in Horizont, Technologie

Bitcoin-Euphorie, Blockchain-Hype: Was beides bedeutet

Foto Duncan Rawlinson, Flickr, CC by-nc

Für die Antwort hole ich mir Hilfe von Mark Blyth und Fred Wilson.
Mark Blyth ist ein politischer Ökonom der Brown University (und sollte längst so bekannt wie Paul Krugman sein, finde ich). Blyth über Bitcoin:

“Was Du hast, ist eine 400 Milliarden-Dollar Asset-Klasse. Die Investoren sind vor allem chinesische Spieler und Schmuggler und die Reichen, die in Unicorns aus dem Silicon Valley investiert haben und denen das zu langweilig wurde. Sie haben entschieden, ein Prestige-Asset zu kaufen. Je mehr von ihnen es kaufen, die Versorgung ist begrenzt, desto mehr geht der Kurs nach oben. Und es geht hoch und hoch und hoch und es ist super-volatil.
Ist es Geld? Wenn Du es jemandem erklären musst: ES IST KEIN GELD!
Ist es eine Wertaufbewahrung? Nein, es ist zu volatil.
Ist es ein Tauschmittel? Nein, weil alle es horten und auf die Wertsteigerung warten.
Ist es eine Verrechnungseinheit? Vielleicht, wenn Du gerne im Keller wohnst und immer Akte X liest. Aber normale Menschen nutzen Dollar.
Es ist also ein Haufen reicher Menschen, die Zeug kaufen und verkaufen. Mehr nicht. Was ist mit der Blockchain, der Technologie dahinter? Ich habe das seit zehn Jahren gehört und warte auf die Resultate und das wird auch 2018 so sein.”

Was also ist mit der Blockchain (hier meine Einführung von 2015, inzwischen gibt es viele Aktuellere)? Fred Wilson, VC bei Union Square Ventures (und als Investor in diverse Blockchain-Startups ein Optimist) in seinem Blog:

“2017 war das Jahr, in dem Crypto/Blockchain die Ekstase-Phase erreicht hat. Mehr als 3,7 Milliarden Dollar haben diverse Crypto-Teams und -Projekte eingesammelt, um die Infrastruktur des Internet 3.0 (das dezentralisierte Internet) zu bauen. (…) Nicht alles Geld wird gut eingesetzt werden, vielleicht sogar nur sehr wenig davon. Aber es ist wie beim Wahnsinn rund um das Internet 1.0 (Einwähl-Internet) in den späten Neunzigern, der das Kapital für die notwendige Breitband-Infrastruktur für das Internet 2.0 (Breitband/mobiles Internet) gesammelt hat – der Hype im Crypto-/Blockchain-Sektor sorgt für das Geld, um die Infrastruktur des dezentralen Internets aufzubauen. (…) Das ist die größte Story in Tech 2017, weil die Übergänge vom Internet 1.0 zum Internet 2.0 zum Internet 3.0 unglaubliche Möglichkeiten und Disruption auslösen.”

Beide drücken es perfekt aus. Mein Blockchain-Optimismus – also der über das Machbare, nicht den Hype – ist weiterhin groß, aber nicht unbegrenzt ist (vgl. mögliche nicht erkennbare Architektur-Fehler, Schwierigkeiten mit der Standardisierung, Plattform statt Protokoll). Ob wir aus der Technologie etwas anderes als die üblichen kapitalistischen Werk- und Spielzeuge machen, ist dagegen eine andere Frage.

Foto: Duncan Rawlinson, CC BY-NC 2.0

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Kommentar

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  1. Ich werte das mal als ein weiteres Zeichen meines Alterns, dass sich meine Optimismus, oder nur mein Interesse an beidem in sehr engen Grenzen hält.

  2. ich bin ein wenig verzweifelt weil ich die idee ‚blockchain‘ interessant finde, aber den zwingenden nutzen/vorteil beim besten willen nicht finden kann. gleichzeitig rasten alle um mich aus und fuchsen sich in die materie. dabei bin ich gar nicht mal so alt…pff.

  3. @Thomas: Ich glaube unabhängig vom ganzen „Geld ohne Zentralbank“-Zeugs ist die Idee eines Internets ohne Zwischenhändler (z.B. kein PayPal, das für meine Identität und Zahlungsfähigkeit bürgt) der spannendste Aspekt. Für mich natürlich, weil ich darin zumindest in der Theorie einen Rückgewinn der Handlungsfähigkeit und Kontrolle sehe, soweit das möglich ist. Und natürlich, für Startups und Investoren (Klischee olé), das Ersetzen einer alten Infrastruktur mit einer neuen.

  4. @joha
    das höre ich auch immer wieder; einleuchten will es mir nicht. die massen sind doch nicht in der lage bzw. nicht willens eine *-coin-wallet nach heutigem stand zu benutzen, oder einen node/server einzurichten, oder auszuwählen welcher coin gut passt, oder einen coin-zu-fiat/coin-zu-coin-wechsler zu kontaktieren. da wird es dienstleister geben, die das übernehmen. womit irgendwie der status quo kopiert wird. der tief schöpfende techno-optimismus, dass die cleveren entwickler das schon lösen werden, geht mir dabei ab.
    und was ich besonders gefährlich finde. blockchain wird gerne in die ecke ‚mehr demokratie‘ gerückt weil es dezentral ist. allerdings sehe ich nur ein verrücken des institutionalisierten machtvorsprungs in einen bildungsorientierten machtvorsprung (der sich wieder institutionalisieren wird). ganz ohne kontrolle und aufsicht könnte es gut ein survival of the fittest werden.

  5. Das Unbehagen im letzten Absatz teile ich, aber eher im Sinne von ökonomischem Machtvorsprung.