„Halbzeitwahlen“

The Midterm Elections Are A Referendum On Donald Trump

„Die Zwischenwahlen finden in einer Atmosphäre immensen nationalen Drucks statt. Wie könnte es anders sein, wenn der wichtigste Charakter in diesem Drama Donald Trump ist, der mit der Idee Erfolg hat, dass das amerikanische Leben ein täglicher Cliffhanger ist, in dem der Held tapfer ins Feld zieht, um den Graben zwischen seinen Anhängern und allen anderen zu vertiefen, um internationale Verträge und Bündnisse einzureißen, und um die Unternehmensinteressen vor den Interessen von Arbeitnehmern und der Natur zu schützen. Es gibt ohne Frage zahlreiche lokale und regionale Themen, die diskutiert werden – aber unter dem Strich ist diese Wahl ein Referendum über Trump: Ein Wettbewerb zwischen seiner Basis und jenen die fühlen, dass es im nationalen Interesse wäre, zumindest ein paar Bremsmechanismen einzubauen – eine neue Mehrheit im Repräsentantenhaus, eine neue Gruppe von Gouverneuren und Abgeordneten in Bundesstaaten – um Trumps Zerstörung des amerikanischen Zivillebens und seine Entkernung des nationalen Wesens etwas zu verlangsamen. Vor zwei Jahren bedeutete die Aussicht auf eine Trump-Präsidentschaft einen Notfall. Zehn Millionen Wähler fanden einen Vorwand, um zuhause zu bleiben. In diesem Jahr sind die Umfragen knapp. Es kann nicht stark genug betont werden, was auf dem Spiel steht.“

Zwei ausgewählte Texte zu den Midterms von mir: Für @SZ habe ich mir Gedanken über die „amerikanische Frage“ gemacht, in Internationale Politik die Medienentwicklung unter Trump betrachtet (€).

Und GOP sprach…

„Möget Ihr das Land der Freien, die Heimat der niedrigen Steuern und geladenen Waffen, den gesegneten Boden der Fracking-Brunnen und die XXL-Pickup-Trucks unserer bei Vollgas SMS schreibenden Autofahrer (Freiheit!) vor den Plagen des Sozialismus bewahren, den die Demokraten mit ihrer teuflischen Idee von einer allgemeinen Krankenversicherung über uns bringen werden. Oder kürzer: Beto, because Socialism sux.“

(Hintergrund)
Who is GOP?

Gewöhnungseffekte

How The War Against The Press Went From Bias To Enemy of The People

Charlie Warzel:

„Die Gewöhnung an die medienfeindliche Rhetorik hat zu einem Anstieg der Belästigungen von Journalisten geführt, sowohl online als auch offline, darunter auch unverhohlene Drohungen. Im Frühsommer, kurz vor einem in anderem Zusammenhang stehenden Schusswaffen-Angriff auf eine Redaktion in Annapolis, Maryland, antwortete der professionelle Troll und gefeuerte Breitbart-Redakteur Milo Yiannopoulos auf mehrere Stellungnahme-Anfragen von Journalisten mit dem Statement: ‚Ich kann es kaum erwarten, dass Bürgerwehr-Truppen anfangen, Journalisten schon beim ersten Sichtkontakt abzuknallen.“

Nach dem Annapolis-Vorfall erzählte Yiannopoulos Reportern, dass der Kommentar nur ‚Trollerei‘ gewesen sei. Andere finden die Sprache dezidiert weniger ironisch. Im August wurde ein Kalifornier verhaftet, nachdem er 14 Drohanrufe beim Boston Globe abgesetzt und mit einem Massaker gedroht hatte und sich dabei bei Trumps Aussage bediente, dass Journalisten die ‚Feinde des Volkes‘ seien. Außerhalb des Gerichtsgebäudes gab er während seiner Anhörung ein Statement ab: ‚Amerika wurde gerettet, als Donald J. Trump zum Präsidenten gewählt wurde.‘ Milo seinerseits wiederholte sein Verhalten diese Woche: ‚Kriege jetzt erst die Nachrichten über die Rohrbomben mit‘, schrieb Yiannopoulos in einem Instagram-Posting am Donnerstag. ‚Widerlich und traurig (dass sie nicht hochgingen und dass Daily Beast keine bekommen hat).‘ (…)

