Notizen zu Schulden, PayPal, vierter industrieller Revolution

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Debt
Mein Blog, mein Notizbuch (genauer: der Versuch, ein paar Gedanken hier unterzubringen):

  • Frage an mich selbst: Eher Mini-Ideen und Gedanken auskoppeln oder zusammenfassen? Pro Zusammenfassung: Muss nicht dauernd posten. Pro auskoppeln: Mehr Zeug, das in solchen untergeht. In der Mitte: Völlig egal, weil die Reichweite dieses Blogs ohnehin bescheiden ist.
  • Interessanter HN-Thread – dass PayPal eine Bürokratie ist, wusste ich, aber das Ausmaß an technischen Schulden klingt so gewaltig, dass es mittelfristig existenzgefährdend sein könnte (btw: technical debt einer der am stärksten unterschätzten Faktoren in der Tech-Berichterstattung, IMO)
  • In diesem Zusammenhang: Schulden als Begriff für „Unerledigtes, das dich verfolgen wird“ – bei Jessica Abel als “Idea debt”.
  • Das Lustige an diesem Stück zu Arbeitsbedingungen und Perspektiven des Journalismus: Ich kenne eine Menge altgedienter Journalisten, die völlig überrascht davon wären.
  • Frederik De Boer: Habe ihn erst vor kurzem entdeckt, aber er ist einer wichtigen Sache auf der Spur – der Politik der Assoziation (a.k.a: das Problem, dass Gruppenidentität sich zur einzigen Form der Politik entwickelt).
  • Nicole Dieker sehr schön über die “vierte industrielle Revolution (und die Gig-Economy)“. “Someday they’ll write books about us. They’ll put soft-focus images of young women on the cover, and girls will sit in classrooms and wish that they could have been part of all of this, the amazing Fourth Industrial Revolution where everything changed so quickly. Until then, get ready to hustle”
  • Zum x-ten Mal diesen Text über das Ende von Apps, wie wir sie kennen gelesen. Gutes Futter, ich mag auch die UX-Details.

Journalismus (2/16): Medium.com und Endpunkt-Medien

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Zing!

Wovon hängt der Erfolg von Medium ab? Meiner Meinung nach nur indirekt von Merkmalen wie “Qualität”, die im Journalismus-Diskurs häufig hervorgehoben werden.

Medium will sich offenbar durch Native Advertising finanzieren. Eigentlich denke ich, dass Medium von Anfang an als Exit-Play mit Twitter im Hinterkopf konzipiert war, aber lassen wir das mal beiseite.

Native Advertising funktioniert und skaliert am besten, wenn es im Stream auftaucht. Doch hat Medium einen Stream? Theoretisch ja, aber fast niemand bekommt ihn zu sehen: Medium ist ein Endpunkt-Medium. Es ist der Link, der auf anderen Netzwerken geteilt wird. Ja, es gibt ein Login und eine App, aber ich habe nicht den Eindruck, dass ein nennenswerter Teil der Nutzerschaft angesichts der vielen Content-Angebote ritualisiert darauf zugreift.

Die Wertschöpfung aber liegt am Eingangspunkt: Facebook, Google, Twitter etc. sind Eingangspunkte (Ben Thompson hat das in einem anderen Zusammenhang thematisiert). Diese Plattformen müssen sich über manche Dinge Sorgen machen, aber nicht um die Produktion von Content.

Die Medium-Strategie lautet: Möglichst viele Inhalte liefern, um zum Eingangspunkt für (gute) Texte im Netz zu werden, den Rest erledigen Netzwerk-Effekte. Der Angelhaken ist das gute CMS und die Distribution, die ich als Autor erreichen kann (verglichen mit selbstgehosteten Blogs). Als ein Eingangspunkt zu dem Text-Netzwerk des Internets wäre die Firma mit $400 Millionen sogar relativ niedrig bewertet.

Aber in einer Welt des “commoditized Content” sehe ich das nicht: Der Markt für Texte ist von der Inhalte-Seite nicht mehr zu packen. Die Bündelung, wie sie Netflix in Video vornimmt, funktioniert wegen der Nicht-Reproduzierbarkeit von komplexen Video-Inhalten und des Komforts (= 10$ sind verkraftbar verglichen mit der Perspektive, das alles zusammenzusuchen). Die Bündelung von nutzergeneriertem Content, wie Youtube sie vormacht, wurde auch nur durch die Möglichkeit der Pre-Roll-Ad vermarktbar. Das Pre-Roll über Text heißt Banner, und es lohnt sich immer weniger.

Ich habe schon einmal über Medium als Beispiel für Medienfirmen der neuen Art geschrieben. Jenseits dessen, dass User Generated Content als Plattform nötig ist, glaube ich inzwischen, dass nicht-redaktionellen Autoren und nicht-aktuellen Themen keine Nische, sondern ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal sind. Dahinter steckt natürlich keine Philosophie, sondern die Idee, Blogger.com in Zeiten der sozialen Netzwerke nochmals aufzusetzen. Und Traffic ist (noch) primär ein Mittel der Nutzerbindung, nicht der Vermarktung. Ich habe meine Zweifel, ob das alles aufgeht (siehe oben), aber es zeigt in eine spannende Richtung.

Wochenlinks (KW 5)

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In dieser Woche mit Erkenntnisgewinn und/oder Genuss gelesen und gehört:
Creative Machines, People and Organizations” (Accidentally in Code) #Infrastruktur
Why the New Urban Enthusiasm Is Destined to Fade” (Urbanophile) #OrtundSinn
Maximum Wage: Is technological progress dependent on extreme inequality?” (Steven Johnson via Medium) #TechAndersDenken
The Case for Precise Outrage” (Datasociety via Medium) #TechnologiekritikAberRichtig
The Evolution of Islamic Extremism” (New Yorker Podcast) #MitJihadisChatten
Online comments: Is the space below the line too toxic or can they be fixed?” (The Guardian) #GeglückteKommunikation
The End Of Tech Startups” (The Information, $) #Marktverhältnisse
How Sanders caught fire in Iowa and turned the Clinton coronation into a real race” (Washington Post) #USWahl
Could There Ever Be Another O.J. Simpson?” (New Yorker) #ObsessionenUndZeitgeist

Selbstgeschriebenes (Auswahl):

Amazon und “was ist ein Buchladen?”
Der neue, züchtige Playboy (Marke ohne Magazin?)
Postmaterialismus vs. Klassenkampf bei den Demokraten
O.J. Simpson und ich 1994/95 (Blog)
Kontrollverlust im Superorganismus Menschheit (Blog)