A stack of chips

Im März wird die nächste International Technology Roadmap for Semiconductors veröffentlicht, es wird ein historischer Moment: die offizielle Verkündung des Endes von Moore’s Law (der Verdoppelung der Transistoren-Zahl auf Mikrochips im zweijährigen Rhythmus).
In Nature ist ein sehr, sehr guter Artikel darüber und über die Perspektiven für die Zeit danach erschienen. Mögliche Folgen (soweit ich sie verstehe als jemand, der nicht in der Halbleiter-Branche arbeitet):

  • Die Konstruktion von 3-D-Architekturen, in denen die Trennung von Speicherchips und Mikroprozessoren aufgehoben wird.
  • Das Ersetzen der Silizium-Basis durch ein neues, weniger Energie benötigendes Super-Material wie Graphem. Bislang allerdings nicht gefunden, sondern mit dem Platzhalter-Namen „Millivolt Switch“ benannt (Kontext-pdf)
  • Ein vollständiger Paradigmenwechsel zu Quanten- oder neuromorphischem Chipdesign.
  • Die weitere Spezialisierung des Chipdesigns auf die jeweiligen Einsatzfelder/Geräte/Sensoren (was die Margen der Hersteller senkt, aber u.a. durch Smartphones bereits begonnen hat)
  • Der Punkt, an dem die Stückkosten der nächsten Transistor-Generation wieder steigen und damit über der aktuellen Generation liegen (die Entwicklung lohnt sich dann ökonomisch nicht mehr, schon jetzt sind die Mindestkosten pro Transistor nicht mehr zu senken btw.). Hier wäre die Geschäftsgrundlage der Hersteller mittelfristig bedroht.
  • Als Bonus gibt es in der dazugehörigen HN-Diskussion noch eine Debatte über mögliche Kompensationsstrategien durch Software-Lösungen (bessere Compiler, Parallelisierung von Prozessen).

Bis wir das Ende von Moore’s Law bemerken, werden noch einige Jahre vergehen. Aber es könnte die spannendste und folgenreichste technologische Kursänderung der nächsten Jahrzehnte werden. (gefunden via Charles Arthur)