Der Wandel der Vorstellung von einer einseitigen Medienlandschaft zu Medien, die eine Gefahr sind, kommt nicht aus einer Quelle oder gar von direkten Aufrufen. Er kommt von einem politischen Ethos, der Kritik, Faktenprüfung und Entlarvungen mit Feindlichkeit gleichsetzt. Er ist auch das Produkt ständiger Wiederholung; eine Botschaft, die – immer und immer wieder wiederholt – eine neue Bedeutung und Dringlichkeit entwickelt. Langsam ändert das die Wahrnehmung und die Normen, senkt das soziale Stigma, ‚Lügenpresse‘ zu rufen oder ironisch zur Erschießung von Journalisten aufzurufen. Die lautesten Stimmen mögen nicht tieferliegende bösartige Beweggründe haben, was aber nichts daran ändert, dass diese Sprache diejenigen ermutigt, die die schlimmsten Absichten haben.“

Kaltfront

20 Grad weniger innerhalb der nächsten 18 Stunden. Das Wetter in Central Texas ist für mich weiterhin eine Obsession, langsam verstehe ich ungefähr, warum die Temperaturen sich so schnell ändern (Luft vom Golf vs. Luft aus Kanada und das ungebremst, da die Gebirge dazwischen von Norden nach Süden verlaufen). Im Winter verstärkt sich das Phänomen und ist als „Texas Norther“ oder auch „Blue Norther“ bekannt, wenn unter dunkelblauem Himmel die Temperatur wie ein Stein in Richtung Gefrierpunkt fällt, um teilweise 14 Grad pro Stunde.

Am 11.11.1911 traf der Great Blue Norther auf den Mittleren Westen und den Norden von Texas, in Springfield (Missouri) wurden am Nachmittag noch 27 Grad Celsius gemessen, um Mitternacht waren es minus 11 Grad. Der Temperatursturz löste als Nebenwirkung auch einige Tornados aus.

Spiral Jetty

Spiral Jetty Robert Smithson

Im Rückspiegel verschwindet die Golden Spike, jener Ort, an dem 1869 die Eisenbahnen aus Osten und Westen erstmals verbunden wurden – ein Moment, der jetzt mehrmals täglich für Touristen nachgestellt wird. Bald schon lassen wir Rattern und Dampf der Loks hinter uns, vor uns nur noch trockene Felsen und eine Menge Staub. Hinter einer Kurve steigt ebenfalls Rauch auf, wenn auch in unregelmäßige Intervallen. Kein Feuer wie sich herausstellt, sondern zwei junge Typen, die mit ihrer AR-15 in die öde Landschaft ballern. Was man so macht an einem heißen Samstagmorgen in Utah.

Der Weg zur Spiral Jetty führt in gewisser Weise über meine Vorstellungskraft hinaus. Vor etlichen Jahren – ich weiß nicht mehr, ob ich Teenager oder schon Student war – hatte ich Fotos von ihr in einem Kunstbuch gesehen. Es muss sich um eine Aufnahme aus der Video-Dokumentation gehandelt haben, denn Schöpfer Robert Smithson ist in meiner Erinnerung von oben zu sehen und springt mit fettem Grinsen auf den Steinen herum. Die Idee, aus Basalt eine geometrische Form irgendwo in einem gottverlassenen See aufzuschütten, sprengte mein Kunstverständnis. Land Art. Alleine der Name klang nach Größenwahn. Und wo sollte ich dieses “Land” verorten, das da zu sehen war? Hätte Smithson sein Werk auf dem Mars platziert, es hätte mir nicht weiter entfernt vorkommen können.

Der Weg zur Spiral Jetty führt zum Großen Salzsee, vor allem aber – wie fast alle Wege in Utah – weg von der Zivilisation. Und auf einen Privatpfad, für den das Auto nicht gemacht ist. Was allerdings an Google Maps liegt. Kein Bewohner des amerikanischen Westens vertraut auf Online-Karten. Wege werden je nach Jahreszeit zu Schlammfallen oder Flüssen, Abkürzungen führen ins Nichts und haben schon manchen desorientierten Autofahrer in der Wüste das Leben gekostet. In unserem Fall kostet der Umweg nur Nerven. Dornbüsche bohren sich in den Lack der Seitentüren und machen fiese Kratzgeräusche. Ein gewagtes Wendemanöver später sind wir zurück auf der Hauptstraße, zwei Tierkadaver und einige Meilen weiter am Rand des Salzsees angelangt.

