Serienrückblick: Westworld

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(Ohne Spoiler) Am Wochenende hat es hier karibisch geregnet, also ununterbrochen und schüttend. Eine gute Gelegenheit, die letzten Westworld-Folgen zu gucken. Ich war etwas überrascht, dass schon eine zweite Staffel geplant ist, weil die Serie etwas Endgültiges in ihrer Anlage hatte (oder ich mich vielleicht zu sehr an dem Crichton-Film orientiert hatte, den ich mal im Kontext von „Roboter-Bild der Siebziger“ zufällig auf Youtube durchscannend angeguckt hatte).

Ich bin nicht so euphorisch wie viele andere Zuschauer. Mir war es einfach zu brutal um der Effekte Willen, vielleicht stößt mir dieser Sadismus – nicht nur jener Figuren, sondern auch der Darstellung – auch wegen der ohnehin ausreichend brutalen Weltnachrichten und jener Entmenschlichung auf, die ich jeden Tag im Diskurs auf Social Media erlebe. Genau das aber natürlich macht Westworld auch zeitgeistig, genau wie die Frage, wie kaputt wir in unserem Amüsierverlangen sind. Aber die wird wahrscheinlich von den meisten nur im Kontext der Serienhandlung gestellt, die Inszenierung wird in der Regel nach rein ästhetischen Kriterien betrachtet. Für mich liegt dort der Unterschied zwischen Westworld und Serien wie die Sopranos.

Der ganze AI-Aspekt ist eher hinter dem “Erkenne dich selbst”-Narrativ verborgen, genau wie die Effekthascherei diverse Plot-Logikbrüche zu kaschieren scheint. Dadurch ist Westworld eine Serie für das Echtzeit-Zeitalter, immer irgendwo eine neue Plot-Wendung, eine neue Schießerei, ein neues Massaker. Sinn, der darüber hinausgeht, finden die Menschen-Figuren wie die Menschen-Zuschauer in der Auflösung des Labyrinth-Rätsels (“The Maze”). Aber dazu keine Spoiler von mir.

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Wochenenderzeugnisse

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Zwei kleine Links: Mein Stück über Trump in Mobile, Alabama – und ein paar Beobachtungen über seine Kompatibilität mit „Southern Values“ und unterschätzte Aspekte seiner Rhetorik. Zum vierten Mal Trump in diesem Jahr, es war mehr als genug. Und dann noch ein Stück über die beginnende Debatte der Demokraten über eine angemessene politische Reaktion auf die deutlich wahrgenommene Systemkrise.

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Wo ist die Brücke?

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Railroad bridge

taz-Autorin Ulrike Hermann, die zum Thema auch ein Buch geschrieben hat, zu fehlenden ökonomischen Übergangsszenarien:

„Es fehlt nicht an Konzepten, wie eine ökologische Kreislaufwirtschaft aussehen könnte, die den Kapitalismus überwinden soll. Stichworte lauten: erneuerbare Energien, Recycling, langlebige Waren, öffentlicher Verkehr, weniger Fleisch essen, biologische Landwirtschaft und regionale Produkte.Doch das zentrale Problem ist leider ungelöst: Es fehlt die Brücke, die vom Kapitalismus in diese neue ‚Postwachstumsökonomie‘ führen soll. Über den Prozess der Transformation wird kaum nachgedacht.“

Diese Diagnose, bei der es leider auch bleibt, liegt sehr im Zeitgeist: Wir ahnen, wie etwas besser gemacht werden könnte, aber wissen nicht, wie wir dorthin kommen. Ökonomische Systemereformen sind hier natürlich eine der komplexesten Formen, aber selbst wenn es darum geht, wie Menschen wieder stärker mit anderen Meinungen konfrontiert werden… Izabelle Kaminska in der FT:

In a highly atomised and compartmentalised culture, however — where even workplace gatherings don’t bring people together because everyone is being encouraged to “work for himself” in the gig economy or from home — there seem to be ever fewer occurrences where we, the public, have no choice but to interact with those who disagree with us. This in turn encourages the cultivation of safe spaces, which in turn twists our perception of reality into something it simply is not.

Wenn wir uns also auf Kritik an den Verhältnissen beschränken müssen, gleichzeitig keinen Austausch über unsere geschlossenen Gruppen hinweg haben – dann wird es mit der produktiven Veränderung der Dinge sehr schwer. Die politische Rechte kann damit theoretisch einfacher zurechtkommen, weil sie in vielen Punkten zurück zum Dagewesenen möchte. Aber es wäre zu einfach, regressive Mechaniken verantwortlich zu machen: Unter dem Strich nimmt für mich der progressive Teil der Gesellschaft den Veränderungsbedarf nicht ernst genug und wird so in vielen Belangen zum Bewahrer des Status Quo, der Stabilität verspricht. Diese Stabilität ist aber, so erleben wir immer wieder, eine Illusion.

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