in Denken, Notiz

Longtail, das sind wir alle

Why Some of Instagram’s Biggest Memers Are Locking Their Accounts (1)
 The Twitch Streamers Who spend Years broadcasting to No One (2)
Book sales boom but authors report shrinking incomes (3)

Drei Texte aus den vergangenen Wochen: (1) beschreibt, wie Instagram-Influencer ihr Profil auf privat stellen, um Exklusivität zu simulieren und Unfollows zu senken. (2) erzählt on Twitch-Gamern, die jahrelang streamen, ohne überhaupt einen Zuschauer zu haben. (3) wiederum stellt den wachsenden Umsätzen der britischen Buchbranche die sinkenden Median-Jahreseinkommen von Autoren entgegen (vgl. Beststeller-Fokus).

Alle drei Artikel symbolisieren für mich eine Entwicklung: In einer Welt quasi unendlichen und unendlich weiter wachsenden Contents wandert fast zwangsläufig so gut wie alles in den Longtail, und zwar immer näher in Richtung Unsichtbarkeit (siehe die Twitch-Gamer ohne Publikum) und Nullumsatz. Im Gegenzug können die „Powerseller von Aufmerksamkeit“ an der Spitze stabile bis steigende Preise für ihre Ware erwarten, arbeiten allerdings – wenn sie nicht gerade ein bestimmtes Marken- oder Promi-Level erreicht haben – immer dagegen an, vom nächsten Meme verdrängt zu werden.

Für uns als „Content-Konsumenten“ ist das insofern eine gute Nachricht, als wir gar nicht so viel lesen, gucken, hören oder sonstwie aufnehmen können, wie es da draußen gibt. Für uns als „Content-Produzenten“ bedeutet es aber einen gewaltigen Aufwand, überhaupt wahrgenommen zu werden, und sei es nur bei unseren 25 Instagram-Followern.

Und da wir alle inzwischen beide Rollen in uns vereinen, wissen wir beinahe instinktiv, was zu tun ist: Wir konsumieren und produzieren den je nach Plattform/Medium salzigsten Content. Und verschieben damit die Wahrnehmung in Richtung des Geschmacks, den auch die Powerseller von Aufmerksamkeit bedienen. Kein Wunder, dass eine derartige Aufregung herrscht und jeder sich Gehör verschaffen möchte.

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Kommentar

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  1. ist „salzig“ schon im (US-) mainstreamsprachkorpus angekommen? wunderte mich weil ich doch sonst nur menschen aus dem reddiversum davon reden höre…

  2. Superkluge Einschätzung von Dir. Und wie sooft denke ich: Hätte man vorher drauf kommen können: Einer der zentralen Unterscheide digitaler Netzmedien zu den alten MEdien ist eben: „Many to Many“-Kommunikation statt wie zuvor „Few to Many“. Das bedeutet eben zwingend dass das Angebot wächst und zwar bis zu dem Grad an dem fast jeder Empfänger auch ein Sender ist.

  3. @tk: „Salty language“ ist definitiv schon eingesickert, ich habe es einfach mal für das Deutsche adaptiert…

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