Als Smithson 1970 die Spirale aufschüttete, war es radikaler Protest (finanziert von einer Milliarden-Erbin freilich). Gegen die drückende Enge des Ateliers, das Museale der bildenden Kunst und den Massenkonsum der Pop Art. Land Art gehört niemandem und damit allen, keiner kann mit ihr Handel treiben. “Die Spirale ist ein spiritualisierter Kreis”, heißt es in Nabokovs Autobiografie. In Smithsons Fall ist sie eine Form, die in geologischen und klimatischen Prozesse der Jahrtausende lebt. “Eine blanke Präsenz, gleichgültig gegenüber dem Wasser, dem sie ausgesetzt ist“, wie einmal die New York Times schrieb. 1970 war auch der erste Earth Day.

Gut zwei Jahrzehnte war die Spirale unter der Wasseroberfläche des Sees verschwunden. Seitdem der Westen 2010 in eine “Mega-Trockenheit” eintrat, ist wiederum das Wasser verschwunden. Steine inmitten von Salzkristallen. Wir müssen nicht auf dem Basalt balancieren, um zum Ende der Spirale zu gelangen, der Weg ist ein Spaziergang am Salzstrand. In der Ferne, sicherlich anderthalb, zwei Kilometer weg, leuchtet rötlich der ständig schrumpfende See. Am Horizont flirrend die Berge. Eine Mondlandschaft mit biblischer Note, passend zu den klimatischen Endzeiten, in denen wir uns bewegen. Moses spaltete das Rote Meer. Aber was, wenn das Meer nicht zurückkehrt?

Smithsons Kinderarzt und Bekannter war, wie der New Yorker einmal notiert hat, der Poet William Carlos Williams. “Keine Ideen, sondern in Dingen” (Paterson). Während wir uns auf den Rückweg machen, verfolgt von Tausenden Fliegen, die sich im Herbst rasend an das Leben klammern, geht mir dieser Satz aus der New York Times nicht mehr aus dem Kopf, den ich am Vorabend gelesen hatte. Nachdem Smithson 1973 in einem Flugzeug tödlich verunglückt war, als er gerade ein neues Land-Objekt im Norden von Texas suchte, würdigte Peter Schjeldahl dessen Arbeit mit einem monumentalen Satz: “Er schuf Fantasien, so echt wie Berge.”

Beide Fotos CC BY-SA, Johannes Kuhn.

Vom Bürgerkrieg

On Civil War
Der von mir häufiger zitierte Adam Kotsko in seinem Blog:

„Seit Reagan haben die Republikaner jeden Bereich der Regierung, den sie jemals kontrolliert haben, als ihr Erbrecht betrachtet. Clinton und Obama waren in ihren Augen unrechtmäßig, weil den Republikanern die Präsidentschaft gehört. Dasselbe gilt, sogar stärker, für den Supreme Court. (…) Du kannst keine auf Parteien aufbauende repräsentative Demokratie haben, wenn eine der Parteien die Legitimität der anderen Partei nicht anerkennt. Die Voraussetzung ist, dass die Macht wechselt und jede Partei das Recht hat, ihre Agenda umzusetzen, während sie die Macht hat. Republikaner lehnen diesen Grundsatz ab. Für sie ist jeder demokratische Präsident, jede demokratische Kongressmehrheit eine absolute Notsituation. Nur noch wenige Republikaner sind bereit für den traditionellen politischen Kuhhandel, wenn ihre Partei in der Minderheit ist, während viele Demokraten dazu bereit sind. (…)

