Kongo: Die Vergewaltigung eines Landes

Die Vereinten Nationen legen einen Bericht über Massaker im Kongo vor – während nicht weit von den Friedenstruppen entfernt Massenvergewaltigungen stattfinden.

Kongo Hände im Lehm

(Via Julien Harneis, Flickr, CC)

Erst vor wenigen Tagen haben die Vereinten Nationen ihren (diplomatisch etwas geglätteten) Bericht zu den Kriegsverbrechen im Kongo zwischen 1993 und 2003 herausgebracht (hier zum Nachlesen). Sein Ergebnis: Als Rache für den Völkermord an den Tutsis 1994 haben ruandische Truppen des jetzigen Präsidenten Paul Kagame im Osten des Kongos zehntausende Hutus umgebracht, auch Uganda und Burundi haben Blut an den Fingern.  Im Falle der Tutsi-Rache ist sogar von “Völkermord” die Rede.

Das Papier erkennt erstmals an, dass es neben den grausamen Massakern der Hutu eben auch eine Art “Gegenmassaker” gab – auch wenn die ruandische Regierung betont, man habe damals die Flüchtlingslager auflösen müssen, um die  Angriffe von dort zu unterbinden. Dem UN-Bericht zufolge benutzt man dabei aber Macheten und Hämmer und tötete mehr als 100.000 Menschen, gleich welchen Alter und Geschlechts.

Im Osten Afrikas ist man über die UN verärgert und bezichtigt sie, den Frieden zu gefährden. Tatsächlich ist die Region Ort des größten Versagens der UN-Friedenstruppen: 1994 sahen sie in Ruanda hilflos zu, als das große Morden begann.

Und auch jetzt zeigt sich das Versagen der Organisation: Im Juli und August wurden im Osten Kongos mehr als 500 Frauen, vom Baby bis zur greisen Frau, von marodierenden Banden und kongolesischen Soldaten vergewaltigt. Die Massenvergewaltigungen fanden nur wenige Kilometer von den Stützpunkten der UN-Friedenstruppen statt, offenbar hatte es weder Funkverbindungen zum Hilferuf gegeben, noch hätten die Dorfbewohner Alarm geschlagen  – die Angst vor Repressionen ist groß. Ein weiteres kleines Detail zeigt, was falsch läuft mit der größten Friedensmission der Welt: Der New York Times zufolge trauten sich viele Frauen in einem Dorf nicht, den Blauhelmen Bericht zu erstatten – die vorwiegend indische Truppe besitzt keine weiblichen Soldaten, denen sie sich hätten anvertrauen können.

Längst sind Vergewaltigungen eine Waffe in diesem Krieg geworden, in dem sich alles um die wertvollen Mineralien des Landes dreht und bei dem unklar ist, zu welchem Grad internationale Rohstofffirmen beteiligt sind. Die Vergewaltigungen sind so normal, “dass sie nicht unsere höchste Alarmstufe zum Eingreifen auslösen“, hat Margot Wallstrom dem UN-Sicherheitsrat erklärt. Sie ist für den Kampf gegen sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten zuständig.In den Jahren 2008 und 2009 sollen insgesamt mehr als 15.000 Vergewaltigungen im Land stattgefunden haben.

Sollte sich ein UN-Bericht in einigen Jahren mit der heutigen Gegenwart im Kongo beschäftigen, dürften diese Zahlen deutlich höher ausfallen – und dennoch nicht einmal annähernd die Realität eines immerwährenden Albtraums beschreiben.

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