Vereinigte STAATEN von Amerika

Die Welt blickt in diesen – wie in den meisten – Tagen auf Washington. Natürlich zurecht, einerseits. Andererseits sind die deutschen Interessensorte Washington, New York, LA und San Francisco eben nur ein kleiner Teil dieses Landes. Ich will nicht sagen, dass die anderen Landstriche nun völlig anders sind, aber es gibt eben doch eine Regionalgeschichte, unterschiedliche Mentalitäten, ethnische Zusammensetzungen, Traditionen, Konflikten. Je länger ich hier bin (und je näher die Rückkehr im kommenden Jahr rückt), desto stärker vertiefe ich mich in die Geschichte und Geschichten der Bundesstaaten.

Ich bin dabei immer wieder verblüfft, wie detailliert und anspruchsvoll die Sozialgeschichte der USA bis ins Kleinste dokumentiert ist, und dass sich immer wieder jemand findet, der das aufgreift und weiter forscht oder die Gegenwart aus dieser Perspektive betrachtet. Eine derart zugängliche Regionalgeschichte, kombiniert mit echten Geschichten vor Ort, kenne ich aus Deutschland nicht.

Unterdessen

‘Children are being used as a tool’ in Trump’s effort to stop border crossings

„Die Trump-Regierung sagt, dass Eltern von ihren Kindern getrennt werden, weil sie mit dem illegalen Grenzübertritt eine Ordnungswidrigkeit begangen haben, was wiederum Gewahrsam in den Händen der Bundesbehörden bedeutet. Dort sind Kinder nicht zugelassen. Aber sobald Eltern ihre Zeit für dieses kleine Vergehen abgesessen haben, drohen ihnen immer noch Monate in den Abschiebeeinrichtungen, oft ohne eine Ahnung darüber, wo ihre Kinder sind. (…) Die Pflichtverteidigerin Azalea Aleman-Bendiks erzählt, einige ihrer Klientinnen hätten ihr gesagt, dass Grenzschützer ihnen die Kinder weggenommen und behauptet hätten, sie würden nun gebadet. Nach einigen Stunden dämmerte es den Müttern, dass die Kinder nicht zurückkommen werden. ‚Es ist unglaublich‘, sagte sie, ‚ich kann nicht glauben, was hier passiert.'“

James Byrd jr.

The Shocking Legacy of America’s Worst Modern-Day Lynching

Heute vor 20 Jahren verprügelten drei weiße Männer in der osttexanischen Kleinstadt Jasper den Afroamerikaner James Byrd jr.. Sie urinierten auf ihn, banden ihn an einen Pick-Up-Truck und schleiften den 49-Jährigen durch die Straßen. James Byrd jr. war Gutachten zufolge noch am Leben, als sein Körper dabei gegen einen Durchlass prallte und ihm der Kopf abgetrennt wurde.

Menschen mit Verwandtschaft dort erzählen mir, dass das Grenzgebiet zwischen Texas und Louisiana in Sachen Rassenhass das schlimmste ist. Weiß und Schwarz stehen sich in unterdrückter Feindseligkeit gegenüber. Dass es noch zur Jahrtausendwende zu einem Lynchmord kommen konnte, symbolisiert dabei die Machtverhältnisse. Genau wie die Schändung von Byrds Grab 2004 durch zwei Teenager. Oder die Aussagen im oben verlinkten Stück aus dem Jahr 2018: „Ich weiß nicht, ob ein Drogendeal falsch gelaufen ist oder so. Aber ich kann sagen, das hatte nichts mit der Rasse zu tun“, sagt ein weißer Bewohner, „die Menschen in Jasper wissen das.“

Der Prozess endete mit zwei Todesurteilen, von denen eines 2011 vollstreckt wurde, sowie einmal lebenslanger Haft. Hinweise auf ein anderes Motiv als Hass gab es nicht. Der Sänger Matthew Mayfield thematisierte die Ermordung Byrds in seinem Song „Still Alive“.

Cocktails und Chauvinismus (Trump)

A Four-Star Dumpster Fire’: More on America’s Current Foreign Policy

James Fallows vom Atlantic muss keine Leserkonferenzen veranstalten, sondern hat schon seit Jahren eine Community aus schlauen Lesern aufgebaut, mit denen er öffentlich über seine Stücke und Notizen diskutiert.

