in Notiz, Technologie

Sehnsucht nach dem chronologischen Internet

Bring back the Chronological Internet

Der chronologische Feed wurde vor noch gar nicht allzu langer Zeit beerdigt. Die Sehnsucht nach ihm fühlt sich jedoch an wie der Wunsch, Traditionsvereine würden wieder die Bundesliga prägen, die SPD wäre Kanzlerpartei oder Dieter Wedel solle nochmal einen ZDF-Weihnachtsmehrteiler produzieren.

Der chronologische Feed (bzw. der umgekehrt chronologische) kommt nicht zurück, weil er nicht auf Likes, Viralität und Verweildauer maximiert war. Meine Eindrücke: Instagram ist durch die Abschaffung mehr zu einem Fotoalbum geworden, Twitter zu einem Pointen- und Erregungs-Netzwerk. Facebook selbst erscheint mir ohnehin schon lange so wie das amerikanische Kabelfernsehen, nur mit Scrollen statt Zappen (oder inzwischen, so meine Erfahrung nach sechs Wochen Feed ohne Medieninhalte, wie ein harmloses, aber etwas fades Freundestreffen). Alle haben gemeinsam, dass sie aktive Nutzer unterm Strich nur brauchen, um die passive Verweildauer konstant zu halten.

Interessant wird, ob und wo diejenigen eine neue Heimat finden, die als aktive Nutzer durch das Algo-Raster fallen und keine Aufmerksamkeit erhalten, also zu unfreiwilligen passiven Konsumenten gemacht werden, obwohl sie neuen Ausdrucksformen gegenüber offen wären.

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Kommentar

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  1. Vielleicht ist er beerdigt worden, aber weg ist der Feed trotzdem nicht. Wer will, kommt mit dem RSS-Reader immer noch ganz gut durch, weil immer noch viele der Originalquellen ihn bedienen. Zwar werden Feeds nicht mehr überall so gut gepflegt wie früher, was ärgerlich ist, aber die meisten Blogs, Zeitungen und Podcasts haben noch einen. Und von denen kommt schließlich der meiste Content, der auf den algorithmisch verfahrenden Social Networks rumgereicht wird.

    Für den Rest werden übrigens auch die Reader innovativer. In Inoreader z.B. kann man auch Twitterfeeds und andere abonnieren.

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