den Debatten unter den Texten, Feedbackschleifen bezüglich der Weiterentwicklung von Layout und Inhalten, kollaborative Projekte, das eigene Angebot als Ort der Diskussion begreifen. Wieso muss ich so etwas im Jahr 2010 eigentlich überhaupt noch aufschreiben?

2. Transparenz ist das neue Schwarz
Wir leben in einer Übergangszeit, in der es noch die Autorität der Printmarken ist, die für Vertrauen sorgt. Mit der Digitalisierung der Welt wird ihre Wirkkraft nachlassen; es wird deshalb künftig darum gehen, Vertrauen durch Transparenz zu schaffen: Dies beginnt bei der Frage, welche Gedanken und Zweifel uns bei der Herangehensweise an ein Thema bewegen und es  endet noch lange nicht bei Informationen über mögliche Interessenskonflikte. Der gläserne Journalist, der beispielsweise offen legt, welche Journalistenrabatte er in Anspruch nimmt, wird einmal eine Selbstverständlichkeit sein.

3. Endlich seriöse Reichweitenmessungen
Sogar die IVW hat es begriffen: Page Views sagen überhaupt nichts aus. Mehr noch (und das hat die IVW noch nicht begriffen): Selbst Visits allein sind keine adäquate Messgröße. Nielsen ist in den USA mit der Einbeziehung von Verweildauer bereits auf dem richtigen Weg, künftig wird auch Demographie eine immer wichtigere Rolle spielen.Und natürlich müssen sich Online-Seiten Werbeformate und Einnahmequellen jenseits der Banner überlegen. Oder nimmt die noch irgendjemand wahr?

4. Eine Plattform im echten Leben sein, …
Verlage sind heutzutage Burgen. Es wird Zeit, die Zugbrücke herunter zu lassen. Wie das geht, zeigt der Guardian, der Premium-Mitgliedern Zugang zur Redaktion gibt. Das ist nur der Anfang: Chefredakteure und Leitartikel-Autoren, die abends die aktuelle Nachrichtenlage mit ihren Nutzern in der Cafeteria des Verlagshauses (oder dem Kaffeehaus ums Eck) diskutieren, Leser, die per Webcam zu Konferenzen zugeschaltet sind und wichtiges Feedback geben: Die Menschen, die früher als das Publikum bekannt waren, rücken näher an die Redaktion.

5. … aber den Plattformgedanken im Netz vergessen
Seitdem es journalistische Online-Portale im Netz gibt, steht bei vielen Internetauftritten ein Distributionskanal im Mittelpunkt: Die Homepage. Sie wird zwar nicht verschwinden, ihre Relevanz jedoch deutlich abnehmen – die Plattformen sterben (“If the news is important, it will find me”). Hyperdistribution ist ein doofes Schlagwort, aber es trifft den Kern der Sache.  Dazu gehört auch, dass nicht alle Inhalte auf jedem Endgerät funktionieren. Beispiel: Mobil nerven Cliffhanger-Teaser, die Kurz-und-Prägnant-Nische, die mir einen Überblick verschafft, suche ich derzeit vergeblich.

6. Ein Gadget rettet keine ganze Branche
Es sagt einiges über die Verzweiflung unserer Branche, wenn wir wirklich glauben, ein einziges Gadget könnte all die Strategiefehler der vergangenen Jahre verschwinden lassen.  Noch bizarrer wird es, wenn wir glauben, analoge Inhalte einfach Eins-zu-Eins auf das iPad übersetzen zu können. Wer wirklich im Tablet-Bereich die Zukunft seiner Marke sieht, muss neue Erzählformen finden und darf auch das spielerische Element nicht vergessen. Klingt schwierig? Ist vor allem teuer, denn dafür braucht es zusätzliche Ressourcen und internetaffine Mitarbeiter – und die Nische dafür ist auf absehbare Zeit überschaubar.