Wir sind an einem Punkt, an dem die Demokraten – indem sie bei dem System, wie es ist, mitspielen – objektiv gesehen existieren, um den Republikanern prozedurale Deckung zu geben. Und mir ist nicht klar, wie man aus diesem Muster ausbrechen kann, denn der öffentliche Diskurs ist derart systematisch korrupt und falsch. Die Wähler der Republikaner sind derart gehirngewaschen mit der Vorstellung, die Demokraten kontrollierten heimlich alles, dass sie unter dem Strich immun gegen die Idee sind, dass die Republikaner das System manipulieren. Sogar wenn es den Demokraten gelänge, ihrer eigenen Basis klarzumachen, dass die Republikaner illegitim sind, hätten sie keine Möglichkeit, institutionelle Macht auszuüben – und würden damit nur weitere Rechtfertigungen für die republikanische Gewohnheit (die unter Trump verstärkt wurde) bieten, nur für die eigene ‚Basis‘ zu regieren und die Oppositionspartei und öffentliche Meinung zu verachten.

Ich halte wie viele andere den Vorschlag für reizvoll, die Republikaner zu delegitimieren und mit ihnen das gesamte konstitutionelle System. Aber ohne plausible Alternative mit der Inanspruchnahme, den Willen des Volkes durchzusetzen, führt die Deligitimierung des Systems zu einer Situation, in der Gewalt entscheidet – und ich glaube wir wissen alle, wer gewinnen würde, wenn es hart auf hart kommt. Aber es gibt sicherlich einen Punkt, an dem der Versuch einen Bürgerkrieg zu vermeiden, bedeutet, schon vorher den Sieg abzugeben. Vielleicht kommt es gerade schon hart auf hart – aber in diesem Fall ist unklar, wie es weitergehen soll. Ein Wahlsieg ist eine Option, aber die Republikaner haben ihre Basis bereits darauf vorbereitet, die Gültigkeit von Wahlergebnissen abzulehnen.“

Decisive Political Victory is the Only Way to End This Cold Civil War

Leserkommentar im Trumpismus-Überbau-Blog „American Greatness“:

„Wenn die Konservativen gewinnen, werden Schwule weiterhin heiraten dürfen, aber müssen vielleicht über die Straße zu einem säkularen Bäcker, um ihre Hochzeitstorte zu bekommen. Abtreibung wird immer noch legal sein, aber eine Frau muss in einen abtreibungsfreundlichen Bundesstaat reisen, um sie durchzuführen. Und die Antifa kann immer noch protestieren, aber wird das gewaltlos tun müssen oder ins Gefängnis wandern. Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre das Ende der Zuschüsse für NPR (ich hoffe fieberhaft darauf).

Wenn die politische Linke gewinnt…nun, die Erwartung wird sein, dass wir uns ihrem Willen beugen oder die Konsequenzen tragen. Verliere deinen Job, deine Schusswaffen, deine Redefreiheit und dein Recht auf Gottesdienst, verliere alles, was dir wichtig ist. Und wenn du einer linken Regierung immer noch #Widerstand leistest, wirst du dein Leben verlieren, wenn sie den Mob schicken, um dich anzuzünden.

So sieht die Sache unverhohlen aus, Leute.“

 

McKinley und der erste Wahlwerbespot der Geschichte

Ich arbeite gerade an einem Magazin-Stück über den gegenwärtigen US-Präsidenten und die vernetzte Medienlandschaft. Dabei bin ich auf dieses Video des 25. US-Präsidenten gestoßen: William McKinley spielt hier 1896 nach, wie er von seinem Sekretär die Nachricht erhält, dass ihn die Republikaner als Kandidaten nominiert haben (in Wahrheit war das bereits Monate vorher passiert). Der Stummfilm wurde mit 15 anderen im ganzen Land gezeigt, um den Menschen die neue Technologie vorzustellen. Als McKinley den Brief mit der Nachricht geöffnet hat, nimmt er den Hut ab und wischt sich die Stirn. Das alles ist verständlicherweise überhaupt nicht natürlich, aus den Augenwinkeln guckt er immer wieder in die Kamera. Aber es lässt sich wohl behaupten, dass es sich hierbei um den ersten Wahlkampf-Spot der Geschichte handelt.

