in Denken, Notiz

Captain Karl Obvious Knausgård

Knausgaard devours himself

„Ohne explizit zu werden, legt Knausgård die Idee nahe, dass „Min Kamp“ als Reaktion auf „Mein Kampf“ gelesen werden kann, als dessen Umarbeitung – das seine Art und Weise, nach Authentizität zu streben, darin besteht, dass er genau das tut, was Hitler in seinem Buch vermeidet. Wo Hitler vage ist, wird er spezifisch. Wo Hitler die persönliche Erfahrung der Ideologie unterordnet, wird er sich im Spezifischen suhlen, und gewissenhaft alles vermeiden, was auf eine übergeordnete Sache deutet. Hitlers Werk ist völlig unehrlich. Knausgård will radikale Ehrlichkeit, also eine Innerlichkeit auszudrücken versuchen, die nicht mitteilbar erscheint – und es wagen, das Fantasieleben mit der Realität kollidieren zu lassen, das intensive Gefühl der Scham zur Schau zu stellen, statt es tief zu vergraben.“

Ruth Franklin hat nach Lektüre des sechsten und letzten Bandes (stattliche fünfeinhalb Bände mehr, als ich gelesen habe) Knausgårds Idee stichhaltig entschlüsselt. Aber welch eine Enttäuschung für mich, dass sich nach all den Jahren des Rätselratens ein Buch mit Originaltitel „Mein Kampf“ wirklich als Kommentar zu „Mein Kampf“ entpuppt.

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