USA

USA: Der Faden reißt

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US Capitol Building ~ Washington DC

Die Stärke demokratischer Institutionen liegt nicht in den Buchstaben des Gesetzes – es sind praktischen Arrangements, die ihre Funktionalität gewährleisten. In den USA kassieren das Weiße Haus und die Republikaner gerade einige dieser Arrangements; die Trump-Regierung schränkt die Pressebriefings ein, Behörden verweigern Abgeordneten Informationen, vor allem aber peitschen die Republikaner das Gesundheitsgesetz ohne Senatsanhörungen durch, obwohl mehr als 20 Millionen Menschen ihre Versicherung verlieren könnten. Von der Akzeptanz präsidialer Inkompetenz und Normenverstöße rede ich gar nicht.

Die praktischen Folgen sind schlimm genug, doch selbst bei einem Scheitern dieser Vorstöße sollte die Bereitschaft zum Autoritarismus Sorgen bereiten, die sich dahinter verbirgt. Die Bereitschaft auf Seiten der Konservativen, Täter oder Mittäter durch unbeteiligtes Zuschauen zu werden. Und das alles für Macht und die finanziellen Interessen einiger weniger Akteure, die sich Politik kaufen können. Hyperkapitalismus, vollendet.

Es wird nicht einmal nur Trump sein, sondern Typen wie Senatsführer Mitch McConnell, die für Historiker einmal diesem Zynismus und das Ende der politischen Verantwortungsbereitschaft personifizieren werden. Und Verantwortungslosigkeit gegenüber der Allgemeinheit ist es, mit der die Republikaner auch ihre Basis locken – siehe Klimapolitik, siehe struktureller Rassismus, siehe Tribalismus. In einem Zeitalter massiv wachsender Probleme gewiss eine große Verlockung, wenn auch nur kurzfristig oder für den Preis einer massiven Ausweitung von Unterdrückung zu erreichen. Ich bezweifle, dass sich das Land von der gegenwärtigen politischen Phase erholen wird – denn der aktuelle US-Präsident ist nur das Symptom der Krankheit, nicht die Ursache.

Ich habe großen Respekt vor der konservativen amerikanischen Denkschule und ihrer Rolle im Wettbewerb der Ideen. Doch das, was gerade passiert, ist nicht einmal Paläokonservatismus – es ist jener politisch-gesellschaftliche Nihilismus, wie er kennzeichnend für zusammenbrechende Imperien ist.

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Welches New Orleans?

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New Orleans

Was ist New Orleans? Das kommt drauf an, wen Du an welchem Tag fragst und ob Du eine Stunde Zeit hast, damit ich Dir es erkläre. Nola ist der vielleicht freundlichste Ort, an dem ich je leben durfte. Nach San Francisco, wo Zwischenmenschlichkeit allzu oft mit geschäftsmäßiger Transaktionalität abgewickelt wurde, habe ich einen Ort großer Herzlichkeit kennenlernen dürfen. Natürlich gibt es die Gewalt, die Morde und Raubüberfälle, das Elend und die Tatsache, dass Du wirklich jeden Tag mehrmals über das Konzept von Ethnie/Rasse und den ganzen Kontext nachdenken musst. Wenn Du nicht gerade einem der vielen Schlaglöcher ausweichst. Aber das ist eben nur ein Teil des großen Ganzen, in dem ein Geist des Miteinander-Auskommens und des Carpe Diem wohnt. Denn niemand weiß, was morgen ist.

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New Orleans ist die Stadt, wo Konföderierten-Nostalgiker und Rassisten auf eine schwarze und progressive Mehrheit treffen. Der Ort des wildesten Karnevals nördlich von Rio. Der atemberaubenden Schönheit der Architektur und des Verfalls. Wo Reichtum wohnt und bittere Armut. Wo die Straßen nachts so aussehen können, als hätte sich seit 100 Jahren nichts geändert außer der Autogrößen. Wo Künstler geschätzt und Underachiever nicht anhand ihrer Fehler beurteilt werden, sondern anhand ihres Charakters.

Der Ort, an dem Katrina die Zeit in einigen Gebäuden angehalten hat, die nun verlassen stehen – zu groß, um sie abzureißen, zu verfallen, um sie zu sanieren. Wo Menschen leben, die die Flut überlebt haben. Und Katzen, die sich auf die Speicher und Dächer retteten und sich dort von Mäusen ernährten.

New Orleans ist auch der Ort, in dem die großen Pipelines und Industrieanlagen ihre Schatten werfen, als Teil Louisiana ist es Teil eines Bereicherungskomplexes, der Umwelt und Arme enthemmt ausbeutet.

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Ich habe New Orleans als Ort kennenlernen dürfen, der Dich in seinem besten Momenten einfach „da sein lässt“. In dem die Zeit sich träge entlang der Temperaturen biegt, die Grenzen zwischen Leben und Tod verschmelzen und die Natur sich am Ende immer noch holt, was sie braucht. In der Wolkenbrüche und heftige schwüle Hitze sich innerhalb von Minuten abwechseln können. Ein Ort, in dem die Unvernunft regiert und eine Unberechenbarkeit erschafft, die grandios oder grausam sein kann.

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Ich werde den Himmel über New Orleans nicht vergessen und die Menschen nicht. Und wenn sie mich einmal fragen, welche Stadt in diesem verrückten Land noch eine Seele hat und sich nicht der Clevelandisierung oder Manhattanisierung des Landes beugt, dann werde ich auf der Karte tief in den Süden deuten. Ich drücke dieser Stadt alle Daumen, denn sie ist zerbrechlich, wie ein Kartenhaus in der Sommerbrise. Und doch hat sie mich und mein Herz erobert mit ihrem Charme, ihrer Kraft und ihrer Herzlichkeit. I heart NO LA.

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Mehr über New Orleans, Louisiana, hier im Archiv.

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