Leben in den Projects

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Mack Terrance über seine Kindheit in der Sozialsiedlung Magnolia:

„You’re out in the courtyard, maybe playing two-hand touch football and a guy just walks up to another guy and just shoots him 20, 30 times. (…) Over time it becomes normal to where it’s, ‚Oh, somebody got killed? OK. Whatever.‘ And that’s pretty much how it was growing up in the Magnolia projects. (…) There’s a saying in New Orleans that explains it all:’Murder make you famous.‘ If you murder a few people, the women are going to love you. That’s crazy. It sounds crazy. It is crazy. But that’s New Orleans. She sees fast money, nice clothes, nice shoes. ‚I can go shopping in Saks. My boyfriend sells drugs. He killed five people. That’s my boyfriend.‘ Now she has a name.“

Seine ganze Geschichte ist sehr lesenswert, weil sie einen schonungslosen Blick auf die Realität dort (und seinen eigenen Werdegang) gibt. Magnolia gehörte zu den „Big Four“ Projects, die wegen ihrer Gewaltkriminalität zu den kaputtesten Orten der USA gehörten (und Projects sind in fast jeder Stadt Kriminalitätsbrennpunkte). Das Stadtviertel Central City war lange der Ort mit den meisten Gefängnisinsassen pro Einwohner in den USA.

New Orleans public housing

Nach Katrina wurden die meisten Projects abgerissen (im Bild St. Bernard im Jahr 2006), eine umstrittene Entscheidung, denn natürlich bekam ein Großteil der Bewohner keinen adäquaten Ersatz. Und Wohnungsgutscheine nimmt fast kein Vermieter. Inzwischen hat sich viel von der Gewalt in den Osten der Stadt verlagert, ohne dass es in den meisten anderen Vierteln nachts besonders sicher wäre. Und so freundlich die Neubauten auf den Projects-Geländen aussehen, Central City ist einer der Orte, den Du mit dem Fahrrad auch tagsüber meidest und nach Einbruch der Dunkelheit selbst im Auto nur auf Hauptstraßen durchquerst.

Der Weg in die Moderne

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Bradford DeLong führt drüben in seinem sehr empfehlenswerten Blog eine Diskussion darüber, warum die industrielle Revolution nicht im byzantinischen Imperium ihren Ausgang nahm (eine ähnliche Frage stellte er auch zu China). Die Theorien sind zahlreich (von der imperialen Struktur als Innovationsbremse bis zu kulturellen Faktoren) und ein Kommentator stellt auch die Frage, warum wir eigentlich davon ausgehen, dass Modernität einem logischem/natürlichem zivilisatorischen Prozess entspringt.

Die Debatte geht quasi den umgekehrten Weg, dem ich gerade mit der Lektüre von A.C. Graylings „The Age of Genius: The Seventeenth Century And The Birth of the Modern Mind“ gehe. Leider tendiert Grayling zu einer exzessiven Beschreibung der Wendungen des dreißigjährigen Krieges, die mich etwas verzweifeln lässt.

 

Eine bessere Internetdebatte

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Wenn wir Digitalisierung als Quasi-Naturgewalt betrachten, unsere Ängste, Vorurteile, Wünsche hineinmischen und daraus alles ableiten, kommen genau die Kreisdreh-Debatten, oberflächlichen Business-Analysen und Fehldiagnosen/-prognosen heraus, unter denen wir leiden. Ich habe bei @SZ geschrieben, warum das (speziell in Deutschland) ein Problem ist und wie es anders gehen könnte (nicht von der Online-Überschrift irritieren lassen). Es ist, kurz gesagt, ein Appell für mehr Mut zu Komplexität und weniger Ideologisierung. Wer sich sowieso mit dem Thema beschäftigt, kann ruhig erst in der zweiten Hälfte einsteigen.