in Denken, Notiz

Toleranz, technische

 Matters of Tolerance

James Gleick über das Buch „The Perfectionists: How Precision Engineers Created the Modern World“ von Simon Winchester:

„Welche der Wissenschaften ist die präziseste? Biologie ist chaotisch, eine Wissenschaft von Abweichungen von Variationen, von Kreaturen in allen Formen und Größen. ‚Astronomische Präzision‘ ist ein Oxymoron, Astronomie ist voller aufeinander gestapelter Annäherungen und Vermutungen – obwohl die Instrumente der Astronomie Werkzeuge wachsender und zuletzt verblüffender Präzision sind. Winchester untersucht aber nicht die Welt der Abstraktionen, sondern die echte Welt, in der Menschen Dinge herstellen. Sein Vater war Feinmechaniker, der Metall in die perfekteste Maschinerie verwandelte, die möglich ist. Holz ist nett, aber ungenau. Die Geschichte der Präzision beginnt mit Metall. (…)

James Watts Ruhm überschattet den von Iron-Mad Wilkinson [Erfinder der Präzisionsbohrmaschine zum Ausbohren von Kanonenrohren], doch es ist Wilkinsons Präzision, die es Watts Dampfmaschine ermöglichte, Pumpen und Mühlen und Fabriken in ganz England anzutreiben und die Industrielle Revolution zu entfachen. So sehr wie die Maschinen selbst ist die Entdeckung der Toleranz entscheidend für diese Geschichte. Die Toleranz ist in diesem Fall der Spielraum zwischen Zylinder und Kolben. Es ist eine Vorgabe, auf die sich ein Ingenieur (und ein Kunde) verlassen kann. Es ist das grundlegende Konzept für die Welt wachsender Präzision. Wenn Maschinenteile mit einer Toleranz von zweieinhalb Millimeter hergestellt werden konnten, würden bald feinere Toleranzen möglich: Zweieinhalb Mikrometer, zweieinhalb Nanometer, und weniger.“

Ich bin immer wieder fasziniert davon, auf welch vielfältige Art sich die Geschichte der technischen Entwicklung und unserer Zivilisation erzählen lässt.

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