in Horizont, Welt

Einsamkeit und Totalitarismus

Does Loneliness Give Rise to Totalitarianism?

„Die totalitäre Geisteshaltung, wie Hannah Arendt sie beschreibt, entwickelt sich aus der Einsamkeit, die Menschen dazu bringt, in linearer Weise zu denken und sich vorwiegend mit Katastrophismus zu beschäftigen. Dieser Katastrophismus, verschlimmert von den rasenden Gedanken der Isolation, führt ihnen immer den schlimmstmöglichen Ausgang vor ihr gestörtes, ideologisch beeinflusste geistigen Auge.

Totalitarismus ist deshalb ein ’selbstmörderisches Entkommen aus dieser Realität‘, bei dem Männer und Frauen gemeinsam im Gleichschritt marschieren, die Parolen des Regimes rufend, dessen Herrschaft sie mit ihrer Komplizenschaft ermöglicht haben. Sie opfern die furchtbare und furchterregende Leere der Einsamkeit, die eine atomisierte Individualität mit sich bringt, zugunsten der Gruppe – einem Superorganismus, der endlich ihrem Leben jene Bedeutung gibt, die sie so verzweifelt gesucht haben, die das bodenlose Loch der Leere zu stopfen scheint, das sich anfühlte, als würde es den Kern ihrer Existenz verschlingen.“

Siehe auch:
Einsamkeit: „Einige von uns haben niemanden von euch“
Das Problem ist nicht da draußen
Gewöhnungseffekte
Es wird keine Rückkehr zur Normalität geben (2016)

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Kommentar

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  1. dem mag ich hinzufügen, dass arendt einsamkeit nicht nur als trennung von anderen menschen thematisierte sondern weiter ging. nach ihr schafft der totalitarismus auch eine innere einsamkeit, die es unmöglich macht zwiesprache mit dem selbst zu halten. erst wenn die menschen derartig „bearbeitet“ sind, dass innere monologe oder streitgespräche unmöglich werden, sind sie wirklich „gebrochen“ und bereit als pure werkzeuge zu agieren. das meinte sie vermutlich auch mit der banalität des bösen…

    da die beschriebene techno-soziale realität nun auch nicht gerade die innere welt erblühen lässt, macht diese spitzfindigkeit nicht zwingend optimistischer.