in Denken, Notiz

Freihandel II

The great globalisation lie

Nach der Lektüre neulich bin ich noch auf einen langen Aufsatz des besagten Dani Rodrik aus dem Prospect Magazine von Ende 2017 gestoßen.

„[Das Globalisierungs-Argument] hatte eine logische Stärke: Handel ermöglichte Spezialisierung und ein Land, das sich auf das spezialisierte, was es gut konnte, sei insgesamt besser dran. Die Cheerleader vergaßen allerdings mehr oder weniger die Einschränkung des ‚insgesamt‘. Mehr noch, sie kamen schnell vom Handel mit Waren zur Liberalisierung des Finanzwesens, einem Feld, in dem die Begründung immer anders lautete und zweifelhafter war.
Ohne Pause taumelten sie von der Senkung der Barrieren „an der Grenze“, zum Beispiel Importzölle oder Quoten, zu politisch einschneidenderen Initiativen wie der Harmonisierung von Regulierungen zu ausländischen Investitionen, Produktstandards, Patenten und Urheberrechten – und dort ist es viel unklarer, warum eine länderübergreifende Integration am Ende alle Nationen besser dastehen lassen soll.“

Ein ausführlicher geschichtlicher Abriss über den Fehler, auf Überlegungen zum „wie“ der Globalisierung zugunsten ökonomischer Integration als Dogma verzichtet zu haben. Das ist keine neue Kritik, aber angesichts der politischen Gegenwart stößt sie vielleicht endlich auf offenere Ohren als in den Nullerjahren.

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Kommentar

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  1. Ich hab Globalisierung in den 00er Jahren im Philosophiestudium relativ intensiv mitstudiert. Und in der Tat muss ich Dir recht geben: Jetzt, mehr als 15 Jahre ist aus vielen Vermutungen und Spekulationen viel nüchterne Realität geworden und in der Tat eine, die noch dunkler ist, als selbst Kritiker es damals erwartet haben. Im Grund befinden wir uns in einer Art zweiten Kolonialisierungsphase, nur geschickter, verdecker und zugleich mächtiger und unangreifbarer als in die erste.

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