Auferstehungen

Die Doku „Fall and Winter“ (von 2013) vollzieht Tod und Auferstehung im Kontext der drohenden ökologischen Katastrophe nach: Sie beschreibt das heranbrechende Zeitalter zivilisatorischer Instabilität und zeigt dann Ideen für das auf, was man oft „ein anderes Leben“ nennt. Natürlich lässt sich diesem Film unter anderem vorwerfen, dass die vorgeschlagenen Lösungen im Kontext der Probleme naiv sind. Inhaltlich würde ich dem gar nicht widersprechen, nur werden wir ohne einen Schuss Naivität das anstehende Zeitalter wahrscheinlich nicht bewältigen können.

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Shame: Songs of Praise

„Songs of Praise“, das Album der Londoner Band Shame, läuft bei mir seit einigen Tagen in Dauerschleife. Womit ich nicht alleine bin, in den US-Musikradiosendern taucht es s-t-ä-n-d-i-g auf. Donnerstag habe ich es sogar in einem Ramen-Restaurant downtown gehört und ich weiß nicht, was ich seltsamer finde: Ich im Ramen-Restaurant jedes amerikanische Großstadt-Bewohner-Klischee erfüllend oder Shame in der Ramen-Playlist. Sucht es euch aus und hört mehr als nur den oben eingebauten Track.

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Russell Brand und Sam Harris

Russell Brand hat in seinem Podcast Sam Harris zu Gast und das Ergebnis fasziniert mich auch deshalb, weil sich zwei Pole gegenüber stehen, die auch einen meiner inneren politischen Konflikte bestimmen.

Brand kommt aus einer progressiv-spirituellen Haltung. Er verbindet den Glauben an Menschlichkeit mit einem Bewusstsein, dass unsere westlichen Denkstrukturen nicht die einzigen validen Moralsysteme sind – und dass sie in der Praxis dem Ideal der Aufklärung oft widersprechen und zum Beispiel im Kolonialismus ein geschichtliches Narbenfeld hinterlassen haben.

Harris dagegen ist ein überzeugter Atheist, der aber darauf keine dekonstruktive Weltanschauung baut, sondern eine ganz klare moralische Haltung aus der unbedingten Vermeidung von Leid (für Menschen, Tiere, Lebewesen) und Orientierung an den Wissenschaften entwickelt.

Am offensichtlichsten werden die Differenzen zwischen den beiden bei der Debatte über Burka und politischen Islam. Am größten sind ihre Überschneidungen, wenn es um meditativ geformte Spiritualität und Mitgefühl als Fundament einer reflektierten und ethischen Lebenshaltung geht.

Ich empfinde beide Positionen als stark und glaube sogar, dass sich auf dem Brand’schen Fundament eine leicht modifizierte Form des Harris’schen Weltverständnisses bauen ließe, ohne dass dieses Konstrukt zu relativistisch oder rationalisiert utilitaristisch wäre. Aber ein zeitgemäßer Humanismus entsteht natürlich nicht alleine im Gespräch zweier Menschen, sondern im Kontext und Konflikt einer Masse unterschiedlicher Systeme, nach denen wir leben.

(Zwei Sätze noch zu Russell Brand: Er kann sehr anstrengend sein, aber ich habe großen Respekt davor, dass er sich dezidiert als Suchender zu erkennen gibt. Heute ist es viel einfacher und lukrativer, sich als Erklärer zu verkleiden.)

Siehe auch: Westen ohne Gott

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Ins zwölfte Jahr

In ein paar Tagen geht dieses Blog ins zwölfte Jahr. 2007 kam auch dieser Song raus, der wiederum das 20. Jubiläum von Public Enemy markierte. Ich bin immer wieder erstaunt, wie lange Sachen existieren, die sich eigentlich noch ziemlich neu und frisch anfühlen (Hip-Hop, als Privatmensch im Internet publizieren). Harder than you think, it’s a beautiful thing.

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Serienrückblick: Westworld

(Ohne Spoiler) Am Wochenende hat es hier karibisch geregnet, also ununterbrochen und schüttend. Eine gute Gelegenheit, die letzten Westworld-Folgen zu gucken. Ich war etwas überrascht, dass schon eine zweite Staffel geplant ist, weil die Serie etwas Endgültiges in ihrer Anlage hatte (oder ich mich vielleicht zu sehr an dem Crichton-Film orientiert hatte, den ich mal im Kontext von „Roboter-Bild der Siebziger“ zufällig auf Youtube durchscannend angeguckt hatte).

