Und GOP sprach…

„Möget Ihr das Land der Freien, die Heimat der niedrigen Steuern und geladenen Waffen, den gesegneten Boden der Fracking-Brunnen und die XXL-Pickup-Trucks unserer bei Vollgas SMS schreibenden Autofahrer (Freiheit!) vor den Plagen des Sozialismus bewahren, den die Demokraten mit ihrer teuflischen Idee von einer allgemeinen Krankenversicherung über uns bringen werden. Oder kürzer: Beto, because Socialism sux.“

(Hintergrund)
Who is GOP?

Texas Tragedy Tours

Ein paar Fotos von einem Roadtrip Richtung Norden.

Dealey Plaza, Dallas

Die Tragödie der Ermordnung John F. Kennedys ist nicht nur die eines nationalen Traumas, sondern auch die möglicher alternativer Geschichtsverläufe: kein Vietnam, ein anderer kalter Krieg, eine versöhnlichere Zukunft. Vielleicht. Der Schmerz hängt auch damit zusammen, dass ein derart unbedeutender Typ wie Lee Harvey Oswaldden US-Präsidenten umbringen kann (Disclosure: ich halte die Einzeltäter-Theorie als Erklärung für den Tatverlauf für ziemlich schlüssig). Hätte der Secret Service wie zu anderen Gelegenheiten Schützen auf den Dächern postiert, wäre der Baum (im ersten Bild rechts unten) so groß wie heute gewesen oder damals schon die Beschilderung über der Straße existiert… wie gesagt, die Kennedy-Ermordung ist eben auch jenseits der Tat-Theorien eine Einladung, über den Konjunktiv nachzudenken (Das erste Foto ist ein Stockwerk über dem Buchlager-Eckfenster, von dem geschossen wurde, aufgenommen. Die beiden Kreuze auf der Straße zeigen die Position der Limousine, als die Schüsse fielen).

Dealey Plaza Dallas John F. Kennedy Schulbuchlager

Mt. Carmel Center, Waco

Wenn die Kennedy-Ermordung 1963 den US-Amerikanern Misstrauen gegen den Staat und seine Sicherheitsorgane lehrte, dienten einigen von ihnen die Geschehnisse von Waco dreißig Jahre später als Beweis für die Feindseligkeit des Staates. Nach einem Schusswechsel mit mehreren toten Agenten belagerte das FBI wochenlang das Gelände der christlichen Davidianer-Sekte und stürmte es am Ende mit Panzern und Tränengas. Ein ausbrechendes Feuer tötete 74 Menschen, darunter den Sektenführer David Koresh. Der Neonazi Timothy McVeigh führte als direkte Reaktion 1995 den Bombenanschlag von Oklahoma City aus (168 Tote, mehr als 900 Verletzte).

Morgen, am 19. April 2018, ist der 25. Jahrestag. Was genau in Waco passiert ist, bleibt trotz der quasi-öffentlichen Verhandlungen unklar. Letztlich lässt sich fehlende interkulturelle Kommunikation als eine Ursache für die Tragödie ausmachen: Das FBI kommunizierte mit dem (mehrere Mädchen zwischen 10 und 16 missbrauchende) Koresh und seinen Leuten lange wie mit einem Geiselnehmer, ohne sich in das Wertesystem der Fundamentalisten hineinzuversetzen, um eine Lösung zu finden. Der Gebäudekomplex ist total abgebrannt, vor einigen Jahren wurde eine Kapelle errichtet, die aber nicht mehr benutzt wird. Konservative und Interessierte können sich dort von freundlichen Menschen erklären lassen, wie niederträchtig der Staat ist (nur echt mit „Hillary for Prison 2016“-Banner im Kapellen-Innenraum). Gedenksteine erinnern an die Toten, aber auch an die Opfer von Oklahoma.

Waco Branch Davidianer Gedenkort Texas

George W. Bush Library, Dallas

Beim Besuch der George W. Bush Library ist mir wieder eingefallen, was für schlimme Jahre das waren. Die Tragödie der US-Amerikaner ist, einen als Cowboy verkleideten Dynastie-Sprössling gewählt zu haben, zu dessen größter Leistung das Management eines Baseball-Clubs und die Führung eines Bundesstaats waren, der sich durch die Einnahmen aus Ölbohrungs-Rechten sorgenfrei um die Verteilung von Geld und Ideologie kümmern kann. Unser aller Tragödie ist, dass „Dubya“ eben nicht Präsident irgendeines Landes war und die Irak-Invasion nicht nur das eigene Imperium beschädigt hat, sondern auch im Nahen Osten und damit der direkten europäische Nachbarschaft eine moderne Version des 30-jährigen Krieg ausgelöst hat.

George W. Bush Presidential Library Dallas

Southfork Ranch, Parker

Okay, ich gebe zu, dass die Ranch aus der TV-Serie Dallas nicht unbedingt ein Ort der Tragödie ist. Abgesehen vielleicht davon, dass dort einige fiese Intrigen gesponnen wurden und J.R. Ewing – wie alle Familienmitglieder-Figuren, deren Darsteller gestorben sind- ein Grab auf dem Grundstück der Ranch bekommen hat. Inschrift: „The Only Deal He Ever Lost.“ Vielleicht passt die Ranch aber doch zum Tragödien-Motto, denn Dallas stand ja wie wenige andere Serie für das Abfeiern von Materialismus, Reichtum und Gier, dem „American Way of Life“ der Reagan-Ära also, der sich ziemlich gut exportieren ließ. Passenderweise hat der ehemalige Eigentümer der Ranch das Anwesen einst beim Poker verspielt, der aktuelle Besitzer versucht die Ranch mit Führungen, Fan-Treffen oder Events in der Scheune so gut es geht zu Geld zu machen. Den Besuch kann man sich leider sparen.

Dallas Southfork Ranch Texas Führung Grab J.R. Ewing