7. Bringt Technik und Redaktion zusammen
Es gibt einen schönen Artikel im New York Magazine, der erklärt, warum die New York Times in Sachen neuer Erzähl- und Darstellungsformen Innovationstreiber ist: Seit 2007 arbeiten dort Redaktion, Technik und Multimediaabteilung eng zusammen, um genau solche Formate zu entwickeln. In deutschen Verlagen hingegen werden Techniker meist noch als Dienstleister gesehen, deren einziger Kontakt zur Redaktion besteht, einzugreifen wenn das CMS mal wieder hängt. Meine Erfahrung jedoch ist: Von den Techies gibt es am meisten zu lernen, weil sie einen Sinn für die Funktionalitäten und Ästhetik des Netzes sowie schönen Code haben. Nicht umsonst habe ich mit zwei Webentwicklern aus der Verlagsbranche gemeinsam ein kleines Nebenblog.

8. Der Journalist als Marke
Früher hat die Marke alles überstrahlt. Das hat es Journalisten leicht gemacht, sich hinter ihr zu verstecken. Heute führt diese Philosophie dazu, dass viele Medienmarken online erstaunlich gesichtslos erscheinen. Es wird Zeit für den Einzelnen, sich zu zeigen. Denn nur wer selbst für etwas steht, kann auch ohne das Portal im Hintergrund existieren. Und darum wird es letztendlich für viele von uns gehen (siehe auch 2).

9. Befreit die Daten
Auch hier gibt der Guardian den Takt vor: Weil die Verantwortlichen begriffen haben, dass Inhalte überall sein müssen, haben sie die API des Guardian geöffnet. Ob sich mit der kostenpflichtigen API für Werbe- und Kampagnenpartner wirklich Geld verdienen lässt, weiß ich nicht; aber offene Schnittstellen sind bei der dezentralisierten Inhaltsverteilung im Web bald Standard.

10. Wer zu Print will, soll zu Print gehen
Es werden weniger, aber es gibt sie immer noch, überall: Die Journalisten, die online arbeiten, weil sie es als Sprungbrett für einen Job in der Printredaktion nutzen wollen oder schlimmer, in Zeitungsredaktionen keine Chance mehr haben. Bei allem gebotenen Respekt: Wer lieber offline als online arbeiten möchte, soll dies bitteschön tun, am besten heute noch. Auch dort gibt es Qualitäten, die gebraucht werden.  Wir haben jedoch im Online-Bereich schon genug Zeit verloren, um im Jahr 2010 noch zu glauben, Internetjournalismus im Vorbeigehen und mit den alten Rezepten machen zu können.

11. Bessere Arbeitsbedingungen führen zu mehr Qualität

Noch immer heißt es in vielen Häusern: Ist ja nur online. Als würde sich im Internet alles irgendwie versenden und niemand hingucken. Nichts ist weiter von der Wahrheit weg. Die Antwort auf die Frage nach Überlebensstrategien des Journalismus im Rahmen des Verlagswesens hat nicht nur mit den zehn oben genannten Punkten zu tun: Die Zukunft wird auch davon abhängen, ob Verlage endlich bereit sind, die Arbeitsbedingungen für Online-Journalisten zu verbessern oder ob sie ihre Zeit weiter mit lächerlichen Rückzugsgefechten verschwenden möchten.

Leseempfehlungen zum Thema: Alan Mutter, Dave Cohn, Dirk von Gehlen, Nieman Journalism Lab, News After Newspapers, @JayRosen

Disclaimer: Ich arbeite derzeit für sueddeutsche.de und war zuvor Redakteur bei ZEIT ONLINE. Diese Ausführungen beziehen sich jedoch auf kein bestimmtes Portal. Sie stellen meine Privatmeinung zu notwendigen Weichenstellungen dar, die alle Journalisten betreffen.

