Jedi Mind Tricks

Star Wars: The Last Jedi abuse blamed on Russian trolls and ‚political agendas‘

„Mehr als die Hälfte der feindseligen Reaktionen auf ‚The Last Jedi‘, die achte Episode der Star-Wars-Saga, waren politisch motiviertes Trollen oder das Resultat nicht-menschlicher Bot-Aktivität. Dies ist die Erkenntnis eines wissenschaftlichen Papiers, das ein amerikanischer Digitalmedien-Experte publiziert hat.

Morten Bay, ein Forschungsstipendiat an der University of Southern California (USC), analysierte Twitter-Aktivitäten rund um den Film und kam zu dem Schluss, dass mehr als 50 Prozent der Postings von ‚Bots, Trollen/Sockenpuppen oder jenen politischen Aktivisten kam, die in der Debatte politische Botschaften für rechtsradikale Themen und die Diskriminierung nach Geschlecht, Ethnie oder Sexualität platzieren wollten. Ein Teil der Nutzer schienen russische Trolle gewesen zu sein.“

Filmkritik-Trolling mit politischer Agenda also. Ich kann zur Methodik nichts sagen und offenbar geht die Reihe ja qualitativ ohnehin den Bach runter. Und natürlich ist das Troll-Argument auch eine Möglichkeit, unangenehmen Debatten aus dem Weg zu gehen. Aber unter dem Strich bleibt, dass Twitter ein kaputter Ort ist. Wie fertig ist bitteschön eine Community, in der niemand weiß, ob, was und wie ein Diskurs manipuliert wird. Und in der das wieder und wieder geschieht, während die Community-Manager mehr oder weniger achselzuckend darauf reagieren.

Siehe auch:
Hyperrealität und Medienwirklichkeit

Virtue Signaling

Virtue Signaling

B.D. McClay über den Vorwurf des „Virtue Signaling“ (ungefähr:“Signalisieren von Tugendhaftigkeit“), einem beliebten Argumentationsmuster im Internet. Das Argument: Jemand sagt etwas, weil er damit korrekt/cool/engagiert/interessiert/an der Problemlösung mitwirkend erscheinen möchte, obwohl er in Wahrheit viel weniger korrekt/cool/engagiert/interessiert/an der Problemlösung mitwirkend ist. Der Vorwurf hat von Fall zu Fall seine Berechtigung, aber McClay spiest ganz gut auf, warum er so einfach zu konstruieren ist und damit als rhetorische Ablenkung inflationär verwendet wird:

„Vielleicht magst du die Romane von Leo Tolstoi, weil sie gut sind; vielleicht aber auch, weil dir gesagt wurde, dass schlaue Menschen sie mögen und du für schlau gehalten werden willst. Am wahrscheinlichsten ist aber, dass es sich um eine unerforschliche Mischung aus beidem handelt – weil dein Geschmack nicht in einem Vakuum existiert und du ihn wahrscheinlich nicht nur aus zynischen Gründen entwickelt hast. Und wenn jede Handlung in einer Situation ein Tugendhaftigkeits-Signal sein kann, ob im Einklang oder gegen deine Prinzipien, dann ist ‚Virtue Signaling‘ als Diagnose-Werkzeug nicht besonders nützlich.

Wie auch das Konzept der Heuchelei sollte der Vorwurf von Tugenhaftigkeits-Signalen Menschen daran erinnern, dass was sie sagen oder schreiben mehr als leere Worte sein sollten. Aber häufiger fordert er implizit dazu auf, den Worten überhaupt keine Beachtung zu schenken, weil sie alle leer sind. Tugendhaftigkeit zu signalisieren ist schlecht, wenn das Signal über der echten Tugend steht. Um mich bei Robin Hanson zu bedienen: Jemand sollte sagen, das es bei X um Y geht und gehen sollte. Aber der Vorwurf des ‚Virtue Signaling‘ ist häufiger eine Methode, die Frage ob es bei X wirklich um Y geht zu vermeiden, indem das Motiv über den Inhalt der Überzeugungen erhoben wird.

Es kein Zufall, dass diese Obsession mit dem Signalisieren in Gemeinschaften des Online-Unbehagens floriert: Etwas zu signalisieren, in einem sehr durchdachten Sinn, lässt sich in digitalen Interaktionen nicht vermeiden. Alles, was du online tust, ist bewusst – in dieser Weise fehlt ihm eine Natur des Offline-Lebens. E-Mails, Tweets und Textnachrichten sind so durchdacht, dass sie keine Spontanität einräumen. Wenn du eine Liste deiner Lieblingsbücher für Facebook ausfüllst, ist dir bewusst, was das über dich aussagt – und was die Betonung von Büchern (anstatt Filmen oder Musik) über dich aussagt. Wenn du ein Profilbild heraussuchst, ist das dein Gesicht, unveränderbar, solange du es benutzt. Wenn du ein Dating-Profil ausfüllst, versuchst du Eigenschaften zu wählen, die dich akkurat repräsentieren – aber die auch eine bestimmte Art Person anziehen werden. Du signalisierst, dass du der Idealmensch deines Idealmenschen bist.“

Die Kritiken, die im Vorwurf des ‚Virtue Signaling‘ mitschwingen, verlangen eine Art von unmöglicher Reinheit des Motivs – die Sicherheit, dass deine Handlung in einem völligen Vakuum genau die gleiche wäre.

Es kommen noch einige Gedanken-Volten, weshalb sich der Text weit über dieses Zitat zu lesen lohnt.

Kommunikative Empathie

I have not been oppressed

„Die wichtigste Sache ist Empathie, kommunikative Empathie. Das bedeutet nicht, Ideen Verständnis entgegen zu bringen, die du widerwärtig findest. Sondern zu untersuchen, ob sie überhaupt wirklich abstoßend sind. Keine falsche Höflichkeit, die auf Bullshit-Normen fußt, sondern eine Verpflichtung, sorgsam zu lesen und im Gegenzug sorgsam zu antworten. Ein Diskurs ist dann einfühlsam, wenn Gedanken erst einmal vollständig gehört werden, bevor wir auf sie antworten. Nicht aus einer ritualisierten Verpflichtung, ‚beide Seiten zu hören‘. Sondern aus dem Wissen heraus, dass keine Antwort – auch nicht völlige Ablehnung – Bedeutung haben kann, bevor sich echtes Verstehen vollzogen hat. (…) Es gibt ein besseres Gespräch zu führen, aber du kannst es nur führen, wenn du es führst. Übe eine einfühlsamere Form der Rede als deine Gegner, und vielleicht ändern sich die Dinge. Oder, wenn es dir wie mir geht und du feststellst, dass deine Teilnahme unergiebig ist, kannst du das Feld räumen. Milliarden von Menschen verbringen jeden Tag, ohne darüber nachzudenken, was Leute im Internet sagen.“