in Deutschland, Notiz

Intellektuelle Faulheit und soziales Unbehagen

Hilfreiches zum Zeitgeist aus Frankfurt. Jürgen Kaube diese Woche in der FAZ:

Wenn der Eindruck nicht täuscht, fällt gerade vielen zur Gesellschaft, in der wir leben, so wenig ein, dass sie dankbar für jede Möglichkeit sind, alte Schlachten zumindest rhetorisch nachzustellen. Die Tatsächlichkeiten sozialen Elends in dieser Gesellschaft, die wirklichen Toten, die Opfer von Rechtsverletzungen, sind dafür dann nur Material und Anlass, wütend zu sein und Bescheid zu wissen, wer am Unglück Schuld trägt. Dieses Bescheidwissen macht sich keine Arbeit, denn nichts ist leichter als Meinen und in moralischer Absicht mitzuteilen, die anderen seien doch wirklich das Letzte, so gehe es doch bestimmt nicht weiter, solche Leute wolle doch niemand, der guten Herzens sei, zu Nachbarn. Diese Art von Moral ist wie die Nostalgie eine Form der intellektuellen Faulheit.

Über die intellektuelle Faulheit der Debatten

Woher kommt das alles? Harry Nutt in der Frankfurter Rundschau über die Frage, ob die Politik überhaupt noch die richtigen Ursachen bekämpfen kann:

Aber was ist sozial gerecht? Während die soziologischen Lesarten der gesellschaftlichen Desintegration noch stark an einem traditionellen Schichtenmodell orientiert waren, muss man heute wohl eher von etwas wie einer Dynamik der sozialen Entwertung sprechen, die jeden erwischen kann. Nicht selten nimmt man sie fast beiläufig als lästige Begleiterscheinung einer technologischen Modernisierung hin.

 Dynamik der sozialen Entwertung

Sowohl die Kaube-Diagnose als auch die Nutt’sche „Dynamik der sozialen Entwertung“ sind hilfreiche Ideen-Anker. Sie beschreiben mehr oder weniger Gesamtgesellschaftliches, beides scheint mir auch in einer Wechselwirkung zu stehen. Jetzt die Preisfrage: Welche ist das?

Schreibe einen Kommentar!

Kommentar

Webmentions

  • Diese/r Kurzmitteilung wurde auf kopfzeiler.org erwähnt