in Horizont, USA

US-Reformen und der Faktor Krieg

Talking Politics Guide to … the US Constitution

David Runciman im Gespräch mit dem Historiker Gary Gerstle. In ganzer Länge hörenswert, hier ein Auszug:10

Gary Gerstle: „Die amerikanische Demokratie steckt fest, aber durch Verfassung hat sie auch eine Geschichte, festzustecken. Weil die Verfassung fragmentierte die Macht zwischen den drei Zweigen der Regierung und zwischen der Zentralregierung und den Bundesstaaten fragmentiert. Dadurch ist es sehr schwierig, in normalen Zeiten großflächigen Wandel zu beeinflussen. Deshalb war die amerikanische Politik immer von sozialen Bewegungen abhängig, die außerhalb der formalen politischen Sphäre entstanden sind. (…) Es ist nicht das erste Mal, dass die amerikanische Demokratie feststeckt, und wenn wir uns an die Auflösung der Lähmungsmomenten in der Vergangenheit ansehen, kam die Energie von außerhalb der formalen politischen Kanäle, durch soziale Bewegungen und Aufstände, die die politische Klasse unter Druck setzen konnten, Dinge zu tun, die sie sonst nicht hätten tun können. Eine ähnliche Form könnte in den kommenden 10 bis 15 Jahren notwendig sein, um die Blockade der amerikanischen Politik zu lösen.“

David Runciman: „Oder die andere Sache, die diese Blockade auflöst, ist Krieg.

Gerstle: „Ja…ja. Und ich glaube es ist eine gute Frage, ob Amerika Krieg braucht um die Probleme zu lösen, an denen es in Friedenszeiten scheitert. Der New Deal in den 1930ern und die progressive Epoche zwischen 1900 und 1915 sind Beispiele für Zeitalter großflächiger Reformen, in denen Krieg nicht präsent war. Aber wenn wir uns an die unterschiedlichen Vermächtnisse erinnern: der erste Weltkrieg kam am Ende der progressiven Ära und viel von dem Erreichten wurde danach zurückgebaut. Das Gleiche hätte mit dem New Deal passieren können, wäre nicht direkt nach dem zweiten Weltkrieg der kalte Krieg gekommen. Und die große Zeit der Reform, der konstitutionellen Überarbeitung, lag in einer Zeit des Kriegs oder Fast-Kriegs, was der kalte Krieg. Die Frage ist also legitim, ob Amerika seinen Einfallsreichtum ohne Krieg zurückgewinnen kann.“

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