in Horizont, Leben, USA

Goodbye San Francisco, hello New Orleans!

Dancing musician on Jackson Square

Wir haben uns daran gewöhnt, dass in dieser Stadt ständig irgendwo ein Umzugswagen steht. Es ist ein Kommen und Gehen; meist gehen diejenigen, die schon lange da sind und es sich nicht mehr leisten können.

Vor ein paar Tagen haben die Möbelpacker auch an unserer Tür geklingelt. Wir haben gerne in der Bay Area gelebt, aber nach fast zwei Jahren sind wir auch etwas müde von Filterblase, bizarr hohen Lebenshaltungskosten, einer wachsenden Monokultur. San Francisco ist eine Stadt, doch immer häufiger fühlt es sich an, als wäre die City by the Bay nur noch ein Betriebssystem für junge Tech-Mitarbeiter.

2016 wird sich mein Schwerpunkt etwas verschieben, das Wahljahr ist ein guter Moment, um noch einmal einen neuen Teil der USA genau kennenzulernen. Einen, der außerhalb der blauen Streifen an West- und Ostküste liegt. New Orleans ist sehr amerikanisch, und doch völlig anders. Die „nördlichste Stadt der Karibik“, in der im Terminplan immer Platz für das Ungeplante sein sollte. Ein Ort voller Kultur und kultureller Eigenheiten, die den Bewohnern stets eine Ablenkung wert sind.

In der Bay Area leben die Menschen in der Zukunft, in New Orleans zelebrieren sie die Gegenwart – auch, weil der Horizont in den Sümpfen Louisianas nicht so wolkenlos wie am Pazifik erscheint. Neben Musik gehören auch Polizeisirenen zu dem Sound, der durch die schwere, warme Luft wabert. Und über allem, unter allem, in allem verbirgt sich die Frage, ob Amerika jemals Erlösung finden kann und seiner schwarzen Bevölkerung, die in New Orleans die Mehrheit stellt, endlich Chancengleichheit bietet.

Ich nehme viel mit aus San Francisco – eine Menge Wissen, ein paar Freundschaften, hilfreiche Kontakte; die Gewissheit, dass mein weiterer Weg eng mit der Digitalisierung verknüpft sein wird und ich noch eine Menge beizutragen habe. Doch jetzt freuen wir uns fast wie im Fieber auf die nächsten zwölf Monate und was auch immer sie uns schenken werden. Denn wie fantastisch ist es, eine Stadt wie New Orleans einatmen und von ihr lernen zu dürfen?

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Kommentar

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  1. Wow! Das trifft sich nicht nur gut mit meiner neuen Freude an Jazz sondern überhaupt mit einer … wie soll ich sagen … Faszination für New Orleans. Die füttert sich natürlich zuerst aus dem fast schon uralten Mythos der Stadt, den Du ja oben schon ganz umschreibst. Dann aber auch meinen Shadowrun-Zeiten, in denen New Orleans ein Smuggler-Haven ist, ein Ort an dem sich Han Solo sehr wohl gefühlt hätte. Das, zusammen mit noch ein paar anderen Punkten, lassen New Orleans in meinem Kopf zu einer Fiktion einer Stadt werden.

    Ich freue mich riesig, jetzt einen Echtwelt-Verbindung zu dieser Fiktion zu haben und bin suuupergespannt darauf, was Du uns von dort erzählen wirst, und was New Orleans mit Dir machen wird.

  2. Wie gut, New Orleans! Da komme ich nicht umhin, dir Treme zu empfehlen. Eine großartige Serie von den Schöpfern von The Wire, in der sich eigentlich alles um Musik oder Essen dreht. Viel Erfolg in der neuen Heimat! Freue mich, hier von ihr lesen zu können.

  3. @PP: Treme kennen wir, logo. Wir leben auch direkt angrenzend, was allerdings in der Realität weniger romantisch ist, viel Kriminalität und Shootings (New Orleans ist eine Block-by-Block-Stadt).