Ich bin nicht so euphorisch wie viele andere Zuschauer. Mir war es einfach zu brutal um der Effekte Willen, vielleicht stößt mir dieser Sadismus – nicht nur jener Figuren, sondern auch der Darstellung – auch wegen der ohnehin ausreichend brutalen Weltnachrichten und jener Entmenschlichung auf, die ich jeden Tag im Diskurs auf Social Media erlebe. Genau das aber natürlich macht Westworld auch zeitgeistig, genau wie die Frage, wie kaputt wir in unserem Amüsierverlangen sind. Aber die wird wahrscheinlich von den meisten nur im Kontext der Serienhandlung gestellt, die Inszenierung wird in der Regel nach rein ästhetischen Kriterien betrachtet. Für mich liegt dort der Unterschied zwischen Westworld und Serien wie die Sopranos.

Der ganze AI-Aspekt ist eher hinter dem “Erkenne dich selbst”-Narrativ verborgen, genau wie die Effekthascherei diverse Plot-Logikbrüche zu kaschieren scheint. Dadurch ist Westworld eine Serie für das Echtzeit-Zeitalter, immer irgendwo eine neue Plot-Wendung, eine neue Schießerei, ein neues Massaker. Sinn, der darüber hinausgeht, finden die Menschen-Figuren wie die Menschen-Zuschauer in der Auflösung des Labyrinth-Rätsels (“The Maze”). Aber dazu keine Spoiler von mir.

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Fröhlichen Advent mit Künstlicher Intelligenz

„Known to its creators as “neural karaoke”, the project from the University of Toronto can take any digital photo and transform it into a computer-generated singalong. It is a whimsical demonstration of what artificial intelligence (AI) might do for us beyond the familiar: giving voice to chatbots, wiping billions off the stock market, and ultimately destroying the human race.“ (via Guardian)

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The Night Of & Atlanta

Die Mini-Serie The Night of (HBO) war für mich der TV-Höhepunkt des Sommers, und Atlanta (FX) begleitet mich durch den Herbst. Beide erzählen Geschichten von Minderheiten (Pakistan/Muslim Americans & Black Americans), wobei The Night Of eher in der düsteren Justiz-/Gefängnis-/“Was ist Gerechtigkeit?“-Ecke spielt und Atlanta das afroamerikanische Leben in den Metropolen des Südens als desillusionierte Alltags-Comedy zeichnet. Durch meinen Wohnort sind mir Atlanta und die schwarze Kultur näher, wenn auch eher beobachtend. Beide vereint eine Nah-Perspektive auf Bevölkerungsgruppen, die in TV-Formaten bis Ende der Neunziger vor allem als Sideshows oder stereotypisiert vorkamen (eine Rolle, die derzeit im englischsprachigen TV häufig Hispanics ausfüllen).

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NOFX und die Hepatitis-Badewanne

NOFX habe ich erst um die Jahrtausendwende richtig zu schätzen gelernt und angesichts der grauenhaften Entwicklung, die sich dann via Blick 182 hin zu allem möglichen Casting-Quatsch vollzogen hat, ist meine Wertschätzung über die Jahre nur gestiegen. „The Decline“ ist weiterhin musikalisch der beste Song, den dieses Genre hervorgebracht hat.

Irgendwann im Frühsommer habe ich die Band-Autobiografie The Hepatitis Bathtub and Other Storiesgelesen und sie hat all das, was Titel und Bandgeschichte versprechen. Szenebericht (erstaunlich, wie viele Menschen im LA der Achtziger ihre Szene eingeschlagen bekamen), Lebens- und Drogenbeichte, ein Pissoir Wasserfall bizarrer, witziger und bitterer Anekdoten.

Je älter ich werde, desto erstaunlicher finde ich die ganzen Scheinwerferlicht-Mechanismen. Fußballspieler, die wir vergöttert haben, sind plötzlich Trainer irgendwelcher unterklassiger Mannschaften. Musiker müssen ihre Songs von vor 20 Jahren spielen oder touren alleine durch irgendwelche Mini-Läden.

Der Preis dafür, Geld und Aufmerksamkeit für etwas zu bekommen, was du liebst, ist oft die Gefangenschaft, auch nach dem Zenit von Schaffen oder Popularität damit weiter Geld verdienen zu müssen. NOFX haben das musikalisch und menschlich würdevoll gemacht, weil sie nie etwas darstellen wollten, was sie nicht sind. Dem bleiben sie in „Hepatitis Bathtub“ treu.

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