25 Comments

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  • Tetsuo
    June 24, 2010 - 10:25 | Permalink

    Da sag ich mal was zu.

    ad 1.: Bestes Zitat des ganzen Artikels. “Wieso muss ich so etwas im Jahr 2010 eigentlich überhaupt noch aufschreiben?”

    ad 2.: Ich hab keine Ahnung, wie die Verleger und Journalisten ihre alten Marken aufgebaut haben. Aber wenn sie das in einem Medium hinbekommen haben, warum sollten sie das dann nicht in einem anderen schaffen. Ganz abgesehen davon ist es doch gerade das schöne an einer Marke, dass sie nichts mit dem Medium oder einem Produkt zu tun hat. Ich meine: Es gibt inzwischen Lippenstift von Coca Cola. Lippenstift!

    ad 3.: Ich glaube in dieser Hinsicht wird es nie, nie, nie etwas brauchbares geben und hat es auch nie gegeben. Die Reichweitenmessungen im Print und im Fernsehen sind ja genauso (wenig) aussagekräftig und stets nur relative Größen um die Angebote untereinander zu vergleichen. Es geht halt nicht darum ob man empirisch relevante und aussagekräftige Daten gibt, sonder schlicht darum eine Konvention zu haben, auf die sich alle Beteiligten einigen können. Diese Konvention kann PIs, Visits, oder Verweildauer sein – das spielt am Ende keine Rolle, denn die Bösen werden immer versuchen, diese Zahlen zu frisieren, auf Kosten der Produktqualität. Es gibt hier keinen anderen Weg.

    ad 4.: Im Grunde ist das ja der gleiche Punkt wie der 1. Ein Gedanke dazu. Was mich immer wieder fasziniert sind die web-nativen Plattformen auf denen das schon funktioniert. Die Millionen von selbstorganisierten Foren, die zahllosen Spezialcommunities. In letzter Zeit bin ich viel bei Deviant Art unterwegs, die in der Hinsicht wirklich großartig sind. Was für eine tolle Atmosphäre dort herrscht und wie natlos die redaktionelle Arbeit dort untergebracht ist – zauberhaft.

    ad 5. und 6.: Dem gibt es nichts hinzuzufügen.

    ad 7.: :]

    ad 8.: DAS muss ich als Leser auch sagen. Ich lese defakto mehr Texte im Netz, bei denen der Autor als Person hervortritt, als jene Texte alter Schule, bei denen der Autor hinter dem Text zurücktritt, einfach weil ich in der Mehrzahl Blogs und bloesque Magazine lesen. Die alte Schule des Schreibens ist in meiner persönlichen Wahrnehmung ins Hintertreffen geraten und das verändert meine Erwartungshaltung gegenüber Texten im Netz. Bitte liebe Journies, ich würde gerne lesen wer ihr seid.
    Ich muss auch sagen, dass meine Produkttreu bei verlegerischen Webseiten dort am größten ist, wo die Autoren am klarsten erkennbar sind. Die GEO hat in der Hinsicht seit jeher eine gute Tradition. :]

    ad 9.: Im Grunde ist auch das das Hyperdistributionsargument. Keine Hyperdistribution ohne API. Was ich an diesem Punkt spannend finde, ist die Rolle, die die Nachrichtenagenturen einnehmen. Ich meine … ein guter Teil des
    Online Journalismusses besteht (ebenso wie der Tageszeitungsjournalismus) ja nur aus umgeschriebenen Agenturmeldungen. Das könnte man sich eigentlich schenken. Ich frage mich schon die ganze Zeit, ab wann es für Reuters lukrativer ist, die Meldungen nicht mehr an die Verlage zu verkaufen sondern direkt an die Endverbraucher. Und Reuters hat hier technisch ganz sicher die Nase vorn.

    ad 10.: Ich glaube ja auch nicht daran, dass Print in den nächsten Jahren sterben wird. Es wird anders werden. Viele schnelle und günstige Sachen werden eingehen und viel hochwertiges wird bestehen bleiben. Auch hier blicke ich gerne zur GEO. Was dort produziert wird, wird auch auf absehbare Zeit keine Äquivalenz im Netz finden.

    ad 11.: Ein Punkt für den ich ja auch seit langem kämpfe. Online muss endlich den Anspruch an sich selbst haben, in jeder Hinsicht mit Print auf Augenhöhe zu sein. Und damit meine ich in jeder. Inhaltlich, Gestalterisch, Kaufmännisch. Eine Online-Zeitung zu kaufen muss so anonym und schnell gehen, wie es am Kiosk möglich ist.

