in Notiz, Technologie

Scheitern und Erfolg in Tech

The Undertakers of Silicon Valley ($)

Adrian Daub, den ich in Sachen Stil und Erkenntnisgewinn inzwischen fast jedem anderen deutschen Autor vorziehe, hat in der neuen Ausgabe des Logic Mags über Scheitern und Erfolg im Silicon Valley geschrieben. Ein Auszug:

„Die Sache mit dem Scheitern ist, dass es unterschiedliche Bedeutungen hat – je nachdem, wem es passiert. Wenn ein konventionelles Unternehmen Geld verliert, während unregulierte digitale Konkurrenz es verdrängt, ist das demnach nur Zeichen dafür, dass die konventionelle Firma zu sterben verdient. Wenn dagegen ein disruptives New-Economy-Startup Milliarden verliert, signalisiert es, wie revolutionär und wagemutig die Macher sind.

Im Silicon Valley existiert eine ganze Hausindustrie, die sich damit beschäftigt, diese Unterscheidung zu treffen. Die kriecherische Hofpresse, die Hype-Maschine und die Angel-Investoren sind sofort bereit zu erklären, warum ein Projekt mit sämtlichen Merkmalen eines kompletten Reinfalls in Wirklichkeit eine geniale Idee ist. (…)

Eine Menge der jüngeren VCs sind selber sehr erfolgreiche Gründer, und die Zufälligkeit ihres eigenen Erfolgs ist ihnen noch nicht bewusst. Ich habe festgestellt, das normalerweise Menschen, die im Silicon Valley reich geworden sind, von ihrem Erfolg umgehauen werden. Er kommt so früh, so unberechenbar, so lautlos – ein Blitzeinschlag aus heiterem Himmel. Aber Menschen müssen dem, was ihnen passiert, einen Sinn geben. Einige distanzieren sich beinahe schüchtern von ihrem Schicksal. Aber diejenigen, die das nicht tun, müssen eine Geschichte dazu finden. Warum verdienen sie ihr günstiges Los? Was bedeutet es?

Das ist deshalb wichtig, weil nur diejenigen die nächste Generation von Startups finanzieren werden, die dem verblüffendsten und unerklärlichsten Erfolg begegnet sind. Wenn du deine Firma abwickelst, dein Team ein Aqui-Hire wird oder du irgendeinen anderen „sanften Exit“ hinlegst, hast du normalerweise nicht das Geld, um Risikokapital-Investments zu tätigen. Unter denjenigen, die dieses Geld haben, kann die Perspektive auf die Realität stark verzerrt sein – vielleicht muss sie es sogar, so geschockt wie sie alle über ihr erstaunliches Glück sind.“

Nicht nur wegen dieses Textes ist die neue Ausgabe von Logic wieder ein enormer Gewinn.

Update:  Hier ist das Stück beim Guardian frei zugänglich.

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