Amerikas Adorno

Kein amerikanischer Denker ist mir in den vergangenen Jahren näher gekommen als Christopher Lasch (1932-1994). Vielleicht, weil sein kritischer Blick auf das Verhältnis von Moderne und Demokratie und der westlichen Conditio Humana noch heute der Realität standhält. Oder weil er in der Tradition des Populismus aus dem Mittleren Westen sowohl Konservative, als auch Progressive heftig kritisierte (und die daraus folgende Isolation in Kauf nahm).

Die völlige Ausrichtung des Menschen auf die Produktions- und Konsumgesellschaft hat er detailliert beschrieben, unseren Fortschrittsglauben als den naiven Wunsch nach Veränderung durch Vorbestimmung entlarvt. Und wenn er an die Kraft des Wissens glaubte, so erkannte er doch den Wesenswandel: aus dem Werkzeug zur Emanzipation wurde vor allem ein Werkzeug zur Beherrschung.

Um aus seinem Hauptwerk “The True and Only Heaven: Progress and Its Critics” (1991) zu zitieren:

“Der Glaube an den ‘Fortschritt’ entspringt keiner uramerikanischen Weltsicht, sondern ist schlicht Jahrzehnten von niemals endenden Verbesserungen in der ‘Lebensqualität’ geschuldet. Diese Verbesserungen sind zwar nur materiell, aber sie wurden erfolgreich erkauft. Der Triumph des industriellen Kapitalismus ist nicht der Sieg eines Ideals, sondern einer Verführung. Wir funktionieren für die Wirtschaft, schamlos zufrieden, entwürdigend schwach, auf den Fortschritt vertrauend und gleichzeitig verloren in der Nostalgie; die Welt verbrennend, um den prekären Status des Gewärmtseins beizubehalten.”

Auch wenn Lasch als Kulturkritiker bekannt wurde, ist seine Haltung nicht unidealistisch. Er lehnt aber moralische und technologische Hybris genauso ab wie den unhinterfragten und oft vorgeschobenen Traditionalismus der Konservativen. Ein Wunder, schreibt er, sei “die Bejahung des Lebens in den Zähnen seiner Grenzen.” Hoffnung bedeute, ein tiefsitzendes Vertrauen in das Leben zu haben, ohne dessen tragischen Charakter zu leugnen. Ein couragiertes Ja zur “Natur der Dinge”, auch während des größten Verlusts und des schlimmsten Herzschmerzes. Und Gerechtigkeit leitet sich schließlich aus der Überzeugung ab, dass die Bösen leiden, die Ungerechtigkeiten berichtigt werden – und dass die unter allem liegende Ordnung der Dinge nicht straflos verspottet werden kann.

Wenn ich Lasch “Amerikas Adorno” nenne, stimmt das nur teilweise. Es passt eher die Parallele zu Horkheimer, der gegen Ende seines Lebens kritisiert wurde, weil er die Modernisierung unseres Familienbilds als Zeichen des kapitalistischen Triumphs deutete, der Marktbarmachung aller menschlichen Institutionen. Solche Konflikte hatte Lasch, der ein ähnliches Familienkonzept vertrat.

Die antimodernen Züge seines Werks sind andere als die der Kritischen Theorie; ähnlich wie diese ist aber auch Laschs Lösung nur eine Denkskizze – ein verantwortungsbewusster Mensch, der sich Gier und übermäßigem Selbstbezug verweigert und nach den ausgearbeiteten und überlieferten Idealen der gemeinschaftlichen Praxis handelt (siehe: populistische Tradition des Mittleren Westens). Und als Fundament könnte ein Satz von Walter Benjamin dienen: “Nur um der Hoffnungslosen willen ist uns die Hoffnung gegeben.”

2x Blick nach vorn

Der kommende Grenzkonflikt
Kampf gegen Arme statt Kampf gegen Armut

Zwei Stücke von mir aus den vergangenen Tagen, die einen Blick voraus werfen: Einmal auf die Zukunft der amerikanisch-mexikanische Grenze (Antwort: es ist kompliziert) im Kontext von Klimawandel und Militarisierung. Und auf die Demontage des verbliebenen amerikanischen Sozialstaats, die in den kommenden Jahren wieder ein konservatives Kernprojekt sein wird, mit wachsenden Erfolgsaussichten.