    Alles in allen: Ich hab in diesen Dingen in den letzten Monaten eine große Gelassenheit entwickelt. Denn das schöne ist doch: Das wird sich schon regeln. Wenn nicht zu Gunsten der Verlage, dann eben zu deren Ungusten. Ich mache mir um beide Fälle und alles dazwischen wenig Sorgen und ärgern tue ich mich auch nur noch selten. Denn wenn das Netz etwas bewirkt hat dann die Relativierung der Relevanz von Journalismus. Endlich wird deutlich, dass die Kaiser der vierten Macht keine Kleider anhaben.

    Ich bin fest davon überzeugt, dass ich jenseits der GEO und der De:bug mit professionellem Journalismus in homöopatischen Dosen bestens zurecht komme, und dass auch die Demokratie nicht in Gefahr gerät, wenn der Rest der Republik das genauso handhabt. Endlich haben wir die Chance unseren Informationsbedarf, unseren Lesehunger mit etwas anderem zu stillen als den aufgeblasenen Egos der (Politik-, Wirtschafts-, und Meinungs-) Eliten.

    Der Abschied vom Nationalstaat ist eben auch ein Abschied von national Institutionen und das Netz ist sein Nachbrenner.

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  • June 24, 2010 - 14:26 | Permalink

    Dieses Beitrag hätte ich gerne geflattrt. Geht leider nicht, schade.

  • June 24, 2010 - 17:16 | Permalink

    sehr spannende Aufzählung von Punkten die für den, der nicht in einer Online Redaktion arbeitet nicht immer selbstverständlich sind. Allerdings wundert es mich, dass jemand mit diesen Ansichten gerade bei der SZ-Online arbeitet, die für mich immer besonders abschreckend demonstriert wie man eine Marke online demontieren kann.
    Das ärgert mich als jemand der vom Zeitunglesen aus Zeitgründen ausgeschlossen ist, aber online sehr gern “meiner” SZ treu bliebe besonders und beinahe täglich. Noch mehr ärgert mich, dass die Verleger seit 10 Jahren mehr oder weniger zusehen wie ihnen die Butter vom Brot genommen wird. Mit Stellen- und Immobilienanzeigen, News und Unterhaltung verdienen längst andere Geld und immer noch werden kaum Experimente gemacht und statt dessen immer weiter kaputtgespart.
    Mehr dazu auch hier: http://t3n.de/news/print-vs-online-273788/

  • June 24, 2010 - 17:51 | Permalink

    das ist zwar nun alles nichts wirklich neues. trotzdem eine umfassende auflistung der wichtigsten punkte. danke!

  • whoop
    June 24, 2010 - 19:20 | Permalink

    Das ist tatsächlich alles nichts Neues, in der Unterzeile steht deshalb auch richtig: “Selbstverständlichkeiten”. Aber sie sind eben immer noch nicht verbreitet. Es geht damit los, dass auch 2010 noch in etlichen Redaktionen das Augenrollen losgeht, wenn der Leser, Hörer, Zuschauer anruft…

  • June 24, 2010 - 21:01 | Permalink

    Sehr schöner Artikel – danke dafür :)

  • June 24, 2010 - 23:13 | Permalink

    Schon einmal Danke für die Kommentare und das Feedback über Twitter etc.
    @Tetsuo: In dem Kommentar ist ne Menge drin. Die Frage, wie Medienmarken künftig attraktiv sein und ein Lebensgefühl ausdrücken können, stellen sich wahrscheinlich gerade weltweit diverse Marketingabteilungen. In OpenCalais von Reuters steckt tatsächlich eine Menge Zukunftskraft drin, da stimme ich zu. Zum letzten Absatz: Ich bin überzeugt, dass wir Journalismus in mehr als homöopathischen Dosen brauchen – aber eben einen anderen Journalismus als den, den wir heute haben. Nicht in jeder Beziehung, aber in einigen.