In diesem Falle meldet sich u.a. ein Militärangehöriger mit seiner Theorie zu Wort. Er glaubt, dass drei Faktoren die außenpolitischen Entscheidungen der aktuellen US-Regierungen beeinflussen:

(1) Die Annahme, dass amerikanische Macht und Ressourcen unendlich sind (was nicht stimmt).
(2) Die Annahme, dass die USA als außergewöhnliche Nation (vgl. American Exceptionalism) tatsächlich alles fordern und bekommen kann, das sie will. Das alle Gegner alles aufgeben und dankbar dafür sein müssen, dass sie weiter existieren dürfen. (siehe: Chauvinismus)
(3) Die Annahme, dass militärische Macht alles löst und die einzige Art ist, Stärke zu zeigen – also eine Ignoranz gegenüber „Soft Power“.

Er folgert:

„Diese Annahmen sind zu einem gefährlichen Cocktail geworden, weil POTUS [Trump] glaubt, dass kurzfristige Siege langfristiges Scheitern wert sind; dass Außenpolitik einzig ein Bereich des Theaters ist; und dass, womöglich der größte Egoisimus dieser Perspektive, die Welt sich von Natur aus um die Launen der USA dreht, die sich dadurch abschotten kann, aber immer noch den Ton angibt.“

Der Militärangehörige ist am Ende optimistisch, dass sich die Fehler nach der Trump-Ära korrigieren lassen. Aber natürlich stellt sich die Frage, welchen Sinn dann die Erwartung von Spielräumen oder sogar Verhandlungen an sich machen (die Strategie, auf seine Eitelkeit zu setzen, ist ja trotz nur zufallsbasierter Erfolge die derzeit gängige).

Oder, um auf einen gerade viel geteilten Twitter-Thread mit vereinfachend-psychologisierender Note zu verweisen:

Seine Wähler wollten jemanden, der mit einem Schraubenschlüssel das System verkantet. Die Welt hat ihn bekommen.

Trump, Aufmerksamkeit und die unendliche Echtzeit

(1) „That is what Power Looks Like“: As Trump prepares for 2020, Democrats are losing the only fight that matters
(2) Facebook, Snapchat and the Dawn of the Post-Truth Era
(3) In the Trump Era, We Are Losing the Ability to Distinguish Reality from Vacuum

Drei Beiträge, die ich in einen Zusammenhang stellen möchte. In (1) beklagt Peter Hamby (ironischerweise inzwischen Snap-Newschef) in Vanity Fair, dass Trump mit seiner ständigen Erzeugung von Aufmerksamkeit dafür sorgt, dass niemand weiß, was eigentlich die Demokraten gerade machen (und für was sie stehen).

In (2) bilanziert der ehemalige Facebook-Produktmanager Antonio García Martínez, der seine Erfahrung im Buch  Chaos Monkeys verarbeitet hat, das Social-Media-Zeitalter: Wir kehren demnach in den Modus der vorschriftlichen Epochen zurück, in denen Wahrheit in der Regel eine Sache des Hörensagens war. Zitat: „Dies wird die am besten dokumentierte Epoche in der amerikanischen Geschichte sein, aber niemand wird sich einig sein, was passiert ist.“

In (3) weist Masha Gessen darauf hin, dass die Hyperstimulierung durch Trump-Nachrichten uns (bzw. US-Amerikaner) an die Echtzeit kettet. Einen einzigen Tag zu verpassen, bedeutet Anschluss an die Entwicklungen zu verlieren – doch was an diesem einzigen Tag passiert, ist in der nächsten Woche bereits wieder abgelöst und irrelevant. Was in dieser gedrängten Zeit verloren geht, ist demnach die Fähigkeit, moralische Urteile zu fällen – denn diese benötigen eine historische Perspektive, die über den Tag oder die Ära hinaus geht.

Die banalste Synthese aus diesen drei Texten lautet vielleicht, dass die Aufmerksamkeitsökonomie netto zu einer gewaltige zivilisatorische Energieverschwendung führt. Im besten Falle. Sollten wir allerdings – Worst Case – in einem neuen Zeitalter westlicher Autokratien bis hin zum Neofaschismus landen, werden Historiker einmal feststellen, dass neben den Verwerfungen von Spätkapitalismus und Klimawandel die Aufmerksamkeitsökonomie eine dritte wichtige Voraussetzung für diese Wende war (sie ist ja letztlich aus der Marktbarmachung aller dezentralen Konstellationen abgeleitet, in denen bisherige Vermittler überflüssig wurden). Damit meine ich nicht Populismus per se, der wie ich finde durchaus seine Berechtigung hat, sondern die zunehmende Irrelevanz der Unterschiede zwischen Ursache und Wirkung, Tatsachen-Kontext und Interpretation – und unsere Anpassung daran.

