Klima: Die Tür ist erstmal zu

Muss sich künftig selber helfen (via COP-15)

Muss sich künftig selber helfen (via COP-15)

Der Klimagipfel in Kopenhagen ist gescheitert, selbst wenn die Delegierten die Abschlusserklärung verabschiedet hätten, er wäre nichts, aber wirklich nichts wert gewesen, jenseits des Papiers, auf dem sie geschrieben steht.

Dem ersten Eindruck nach haben vor allem China und die USA den Gipfel gegen die Wand gefahren: China, weil ein Klimakompromiss bedeutet hätte, die eigene Wirtschaftspolitik zum Teil aus den Händen zu geben. Diplomatisch spannend: Peking nutzte für seine Blockadestrategie seine Allianzen mit verschiedenen afrikanischen Ländern, die es in den vergangenen Jahren geschmiedet hat.

Auch den USA kommt das Scheitern nicht unrecht, hat doch Obama mit der Gesundheitsreform, Afghanistan und der schwächelnden Wirtschaft bereits genug Themen, die seinen Spielraum einschränken. Die Art und Weise, wie Obama von China in die Rolle eines Schulbuben gedrängt wurde, zeigt allerdings, dass die politische Gestaltungskraft der größten Militärmacht der Welt inzwischen klare Grenzen hat. Die EU hat sich bemüht, aber einmal mehr bewiesen, dass sie auf internationaler Ebene nicht als Einheit wahr- und ernstgenommen wird.

Das bittere Ende des Gipfels birgt einige Konsequenzen: So wird die Klimapolitik künftig in der Hand der G-20 liegen, denn niemand kann ernsthaft etwas von den beiden UN-Konferenzen in Bonn und Mexiko im nächsten Jahr erwarten. Ob es auf dieser Ebene in der nächsten Zeit wirklich Bewegung geben wird, darf aufgrund der anhaltenden Weltwirtschaftskrise bezweifelt werden. Ähnlich wie die G-8 werden auch die G-20 in Sachen Klima auf Symbolpolitik setzen, man erinnere sich an die Episode “Merkel rettet das Klima“ vom Juni 2007 in Heiligendamm, die mich bereits damals ziemlich aufgeregt hat.

Vor allem aber hat das Thema Erderwärmung in der öffentlichen Wahrnehmung bereits seinen Aufmerksamkeitszenit überschritten: Was in den nächsten Monaten und Jahren auch in Europa erfolgen wird, ist der Aufstieg des Klimaskeptizismus, des Relativismus. Die Allianz aus konservativen Verfechtern des Status Quo und sich als kritische Geister definierenden Zeitgenossen wird wachsen. Als Konsequenz wird sich bei der notwendigen Umstellung unserer Lebensweise eine Entschleunigung durchsetzen, die meiner Meinung nach für uns in der Endabrechnung fatale Konsequenzen haben könnte. Ein europaweites Bürgerbegehren zu einem verbindlichen Klimaabkommen, wie es die Grünen vorschlagen, könnte durchaus scheitern.

Was am Ende bleibt, ist ein Dokument, dessen Hybris die ganze Machtlosigkeit der Menschen dokumentiert, sich auf kommende Veränderungen einzustellen: Eine Politik, die dem Erdklima vorschreiben möchte, sich nicht mehr als zwei Grad zu erwärmen, ist an sich schon skurril. Dies aber verwirklichen zu wollen, ohne dafür nur ein kleines bisschen die nationalen Interessen zurückzustellen (ja, damit sind auch Sie gemeint, Frau Autokanzlerin!), beweist einmal mehr die Handlungsunfähigkeit der Weltgemeinschaft auf diplomatischer Ebene.

So richten sich die verbliebenen Hoffnungen auf die Graswurzelbewegungen, die ironischerweise in Kopenhagen aus Platzgründen kaum zugelassen wurden. Wer sich nicht auf Lobbymechanismen verlassen möchte, dem bleibt nur die Erkenntnis, dass es wiederum einzig wir als Individuen sein werden, die einen Unterschied machen, uns für oder gegen eine rücksichtsvolle Lebensweise entscheiden.

3 Gedanken zu „<span class='p-name'>Klima: Die Tür ist erstmal zu</span>“

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