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Logbuch: AI im weiteren Sinne & UK

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Message From The Unseen World

Derzeit finden in Harvard einige Veranstaltungen zu lernenden Systemen (AI) und Ethikfragen statt, ich verfolge es allerdings aus Zeit- und Komplexitätsgründen nur am Rande. Offenbar hat aber Jonathan Zittrain eine Idee in den Raum geworfen, die mir in verschiedenen Formen begegnet: “At the AI Advance, Jonathan Zittrain said that organizations are a type of AI: governed by a set of rules, they grow and learn beyond their individuals, etc.”

Wer einmal in einem mittleren oder größeren Unternehmen gearbeitet hat, kennt den Wildwuchs an Regeln und Workflows in komplexen Organisationen. Entscheidungen werden oft aus Gründen getroffen, die rational nur unter völliger Kenntnis der Systemlogik erklärbar sind und die nicht an einer Person oder Abteilung, sondern an vielen erfüllten oder unerfüllten Bedingungen hängen. Das muss nicht dysfunktional, sondern einfach nur komplex und sich selbst entwickelnd sein. Ähnliches lässt sich über das Staatswesen oder auch soziale Konstrukte wie Religionsgemeinschaften sagen. Aus dieser Perspektive könnten wir Organisationen womöglich als AI im weiteren Sinne verstehen.

Die verschärfte These habe ich irgendwo einmal aufgeschnappt (Reddit? HackerNews?): Kapitalismus als erfolgreichste AI, der nicht nur eine Stabilisierung bis hin zur Unvorstellbarkeit eines alternativen Systems gelungen ist, sondern die in ihrer Marktmachung im Zweifel andere Systeme wie die Biosphäre oder Demokratie lenkend übernimmt, um sie auszubeuten und/oder nach den eigenen Metriken zu re-formieren. Düster.

Noch ein paar Worte zur Wahl in Großbritannien, auch wenn sich Millionen Menschen besser auskennen: Ich kann mir gut vorstellen, dass Großbritannien und die USA künftig eine Art hyperkapitalistischen Block bilden, der dem Markt alles unterordnet und die Rolle des Staates auf das Management von Folgen der Ungleichheit beschränkt ist. Ähnlich also wie die Neoliberalisierung durch Thatcher & Reagan, nur ohne Gefolgschaft in den meisten anderen Industrienationen (aber wer weiß schon). Die Vision einer homogenen Wertegesellschaft im Geiste der 1950er Jahre sind nur der konservative Kitt für eine Idee, die zwangsläufig auf Kosten vieler Menschen geht, man sehe sich die aktuellen Folgen der Austerität an.  Labour mit seinen sozialdemokratischen (Cornyn) bis Managerialism(Reste New Labour)-Ideen scheint die Rolle eines unregelmäßigen Korrektivs zuzukommen, wenn aus der Partei nicht sowieso verschiedene eigenständige Organisationen werden.

Erstaunlich finde ich, dass beide Ideen einen konservativen Kern zu haben scheinen: Wertebewahrung (Tories) vs. Sozialstaatsbewahrung (Labour). Ich halte Sozialstaatsbewahrung für relevanter (weil er Ausdruck des Wertes Solidarität ist), nur fällt mir als Außenstehender immer stärker auf, wie sehr sich die Politik in Europa – in direkter Korrelation zur demographischen Entwicklung – auf den Status Quo und seinen Erhalt konzentriert.

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Werben um Amerikas klügste Köpfe

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Nach dem Wahlsieg Emmanuel Macrons geht sein Video aus dem Februar viral, in dem er amerikanische Klimaforscher einlädt, nach Frankreich zu kommen. Man kann über ihn sagen, was man will, aber er hat etwas begriffen: Dass für wissenschaftsfreundliche Staaten die paläokonservative Trump-Regierung eine Chance bietet, kluge Köpfe aus den USA nach Europa zu locken. Noch ist es zu früh, aber die wissenschaftsfeindliche Unterströmung in den Vereinigten Staaten ist weder neu, noch wird sie verschwinden.

Warum überlegt sich Deutschland kein Programm, um die klügsten Köpfe (und das nicht nur aus den USA) anzulocken und hier in die universitäre Forschung zu holen? Mit den Laborbedingungen werden viele deutsche Unis nicht mithalten können; vielleicht aber mit Planungssicherheit, Familienfreundlichkeit und einer Verpflichtung zur Wissenschaft, die in den USA noch stärker als anderswo vom Vorbehalt privatwirtschaftlicher Finanzierung abhängig zu werden scheint. Das wäre doch mal etwas, wofür man einen Teil der Steuerüberschüsse verwenden könnte.

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