Die optimistischere Perspektive ist, dass der Zugang zu historischem Wissen, Reflexion  und persönlicher Erfahrung als Fundament eines Gegenentwurfs heute ebenfalls recht einfach herzustellen ist – und auch notwendig, um die planetarischen Herausforderungen zu meistern. Nur ist dieser Weg eben derzeit schwieriger, benötigt mehr Zeit und belohnt uns mit weniger Endorphinen.

Texanische Nachbarn

Waschbären Central Texas

Austin ist bekannt für seine Creeks – dichte Waldschluchten, die sich um kleine Bäche und Flussbette gruppieren. Wir wohnen an einem solchen Creek, eine für Europäer ungewohnte Nachbarschaft.

Im Baum nebenan wohnt inzwischen ein Waschbär (siehe Foto). Davor lebte dort eine Eichhörnchenfamilie, ich ahne, dass er etwas mit ihrem Verschwinden zu tun hat. In der Dämmerung sucht ein Amardillo die Böschung ab und gräbt Löcher in den Boden, sobald er dort Insekten gewittert hat. Bei Regen watschelt manchmal nachts ein Opossum am Wohnzimmer vorbei. Lässt man es in Ruhe, kümmert es sich um die Kakerlaken und Moskitos, die sonst in sicherem Abstand auf einen offenen Türspalt warten.

Im Morgengrauen streift eine verwilderte Perserkatze umher und will Futter schnorren. Die Katze hat nur ein Auge und zeigt deshalb kein Interesse an den knallroten Vögeln, die um sie herum schwirren und abgelegte Teile ihres Katzenpelzes stibitzen, um damit ihre Nester zu verstärken. Die Katze und das Opossum verstehen sich übrigens ganz gut.

Beide müssen wiederum die Coyoten fürchten, die manchmal nachts auf dem Weg durch das weit verzweigte Creek-System die Schlucht durchstreifen. Wir haben noch keine bemerkt, es hatte sich nur einmal ein Fuchs vor unser Fenster verirrt. Doch wer weiß, was dort unten noch alles wohnt… Manchmal höre ich nachts einen neuen, fremden Tierschrei aus der Dunkelheit des Waldes. Für einen Moment zerreißt der Sound der Wildnis das leise Rauschen der Stadtautobahn und ich bin hellwach.

Hat Trump etwas zu verlieren?

„Hinter Trumps Rückzug aus dem Abkommen, der eigentlich ein Vertragsbruch ist, steht das Kalkül, dass maximale wirtschaftliche Sanktionen Iran in die Knie zwingen werden, wenn sie nicht sogar zu einem Kollaps des Regimes führen – das ist Boltons offen erklärtes Ziel. Und niemand sollte Zweifel haben, dass er bei einer Eskalation schnell bei der Hand sein wird, mit Militärschlägen zu drohen.

Diese Denkweise verkennt zutiefst, wie die Islamische Republik funktioniert. Ja, die iranische Währung, der Rial, ist im freien Fall und viele Iraner sind unzufrieden. Aber Trump spielt mit seiner Entscheidung nur den Hardlinern in Teheran in die Karten. Das Regime hat sich gut gewappnet gegen mögliche Aufstände, und die meisten Iraner wollen mit dem Blick auf die blutigen Umbrüche überall in der Region keinen Umsturz, sondern graduelle Reformen. Und schon gar nicht wollen sie von Boltons Einflüsterern bei den Volksmudschahedin regiert werden, einer obskuren Gruppe von Exil-Iranern in den USA. Wenn der Druck nicht mit einem für Iran attraktiven Angebot verbunden ist, wird Teheran darauf nicht reagieren.

