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Der Niedergang des Nationalstaats

The demise of the nation state

„Nach so vielen Jahrzehnten der Globalisierung sind Wirtschaft und Information erfolgreich aus der Autorität nationaler Regierungen herausgewachsen. Die Verteilung planetaren Wohlstands und der Ressourcen wird heute von kaum einem politischen Mechanismus angefochten. Aber dies zuzugeben, würde eine Akzeptanz des Endes der Politik bedeuten. (…) Der libertäre Traum – veraltete Bürokratien ergeben sich makellosen High-Tech-Systemen der Unternehmen, die dann das Management alles Lebens und aller Ressourcen übernehmen – erscheint heute eine wahrscheinlichere Zukunftsperspektive als die Fantasie, zur Sozialdemokratie zurückzukehren.

Regierungen, die von äußeren Kräften kontrolliert werden und deshalb nur bedingt Einfluss auf nationale Angelegenheiten haben: so war es schon immer in den ärmsten Nationen der Welt. Aber im Westen fühlt es sich wie eine furchterregende Rückkehr zu primitiver Verletzlichkeit an. Der Angriff auf die politische Autorität ist nicht nur ein ‚wirtschaftliches‘ oder ‚technologisches‘ Ereignis. Es ist ein epochaler Umsturz, der westliche Bevölkerungen zersplittert und beraubt hinterlässt.“

Rana Dasgupta beschreibt ausführlich und in großer Klarheit die Gegenwart und führt dabei verschiedene Erklärungen zusammen, die derzeit herumgeistern. Im kommenden Jahr erscheint sein Essay in Buchlänge und ich traue ihm zu, in die
Sphären eines  Pankaj Mishra aufzusteigen. Seine Botschaft ist wichtig und doch weder ins Bewusstsein der Bürgerlich-Konservativen, noch in das der Progressiven eingedrungen: Es  wird keine Rückkehr zur Normalität geben und das Zeitfenster für eine Systemreform wird sich in absehbarer Zeit schließen.

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Kommentar

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  1. Das ist wirklich irre, wie Du (und die Autor*innen, die Du ins Spiel bringst) aus meiner ganz persönlich-biographischen Perspektive hier scheinbar nahtlos an das Gedankengut der erste Welle der Globalisierungs-Begleitung (Mitte / Ende der 90er) anschliessen. Ich hab’s Dir vermutlich schon drei Mal empfohlen, mache es aber gerne noch ein viertes Mal (und empfehle es damit auch allen, die heute hier lesen): „Martin Albrow – Abschied vom Nationalstaat“.

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