Sprachspiele

  • <span class='p-author h-card'>joha</span> 
MONTAGSBLOCK /77

„Die Framing-Sache kommt deshalb mit so großer Autorität daher, weil sie ihre Thesen mit einem Schuss Determinismus ausstattet. Die eigene Unfähigkeit, inhaltliche Herausforderungen gegen die ‚Rechten‘ und die ‚Populisten‘ zu bestehen und dräuende Gefahren im Hinblick auf alle möglichen kolonialisierten Gehirne abzuwehren, wird dankbar dadurch unsichtbar gemacht, dass man das Problem naturalisiert und formalisiert. Die Gehirne wurden falsch programmiert. Nun müssen sie umprogrammiert werden. So eine Art Update oder Softwarewechsel. Man müsse sich nur wehren, weil die Rechten uns programmieren. Seit heute wird zurückprogrammiert!“

Armin Nassehi merkt an, wie eindimensional das Framing-Konzept Ursache und Wirkungen oft darstellt (aber wer möchte Berater schon für Eindimensionalität kritisieren…) – und nach welchen erwartbaren Mustern die Debatte über bekanntes „Framing-Manual“ verläuft. „Wer instrumentalisiert hier was und mit welchem Trick?“ ist ja inzwischen die Standardfrage, wenn es um die Interpretation der Interpretation des Weltgeschehens geht, die ja mit Hilfe von Sprache stattfindet. Aber natürlich erscheint es derzeit wirklich so, als könne das Overton-Fenster ganz leicht verschoben werden, wenn nur genügend Menschen anpacken – siehe Social Media (man müsste sich mal angucken, wie viel von dieser Verschiebung wirklich einen nennenswerten Effekt auf all jene hat, die kein Lager in diesen Konflikten gewählt haben).

Aus dieser Gemengelage entsteht dann der Bedarf nach Sprachkritik und deren monetarisierbarem Anhängsel, der Sprachberatung. Was dann den Eindruck erweckt, alles sei nur ein Sprachspiel. Wem das dann wiederum hilft, darf jedes der Lager selbst entscheiden – einer vernünftigen Sachdebatte hilft es vermutlich nicht (jaja, ich weiß, ein einfacher Pointen-Ausweg, aber ich mache jetzt weder den systemischen Analytiker, noch ein Rundfunkreform-Debattenfass auf).

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