Aber Bolton und der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu haben sich ja beim amerikanischen Einmarsch im Irak 2003 auch schon als weitsichtige Propheten erwiesen: Sie sagten voraus, der Sturz Saddam Husseins werde dazu führen, dass der Nahe Osten demokratisiert werde und sich dem Westen zuwende. Damals hatte Ahmed Tschalabi das Ohr der Falken in Washington, ein obskurer Exil-Iraker. Tatsächlich war die zentrale geopolitische Folge der regionale Aufstieg Irans, den Bolton und Netanjahu beide nun lauthals beklagen und als alleinige Folge des Atomabkommens darzustellen versuchen.“

Trumps Falken treiben den Nahen Osten in die nächste Krise

So wie es keinen Plan für das danach gibt, existiert hier aus Trumps Sicht kein größeres „Warum?“. Er hat ein Versprechen aus dem Wahlkampf erfüllt. Zu einem Thema, das er nicht durchblickt, sondern bei dem er dem folkloristischen Iran- und Obama-Hass der Konservativen folgt, angetrieben von den  Boltons, Netanjahus und Pompeos.

Hat er etwas zu verlieren? Er hat ja kein Interesse an dem, was über ihn selbst hinausgeht. Ein nukleares Saudi-Arabien? Wird Trump nicht mehr erleben. Handelsstreit mit der EU? Gab es eh schon. Ein zerbröckelnder Naher Osten? Weit weg, jenseits des Bündnisses mit Israel kein amerikanischer Verantwortungsbereich. Ein paar Bomben auf Iran? Können sogar innenpolitisch  hilfreich sein. Höherer Ölpreis? Gut für die amerikanische Fracking-Branche.

Baby Breitbarts

„Der im Februar 2017 gestartete Tennessee Star ist Teil eines größeren Trends undurchsichtiger, auf lokale Themen konzentrierter, ideologischer Medien, die sich als traditionelle Zeitungen verkleiden. Vom Arizona Monitor bis zum Maine Examiner sind im ganzen Land Webseiten mit unterschiedlicher Glaubwürdigkeit aufgetaucht, deren Layouts an die überparteilichen Medien erinnern sollen. Das Ziel ist, die Lokalpolitik zu beeinflussen und das Vakuum zu füllen, das der finanzielle Kollaps von Lokalzeitungen hinterlassen hat.“

Baby Breitbarts to pop up across the country?

Wie ich bereits unten geschrieben habe: Es entsteht gerade ein Markt. Die USA sind dabei nach Talk Radio, Fox News, Breitbart und Co., Social-Media-Influencern/Spamern reif für die Lokalisierung der rechtskonservativen Propaganda. Sei es durch die nationalen TV-Lokalsender von Sinclair oder die oben beschriebenen „Baby Breitbarts“. Kombiniere das mit einem ohnehin ideologisierten Teil der Bevölkerung und der sichtbaren reaktionären Wissenschafts- und Bildungsfeindlichkeit, und du hast das, was die Amerikaner einen „Perfect Storm“ nennen. You ain’t seen nothin‘ yet.

Trump vs. die Medien: Und der Sieger ist…

Why Trump Is Winning and the Press Is Losing

Jay Rosen, ernüchternd und logisch die Lage sortierend: Es wird kein „Erwachen“ von Trump-Wählern geben. Weil sie bereits in einem Propaganda-Universum (Fox, Breitbart-artiges, wachsend: Sinclair) leben und nichts mitbekommen. Oder weil sie die Berichterstattung der traditionellen Medien nicht glauben. Oder weil es ihnen am Ende einfach egal ist. Mit Trump ist es ein bisschen wie mit technischen Entwicklungen: Die kurzfristigen Veränderungen werden zunächst überschätzt, die langfristigen Folgen dagegen völlig unterschätzt.

Texas Tragedy Tours

Ein paar Fotos von einem Roadtrip Richtung Norden.

Dealey Plaza, Dallas

Die Tragödie der Ermordnung John F. Kennedys ist nicht nur die eines nationalen Traumas, sondern auch die möglicher alternativer Geschichtsverläufe: kein Vietnam, ein anderer kalter Krieg, eine versöhnlichere Zukunft. Vielleicht. Der Schmerz hängt auch damit zusammen, dass ein derart unbedeutender Typ wie Lee Harvey Oswaldden US-Präsidenten umbringen kann (Disclosure: ich halte die Einzeltäter-Theorie als Erklärung für den Tatverlauf für ziemlich schlüssig). Hätte der Secret Service wie zu anderen Gelegenheiten Schützen auf den Dächern postiert, wäre der Baum (im ersten Bild rechts unten) so groß wie heute gewesen oder damals schon die Beschilderung über der Straße existiert… wie gesagt, die Kennedy-Ermordung ist eben auch jenseits der Tat-Theorien eine Einladung, über den Konjunktiv nachzudenken (Das erste Foto ist ein Stockwerk über dem Buchlager-Eckfenster, von dem geschossen wurde, aufgenommen. Die beiden Kreuze auf der Straße zeigen die Position der Limousine, als die Schüsse fielen).