    @Daniel Hinderink: Ja, die Experimentierfreude fehlt vielerorts, aber auch nicht überall und in jedem Feld. In Deinem verlinkten Text kritisierst zum Beispiel die Think-Tank-Idee. Ich hielte so etwas für eine gute Möglichkeit, ein Nebenstandbein aufzubauen, es müsste halt eine klare Trennung der entsprechenden Einheiten geben. Der Economist ist mit der Intelligence Unit bereits vor vielen Jahren diesen Weg gegangen und verdient damit inzwischen sehr viel Geld.

    @pikart: Flattr benutze ich derzeit nur passiv, bei meine Beiträgen über Afghanistan etc. würde sich der Button wahrscheinlich eh nicht lohnen. Hinzu kommen ein paar rechtliche Dinge, die meiner Ansicht nach erst einmal genauer geklärt werden müssen.

  • Pingback: Glanzlichter 21 « … Kaffee bei mir?

  • Pingback: asablog » Blog Archive » Nieder mit dem Schachtelsatz

  • June 25, 2010 - 13:00 | Permalink

    [...] Man muss deshalb nicht so rabiat werden wie Johannes Kuhn, der heute gleich einen neuen Journalismus einfordert [...]

  • Pingback: Be-Merken-swert am 25. Juni 2010 « Medien-Monopoly

  • FloRyan
    June 25, 2010 - 13:43 | Permalink

    Ich bin kein Journalist, auch keiner in zivil. Ganz ehrlich lese ich hier mit viel Interesse mit, weil ich den Autor offline kenne – spricht wieder fuer die Journalist=Marke These. Eins bleibt mir dabei und in all den ‘online vs. offline’ Beiträgen im Netz unerklärlich. Wie sich eine Branche (ich nenne sie mal so und meine damit die gesamte schreibende Zunft, ob das per Fuellfederhalter oder iPad geschieht, ist mir erstmal Schnuppe) derart selbst zerfleischen und dabei ständig die ‘Schuld’ der anderen Seite zuschieben kann. Einem passiven und auf absehbare Zeit auch passiv bleibenden Medien-Konsumenten – die Bezeichnung fühlt sich schon fast wie eine Selbst-Beleidigung an – draengt sich unter diesen Umstaenden keine der genannten Marken als interessante Autoritaet fuer den eigenen Informationsbedarf auf. Was ist die Folge? Hat jemand schon den Begriff der Medienverdrossenheit geprägt? Wenn das in der Politik passiert, darf man dann wirklich an Citizen Journalism in nennenswertem Umfang glauben? Lassen wir Steve Jobs gemeinsam mit Reuters ruhig iNewspaper entwickeln, und schon wird das Gadget (die Benennung klingt mir gefährlich nach Unterschaetzung, kaum besser als der andere Pol) zum Trojanischen Pferd. Apple scheint in Zeiten sich potenzierender Multioptionalitaeten als einer von sehr wenigen Playern im Blick zu behalten, was eine Marke ihrem Wesen nach ist und wofuer sie bezahlt wird(!): als Orientierungsgeber, dem wir vertrauen und der uns eine Menge Komplexitaet erspart. somewhat sad but true. Mit der Staerke dieser Motivation laesst sich nebenbei auch recht simpel erklären, warum proprietaere Systeme und vermeintliche Gaengelungen a la ‘no Flash’ den Verbraucher dermaßen wenig stoeren.

  • June 27, 2010 - 01:04 | Permalink

    Mir gefällt auch und vor allem Punkt 8. Diese Personalisierung im Journalismus vermisse ich schon lange. Viele Redaktionen wie beispielsweise die des Spiegel scheinen dagegen zu meinen, diese beiden Dinge widersprächen sich.

  • June 28, 2010 - 07:33 | Permalink

    @joha: zum Thema think Tank halte ich das nicht grundsätzlich für eine schlechte Idee, habe den Vorschlag von Herrn Kilz aber anders verstanden. Das die Economist IU erfolgreich ist stimmt natürlich, aber mir scheint das eine logische Fortsetzung der Themen- und Länderdossiers zu sein, die die Redaktion ohnehin produziert. Das ist eher Konkurrenz für Gartner und Co. Mal sehen was die neue Chefredaktion in der Hinsicht ausprobieren wird.

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