in Horizont, Notiz

Kids these days

Die Menschen, die unsere unlösbaren Probleme lösen, leben heute schon

„Damit die nächste Generation [zur Lösung zivilisatorischer Probleme] in der Lage ist, sollte man vielleicht erstens aufhören, es ihr unnötig zu erschweren (Stichwort Klimawandel) und zum zweiten an Rahmenbedingungen arbeiten, die diesen Fortschritt auch ermöglichen: Das beginnt damit, dass wir aufhören, in das immer gleiche Muster des kulturellen Niedergangs zu verfallen. Nein, die nächste Generation ist nicht per se dümmer (oder gar digital dement), nur weil sie das Pech hatte nach uns – dem egozentrischen Maßstab unserer Weltsicht – geboren worden zu sein. Und ja, man kann etwas dafür tun, Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, die Schülerinnen und Schüler für die Probleme der Gegenwart und Zukunft zu wappnen.“

Dirk von Gehlen zitiere ich gerne, auch wenn ich es ungern sehe, dass er immer noch gegen den ritualisierten Kulturpessimismus anschreiben muss. Natürlich gibt es einige Gründe, mit Sorge in die Zukunft zu blicken, aber die Kids von heute gehören nicht dazu.

Die gerne kritisierte Selbstbezogenheit ist ja nur die Fortsetzung einer jahrzehntelangen Entwicklung, und ich würde sogar sagen, dass die Generationen davor sich weit rücksichtsloser selbst verwirklicht haben – siehe ökologischer Fußabdruck. Der Vorwurf, zu angepasst zu sein, ist etwas billig, immerhin war es der Zeitgeist seit den Neunzigern, der die ökonomische Verwertbarkeit zum Primat der persönlichen Entwicklung erklärt hat. Was meine Generation unter anderem für die Nachfolger tun kann (neben: gute Eltern zu sein), ist genau diese Boxen zu zerlegen, in denen wir denken und handeln – denn es geht ja tatsächlich um große, kaum zu prognostizierende Veränderungen. „I saw the best minds of my generation thinking about how to make people click ads (and visit caves in Madeira in the summer)“ ist da nicht mehr genug und wäre eine Verschwendung des Potenzials, das gerade heranwächst. Aber das weiß die kommende Generation am besten.

Siehe auch:
 Dirk von Gehlen: Das Pragmatismus-Prinzip
Dunkler
Die Retro-Republik (2008)

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