Dealey Plaza Dallas John F. Kennedy Schulbuchlager

Mt. Carmel Center, Waco

Wenn die Kennedy-Ermordung 1963 den US-Amerikanern Misstrauen gegen den Staat und seine Sicherheitsorgane lehrte, dienten einigen von ihnen die Geschehnisse von Waco dreißig Jahre später als Beweis für die Feindseligkeit des Staates. Nach einem Schusswechsel mit mehreren toten Agenten belagerte das FBI wochenlang das Gelände der christlichen Davidianer-Sekte und stürmte es am Ende mit Panzern und Tränengas. Ein ausbrechendes Feuer tötete 74 Menschen, darunter den Sektenführer David Koresh. Der Neonazi Timothy McVeigh führte als direkte Reaktion 1995 den Bombenanschlag von Oklahoma City aus (168 Tote, mehr als 900 Verletzte).

Morgen, am 19. April 2018, ist der 25. Jahrestag. Was genau in Waco passiert ist, bleibt trotz der quasi-öffentlichen Verhandlungen unklar. Letztlich lässt sich fehlende interkulturelle Kommunikation als eine Ursache für die Tragödie ausmachen: Das FBI kommunizierte mit dem (mehrere Mädchen zwischen 10 und 16 missbrauchende) Koresh und seinen Leuten lange wie mit einem Geiselnehmer, ohne sich in das Wertesystem der Fundamentalisten hineinzuversetzen, um eine Lösung zu finden. Der Gebäudekomplex ist total abgebrannt, vor einigen Jahren wurde eine Kapelle errichtet, die aber nicht mehr benutzt wird. Konservative und Interessierte können sich dort von freundlichen Menschen erklären lassen, wie niederträchtig der Staat ist (nur echt mit „Hillary for Prison 2016“-Banner im Kapellen-Innenraum). Gedenksteine erinnern an die Toten, aber auch an die Opfer von Oklahoma.

Waco Branch Davidianer Gedenkort Texas

George W. Bush Library, Dallas

Beim Besuch der George W. Bush Library ist mir wieder eingefallen, was für schlimme Jahre das waren. Die Tragödie der US-Amerikaner ist, einen als Cowboy verkleideten Dynastie-Sprössling gewählt zu haben, zu dessen größter Leistung das Management eines Baseball-Clubs und die Führung eines Bundesstaats waren, der sich durch die Einnahmen aus Ölbohrungs-Rechten sorgenfrei um die Verteilung von Geld und Ideologie kümmern kann. Unser aller Tragödie ist, dass „Dubya“ eben nicht Präsident irgendeines Landes war und die Irak-Invasion nicht nur das eigene Imperium beschädigt hat, sondern auch im Nahen Osten und damit der direkten europäische Nachbarschaft eine moderne Version des 30-jährigen Krieg ausgelöst hat.

George W. Bush Presidential Library Dallas

Southfork Ranch, Parker

Okay, ich gebe zu, dass die Ranch aus der TV-Serie Dallas nicht unbedingt ein Ort der Tragödie ist. Abgesehen vielleicht davon, dass dort einige fiese Intrigen gesponnen wurden und J.R. Ewing – wie alle Familienmitglieder-Figuren, deren Darsteller gestorben sind- ein Grab auf dem Grundstück der Ranch bekommen hat. Inschrift: „The Only Deal He Ever Lost.“ Vielleicht passt die Ranch aber doch zum Tragödien-Motto, denn Dallas stand ja wie wenige andere Serie für das Abfeiern von Materialismus, Reichtum und Gier, dem „American Way of Life“ der Reagan-Ära also, der sich ziemlich gut exportieren ließ. Passenderweise hat der ehemalige Eigentümer der Ranch das Anwesen einst beim Poker verspielt, der aktuelle Besitzer versucht die Ranch mit Führungen, Fan-Treffen oder Events in der Scheune so gut es geht zu Geld zu machen. Den Besuch kann man sich leider sparen.

Dallas Southfork Ranch Texas Führung Grab J.R. Ewing