Arbeit und Sinn

The Religion of Workism Is Making Americans Miserable

„Es liegt etwas verschlagen dystopisches in einem Wirtschaftssystem, das die am höchsten verschuldete Generation in der amerikanischen Geschichte davon überzeugt hat, Sinn für wichtiger als den Gehaltsscheck zu halten. Wirklich, wenn Du eine Black-Mirror-Arbeitsgesellschaft erfinden würdest, die Überarbeitung ohne höhere Löhne als Ziel hat, wie würdest du das tun? Vielleicht würdest du junge, gut ausgebildete Menschen zu dem Glauben bringen, dass das Einkommen zweitrangig ist. Dass kein Job nur ein Job ist. Und dass die einzig wirkliche Belohnung für Arbeit das unbeschreibliche Strahlen des Sinns ist. Das ist ein teuflisches Spiel, bei dem eine Belohnung im Mittelpunkt steht, die so verlockend wie selten ist. Die fast niemand erreichen wird, aber jeden dazu bringt, für immer zu spielen.“

Die amerikanische Arbeitswelt mit ihren zehn Urlaubstagen, Studienschulden und allgemeiner Lust an der Selbstausbeutung ist natürlich ein extrem. Aber die Erfüllung durch Arbeit ist ein Phänomen unterschiedlichster Kulturen. Ich glaube sogar, dass dieser Wunsch zunehmen wird, je stärker die Erkenntnis über das wahre bullshitjobhafte Wesen vieler Jobs sich durchsetzt. Alles in allem also ein Rezept für persönliches Unglück bei allgemeiner Produktivitätssteigerung. Oder Erkenntnis auf der nächsten Stufe.

Siehe auch:
Automatisierung und verdeckte Menschenarbeit
Post-Lehman und 2020+

3 Gedanken zu „<span class='p-name'>Arbeit und Sinn</span>“

  1. für mich geht die kette nicht so ganz auf:

    mehr erkenntnis über bullshitjobs > mehr wunsch nach sinn (den es nicht gibt) > mehr unglück > mehr produktivität

    ist letzteres dann nur als folge der automatisierung zu begreifen? ansonsten sollten doch unglückliche arbeiter die produktivität mittelfristig in den keller gehen lassen (gerade wenn die austauschmöglichkeiten für die arbeitnehmer begrenzt sind).

  2. @thomas: Hmmm, guter Punkt, muss ich mal drüber nachdenken. Rein als Formel betrachtet würde sich das quasi auscanceln (Enttäuschung und Sinn). Meinst Du mit „begrenzten Austauschmöglichkeiten“ Fähigkeiten oder deutsches Kündigungsrecht etc.?

  3. @joha

    das bezog ich eher auf die fähigkeiten und die demographische situation in deutschland. irgendwann wird halt jeder verfügbare arbeitnehmer (in der region) einen bullshitjob gehabt haben und selbige dann entweder ablehnen oder herzlos für das geld ausführen.

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